„Regionalität und Kunden-Partnerschaft sind unsere beständigen Erfolgsfaktoren!“
… betont Dir. Mag. Hansjörg Mattersberger, Vorstandsvorsitzender der DolomitenBank Osttirol-Westkärnten eG, und verweist darauf, wie wichtig diese Werte gerade auch in Zeiten des starken Wandels sind.
Im Osttirol heute-Interview informieren er und Dir. Mag. Gudrun Prietl, seit Mitte 2022 stellvertretende Vorstandsvorsitzende, über den Weg der DolomitenBank hin zu einer erfolgreichen eigenständigen Regionalbank, nehmen zu allgemeinen Themen wie Zinsentwicklung, Kreditvergabe und Bürokratismus Stellung und erläutern, wo sie für den Zukunftsraum Osttirol Chancen, aber auch Herausforderungen sehen.
Herr Dir. Mattersberger, die DolomitenBank zählt mit acht Geschäftsstellen und über 90 Mitarbeiter:innen heute zu den stärksten Banken im Einzugsgebiet. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten?
Wenn man die Entstehung unserer Bank historisch betrachtet, so kann man feststellen, dass sie heute zur größten selbstständigen Regionalbank im gesamten Marktgebiet Osttirol-Oberkärnten geworden ist. 1971 als Genossenschaft gegründet, gehörte sie zunächst dem Volksbanken-Verbund an. Am Beginn gab es nur ein kleines Mietlokal im oberen Stadtzentrum von Lienz und zwei Mitarbeiter. Die Bankgründung erfolgte in den Jahren nach Eröffnung der Felbertauernstraße, wobei die damalige Aufbruchstimmung im Bezirk mit einem großen Kapital-Bedarf einherging. Das Kreditangebot für die gesamte Bevölkerung, die Wirtschaftsunternehmen, aber auch für öffentliche Institutionen war in dieser Zeit viel zu gering. Dies gab unter anderem den Anstoß, dass der damalige WK-Bezirksstellenleiter und spätere Landtagsabgeordnete Dr. Leo Gomig gemeinsam mit Proponenten aus dem Bezirk die Osttiroler Volksbank Lienz ins Leben rief. Im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte setzte sich die Erkenntnis durch, dass für eine Bank nicht nur die Verankerung in der Region von entsprechender Bedeutung ist, sondern auch eine bestimmte Größe am Markt. 2015 gelang der Schritt in die Selbstständigkeit. Außerdem konnten wir die ehemalige Volksbank Gailtal und die Volksbank Gmünd als Partner gewinnen. Heute sind wir strategisch so platziert, dass wir aus dem Kerngebiet Osttirol-Oberkärnten und Teilen Südtirols nicht mehr wegzudenken sind. Dies findet u.a. auch in einer Bilanzsumme von 575 Millionen Euro seinen Ausdruck.
Was ist für Sie als Vorstandsvorsitzender der wesentliche Auftrag der DolomitenBank?
Die DolomitenBank ist eine rechtlich selbstständige Kreditgenossenschaft, die den rund 6.700 Miteigentümern gehört, die die Gesellschaftsstruktur unserer Heimatregion widerspiegeln.
Damit steht der Mensch und nicht das Kapital im Vordergrund. Wir agieren als ökonomisch wie gesellschaftlich stark in Osttirol und Oberkärnten verankerte Privatund Unternehmerbank, als Anlage- und als Wohnbaubank. Unseren Auftrag sehen wir darin, unsere Mitglieder und Kund:innen in ihrer persönlichen und wirtschaftlichen Entwicklung zu fördern, um einen entscheidenden Beitrag für ihren Erfolg leisten zu können. Die Bank gehört den Menschen der Region und dient ihnen. Das in der Region erwirtschaftete Kapital kommt dieser zugute. Sehr wichtig ist uns die gelebte Kundenpartnerschaft, in der Kompetenz, persönliche Beratung und vor allem gegenseitiges Vertrauen eine entscheidende Rolle spielen. Natürlich sind moderne Technologien wichtig und werden zukünftig zweifellos noch mehr an Bedeutung gewinnen. Wir werden diese im Sinne verbesserter interner Abläufe und zur Optimierung unserer Geschäftsprozesse auch einsetzen. Schlussendlich sollen uns die innovativen Techniken jedoch jenen Spielraum sichern und erhalten, der für die persönliche Beratung und Betreuung der Kund:innen erforderlich ist.
