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Othmar Trost und seine „Kunst in der Kirche“

Unter dem Titel „Von und zu Gott“ stellt der Matreier 12 großflächige realistische Bilder in der Pfarrkirche St. Alban und 106 abstrakte Bilder als Bibelzyklus im Pfarrheim aus. 

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Aufgewachsen ist Othmar Trost in einer Matreier Familie, die der Kultur und allem Neuen immer schon offen und aufgeschlossen gegenüberstand. Sein Vater Siegfried, ein Bergführer, ist im Iseltal als Maler unzähliger Venediger- und Innergschlöß-Ansichten bekannt geworden. Othmars Großvater war der Komponist Alois Trost, der 1910 gemeinsam mit seinem Bruder Josef die Altmatreier Tanzmusik begründete. „Mein Vater hat meistens in unserer Küche gemalt. Hier haben ihn die Maler Franz Walchegger und Franz Eichhorst oft besucht. Ich kann mich aber auch noch an die vielen Gespräche mit Verhaltensforscher Prof. Otto König in unserer ‚Kuchl‘ gut erinnern. Gespannt habe ich den Geschichten über die Matreier Mentalität, das Klaubauf-Brauchtum oder die Kranzltage gelauscht“, erzählt mir der 52-jährige Kunstschaffende bei meinem Besuch im alten „Köfler-Haus“ im Matreier Hintermarkt.

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„Woher komme ich?“ – das erste Bild des zwölfteiligen Zykluses stellt die Geburt dar.

 

Othmar verbringt inzwischen wieder viel Zeit im Haus seiner Vorfahren. Im Dachboden hat er sich ein Atelier eingerichtet. Hier sind auch die zwölf großformatigen Ölgemälde entstanden, die derzeit in der Pfarrkirche St. Alban zu sehen sind. „Das Bildprogramm und die Anzahl der 12 großformatigen Bilder (Öl auf Leinwand, 200 x 130 cm) lassen im Kontext des Kirchenraumes zunächst auf eine symbolische Bedeutung schließen, auf Monate, Apostel oder Kreuzwegstationen. Doch erscheint es sinnvoller, die Bilder ihrem Inhalt gemäß zu begreifen und ihnen damit einen Sitz im Leben zuzuweisen. Unbewusst berühren diese Bilder nämlich ganz existenzielle Fragen philosophischer Provenienz, die sich wohl jeder einmal in seinem Leben gestellt hat oder stellen wird: Woher komme ich? Wer bin ich? Wohin gehe ich? Diese Fragen zu behandeln, ist nicht zuletzt der Sinn aller Religionen“, schreibt die Kunsthistorikerin Dr. Ursula Marinelli in der Begleitbroschüre zur Ausstellung „Von und zu Gott“.

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Othmar Trosts Mutter Anna war einst die Ortshebamme von Matrei. Im Familienbesitz befindet sich nur ein Foto, das sie mit einem Baby zeigt. Dieses Motiv hat Othmar im ersten Bild „Woher komme ich?“ verarbeitet. Ursula Marinelli dazu: „Das Bild einer Frau mit einem Neugeborenen als Synonym für den Beginn allen Lebens, die Geburt. Für die römisch-katholische Kirche assoziieren wir mit dem Bild einer Frau mit Kind vor golden schimmernden Grund die Geburt Jesu und damit das Weihnachtsfest. Im Auge des Künstlers wiederum sehen wir seine Mutter, eine Hebamme, die gerade einem Kind den Weg ins Leben gewiesen hat.“

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Das „Löbbentörl“ – einen wunderschönen Platz hoch über dem Innergschlöß mit Rundblick auf die Berg- und Gletscherwelt des Venedigermassivs – hat der Matreier im letzten Gemälde der zwölfteiligen Reihe dargestellt. „Für mich bedeuten Berge Heimat. So wie die Szenerie am Löbbentörl stelle ich mir das Paradies vor: Gletscher, Funkeln, Licht und Schatten“, meint der Künstler dazu. Kunsthistorikerin Ursula Marinelli sieht das Bild so: „Das Paradies ist von je her mit einer Naturvorstellung bedacht, nämlich einem Garten (Eden) … Das Paradies, das uns der Künstler zeigt, ist eine Tiroler Variante davon: das Gebirge als natürliche Begrenzung eines unbestimmten, aber durch das Symbol des Kreuzes von Menschen gestalteten Naturraumes.“

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Othmar Trost bei der Ausstellungseröffnung mit Pfarrer Mag. Ludwig Kleissner und Laudatorin Elisa De Gaetani

 

Zusätzlich zu den zwölf Gemälden hat Othmar einen Bibelzyklus geschaffen, der aus 106 Acryl-Bildern besteht und im Pfarrsaal der Tauerngemeinde gezeigt wird. „Darin sind Bibelstellen aus dem Alten und Neuen Testament in abstrakter Form aufgearbeitet. Sowohl die Ölgemälde in der Kirche als auch den Bibelzyklus verstehe ich nicht als Demonstration meiner Religiosität oder meines Glaubens“, betont der Künstler. „Sie sind vielmehr das Ergebnis meiner persönlichen Auseinandersetzung mit der Bibel, eine Darstellung des kirchlichen Lebens in St. Alban und von Ereignissen im Leben eines Menschen bzw. alltäglicher Situationen in unserer Gemeinschaft. Diese Themen beschäftigen mich schon seit längerer Zeit. Die Tatsache, dass sich unser langjähriger Pfarrer Mag. Ludwig Kleissner heuer von der Pfarre verabschiedet, hat mich noch einmal bestärkt, diese Ausstellung zu realisieren“, so Trost.

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Der selbst gewählte Titel der Ausstellung „Von und zu Gott“ spielt auf ein Gemälde von Franz Walchegger aus dem Jahr 1958 an, das von Kennern auch „Blauer Christus“ genannt wird. An Walchegger faszinieren Othmar Trost nicht nur dessen konsequenter und kompromissloser künstlerischer Werdegang, sondern vor allem auch dessen Bildfarben. Am ,Blauen Christus‘ war es v.a. dieses besondere, mit weiß gebrochene und dadurch kühl wirkende Blau, das ihn zum Grundton einiger seiner eigenen ausgestellten Bilder beeinflusste.

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Othmar Trost, der zunächst das Uhrmacherhandwerk bei seinem Bruder Faust erlernte, hat sich künstlerisch unter anderem an der Akademie Faber-Castell in Nürnberg und an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Prof. Gunter Damisch weitergebildet. Im Anschluss an seine Ausstellung in Matrei wird der Maler mit Bildern auf der „Berliner Liste“ – einer der größten europäischen Kunstmessen für zeitgenössische Malerei, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken – vertreten sein.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images