Frau Dir. Prietl, seit 2022 hat die EZB den Leitzins zehnmal in Folge erhöht – mit Auswirkungen auch auf die Wirtschaft und Bevölkerung in der Region. Mit welcher weiteren Zinsentwicklung ist aus heutiger Sicht zu rechnen?
Bis 2022 hatten wir eine längere Phase von rund sieben Jahren, die von Negativzinsen und einer Null-Prozent-Zinspolitik der EZB geprägt war. Beginnend mit Jahresmitte 2022 kam es dann zu markanten Veränderungen. Die EZB erhöhte den Leitzins Schritt für Schritt, um volkswirtschaftlich sowie in der Inflationsbekämpfung entsprechende Steuerungsinstrumente einzusetzen. Seitdem
liegen wir nun wieder auf einem „normalen“ Zinsniveau, was bedeutet, dass Zinsen wieder „einen Preis” haben. Natürlich sind damit auch Herausforderungen verbunden, wie die immer noch relativ hohe Inflation sowie ein Regelwerk, das darauf zu reagieren versucht. Unsere gemeinsame Einschätzung der weiteren Entwicklung ist es, dass wir gegen Ende des heurigen Jahres in etwa auf ein Zinsniveau kommen, das um 0,75 Prozentpunkte niedriger sein dürfte als aktuell. Im kommenden Jahr könnte es nach Angaben von Analysten nochmals um minus 0,50 Prozentpunkte nach unten gehen, sodass wir uns in einer mittel- bis längerfristigen Perspektive zwischen 3,25 und 3,50 Prozent wiederfinden dürften.
Herr Dir. Mattersberger, die Finanzmarktaufsicht hat 2022 eine neue Verordnung mit strengeren Auflagen in Sachen Kreditvergabe erlassen. Wie hat sich der Kreditsektor der DolomitenBank zuletzt entwickelt?
Der private Wohnbau ist massiv eingebrochen, wobei wir von nur mehr einem Viertel bis einem Drittel von dem sprechen, was beispielweise in den starken Jahren 2021 und 2022 investiert wurde. In einer Art Vorweg-Reaktion auf diese neuen Richtlinien hat man zwar im Wohnbau einige Projekte vorgezogen, trotzdem ist in diesem Segment die Kreditnachfrage extrem zurückgegangen. Starke Einbrüche hat es 2023 auch im Bereich der Immobilienvermittlung und generell im Immobilienmarkt gegeben, wobei hier der negative Peak erreicht sein dürfte. Gut entwickelt haben sich hingegen die Zahlen im Unternehmenskreditbereich, da dort weiterhin gut investiert wurde und wird.
Sie haben die schwierige Situation im Wohnbau angesprochen. Wie beurteilen Sie die Rahmenbedingungen für all jene, die sich heute im Bereich Wohnen Eigentum schaffen möchten?
Eigentum in all seinen Facetten für möglichst viele Menschen stellt wohl eine der größten Stärken einer freien Demokratie und sozialen Marktwirtschaft dar. Leider ist dies derzeit, als Folge von Regularien und der Krisen der vergangenen Jahre, für viele nur mehr im Rahmen starker Familienverbände und alleine nur eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr möglich. Aktuell geht der Trend, auch bei uns in der Region, ganz klar weg vom Eigentum in Richtung von Mietwohnungen. Welchen mittel- und langfristigen Effekt das Paket des Bundes in Sachen leistbares Wohnen für die Menschen bringen wird, bleibt abzuwarten. Dies gilt auch für das von der Bundespolitik definierte Ziel, die Eigentumsquote in Österreich von derzeit 48 Prozent auf 60 Prozent im Jahr 2030 zu heben.
Der zunehmende Bürokratismus wird vielerorts mehr und mehr zum Problem. Frau Dir. Prietl, wie gestaltet sich diesbezüglich die Situation im Bankensektor?
Der Bankensektor ist mittlerweile stark reguliert. Man könnte sagen, dass wir uns heute in einer völlig anderen Welt wiederfinden als noch vor zehn Jahren. Im Sinne der Regulatorik werden immer mehr Gesetze beschlossen und Verordnungen erlassen, sowohl auf EU-Ebene als auch innerstaatlich. Natürlich trifft der um sich greifende Bürokratismus auch andere Bereiche der Wirtschaft und ist mittlerweile zum Teil so überbordend geworden, dass etwa im Unternehmensbereich wichtige Ressourcen gebunden werden und dadurch die Innovationskraft von Betrieben leidet. Wir müssen in Europa als demokratischer Kernraum doch sehr aufpassen, dass wir im regulatorischen Bereich nicht so weit gehen, sodass unsere Wirtschaft im internationalen Umfeld nicht mehr konkurrenz- oder exportfähig ist. Dies wird sicherlich eine der Kernaufgaben der EU im nächsten Jahrzehnt sein!
Herr Dir. Mattersberger, die Region hat sich bis 2019/2020 sehr gut entwickelt und auch in den vergangenen Krisenjahren eine hohe Resilienz bewiesen. Wie schätzen Sie die weitere wirtschaftliche Entwicklung ein?
Ich bin optimistisch, dass die Herausforderungen, vor denen auch unsere Region steht, gut gemeistert werden können. Die wirtschaftliche Struktur Osttirols und Oberkärntens basiert auf einem gesunden Branchenmix. Wir sind sowohl mit Handwerk und Gewerbe, Tourismus, Handel, Industrie, als auch mit dem Dienstleistungsbereich und der Landwirtschaft sehr breit aufgestellt. Darüber hinaus gibt es ausgezeichnete Lehr- und Bildungseinrichtungen und nicht zuletzt punkten sehr viele Unternehmen mit einer enormen Innovationskraft. Daraus resultiert auch ein attraktives Arbeitsplatzangebot, mit einer aktuell de facto Vollbeschäftigung. Dementsprechend sehe ich ein großes Zukunftspotenzial für unsere Region. Ich bin überzeugt, dass wir auch deshalb zu den „Gewinnern“ der Zukunft zählen werden, weil wir in einer Region mit einem hohen Potenzial an unberührter Natur und einer hohen Lebensqualität leben. Gerade diese beiden Faktoren werden für die jüngere Generation immer wichtiger. Man sieht ja schon heute, welchen Stellenwert das richtige Maß zwischen Arbeit und Freizeit hat.
Frau Dir. Prietl, die DolomitenBank organisiert hochkarätig besetzte Veranstaltungen bzw. fungiert als Unterstützer von Sozialprojekten, Vereinen und diversen Institutionen. Warum ist dies so wichtig?
Als regional verwurzelte Bank punkten wir mit der bereits erwähnten Nähe zu den Menschen und mit dem Wissen über die Region – und wir leisten unseren Beitrag für Gegenwart und Zukunft. Für die Bevölkerung organisieren wir Wohnbau-, Unternehmer- und Anlageforen und für unsere Mitglieder die Teilnahme an verschiedenen Events. Über die Bankaufgabe hinaus übernehmen wir im Rahmen der Unterstützung von Kunst und Kultur, Sozialem, Sport und Jugend Verantwortung. Durch Beiträge und aktive persönliche Leistungen fördern wir diverse Projekte zum Wohle Einzelner, aber auch der Gesellschaft. Der Blick auf die Ausstellerliste unserer DolomitenBank-Galerie zeigt, dass wir uns auch eine Relevanz und Berechtigung als Kunstraum erarbeiten konnten. Seit 2006 bieten wir regionalen Künstlern eine Bühne, in deren Rahmen sie ihre Werke ausstellen können. Gleichzeitig werden in der DolomitenBank-Galerie auch hochwertige Vernissagen von Kunst-Mäzenen mit einem sozialen Background veranstaltet.
Danke für das Gespräch!
Foto: © Martin Lugger