Pinzgauer Lokalbahn: neue Ära nach den Hochwasserschäden

Nach dreijähriger Unterbrechung aufgrund der verheerenden Hochwasserschäden pendelt die Pinzgaubahn seit dem 17. Juni 2024 wieder zwischen Zell am See und Mittersill – und erreicht inzwischen Rekord-Fahrgastzahlen.

Die Pinzgauer Lokalbahn wurde im Jahre 1898 eröffnet. Aus Kostengründen hatte man die Bahn schmalspurig gebaut. Sumpfgebiete wurden großräumig umfahren, weshalb die Strecke zum Teil recht kurvenreich ausfiel. 2021 traf ein schweres Hochwasser den Oberpinzgau, bei dem auch die Infrastruktur der Pinzgaubahn erheblich in Mitleidenschaft gezogen und die Gleise auf weiten Teilen der Strecke vollständig zerstört wurden.

 

An besonders hochwassergefährdeten Stellen wurden so genannte Überströmbereiche geschaffen.

 

„Es war für das Land Salzburg eine große Herausforderung, die Strecke wieder aufzubauen und gleichzeitig die Hochwassersicherheit zu optimieren“, erklärt Dienststellenleiter Thomas Oberkalmsteiner. Wie sein Stellvertreter Florian Knapp ist auch er gelegentlich noch als Lokführer im Einsatz. An besonders hochwassergefährdeten Stellen wurden sogenannte Überströmbereiche geschaffen. „Darunter versteht man eine fest betonierte Fahrbahn. Die Schienen sind direkt auf Betonplatten geschraubt. So kann die Salzach kontrolliert darüber fließen. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Schottergleisbett bieten diese Überströmbereiche bei Hochwasser erhebliche Vorteile“, schildert der Dienststellenleiter interessante Details.

 

 

Im Zuge des Wiederaufbaus hat das Land Salzburg auch in die Erneuerung der Bahnhofs-Infrastruktur investiert. „Der Bahnhof Stuhlfelden wurde barrierefrei modernisiert und zusätzlich ein neuer P&R-Parkplatz errichtet. Besonders erfreulich ist, dass der Verkehrsknotenpunkt Mittersill nun wieder mit der Bahn erreichbar ist. Hier befinden sich wichtige Busanbindungen in Richtung Ost- und Nordtirol“, so Oberkalmsteiner weiter. Nach der erfolgreichen Wiedereröffnung bis Mittersill im Juli 2024 ist nun geplant, die Strecke schrittweise bis Krimml wiederherzustellen. „Die Inbetriebnahme des nächsten Abschnittes von Mittersill bis Hollersbach ist für Sommer 2025 vorgesehen. Außerdem soll die aktuell im Dieselbetrieb fahrende Pinzgaubahn in den nächsten Jahren elektrifiziert und in Zukunft mit neuen Triebwagen ausgestattet werden“, lässt Florian Knapp wissen.

 

Der Verkehrsknotenpunkt Mittersill ist nun wieder mit der Bahn erreichbar. Der Bahnhof wurde erneuert.

 

Mit einem verbesserten Takt von 17 Zügen pro Tag auf der 28 Kilometer langen Strecke ist das Angebot nun attraktiver denn je. Der Stundentakt wurde täglich bis 23.00 Uhr verlängert. Am Morgen fährt ein Zug um 5.00 Uhr von Zell am See nach Mittersill, an Werktagen wird die Pinzgaubahn von Zell am See nach Niedernsill bis 18.00 Uhr im Halbstundentakt geführt. „Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 wird die Tiroler S-Bahn 8 von Hochfilzen bis Zell am See verlängert. So ergeben sich in beiden Richtungen kurze Umsteigezeiten zwischen ÖBB und Pinzgauer Lokalbahn“, sagt Thomas Oberkalmsteiner. Mit den zusätzlichen Verbindungen in der Früh und am Abend legt die Pinzgaubahn täglich 195 Kilometer mehr zurück. Das erweiterte Angebot wird von den Fahrgästen gut angenommen.

 

Teil des Investitionspakets war die Erneuerung und Modernisierung des Bahnhofes in Stuhlfelden.

 

„Zu je etwa einem Drittel befördern wir Schüler, Pendler und Touristen. Die Fahrgastzählung im Juni 2024 hat ergeben, dass 20.000 Fahrgäste pro Woche unsere Bahn nutzten – das ist ein neuer Rekord“, freut sich Florian Knapp. Jeder Stundentaktzug führt auch einen Fahrradtransportwagen mit Platz für 50 Räder mit. „Früher fuhren die Touristen und Freizeitsportler hauptsächlich mit dem Zug von Zell am See nach Krimml und radelten zurück. Heute greifen sie verstärkt auch zu E-Bikes und nutzen die unterschiedlichsten Kombinationen Zug/Rad. Im Winter kooperieren wir mit den Bergbahnen und bringen die Wintersportler mit der Pinzgaubahn zur Areitbahn, zum Kitzsteinhorn, zur Panoramabahn Kitzbüheler Alpen in Hollersbach sowie zu den Wildkogelbahnen.“

 

 

Die Pinzgauer Lokalbahn beschäftigt insgesamt 71 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Fahrdienst, Werkstatt, Streckenerhaltung und Fahrzeugreinigung. Alle Beschäftigten in den betrieblichen Bereichen müssen eigene Prüfungen ablegen und kommen regelmäßig auch als Lokführer zum Einsatz. Die Zugbegleiter (Schaffner) sind die Ansprechpartner der Fahrgäste, verkaufen Tickets und sind z.B. auch bei der Fahrradmitnahme behilflich. Die Fahrgäste der Pinzgaubahn schätzen insbesondere auch die Möglichkeit, ihre Tickets zuschlagsfrei im Zug zu erwerben.

 

 

Neben den regulären Zügen finden sich auch die beliebten Nostalgiefahrten mit historischen Dampf- und Dieselloks wieder im Programm. Ein besonderer Besuchermagnet ist die 73-019, die auf einer Spurweite von 760 mm die schnellste betriebsfähige Dampflok Europas ist. „Im Sommer unternehmen wir einmal wöchentlich Nostalgiefahrten mit den Dampfloks 73-019 oder Mh3. Nostalgiezüge verkehren auch z.B. beim Moonlightshopping in Mittersill oder im Advent. Diese Fahrten sind oft ausgebucht. Es ist ein besonderes Erlebnis, mit der Pinzgaubahn unterwegs zu sein. Die Fahrgäste können entschleunigen und sich entspannen, während die Landschaft an ihnen vorbeizieht – und im Barwagen Pinzga Schenke verschiedene Köstlichkeiten genießen“, schwärmen Thomas Oberkalmsteiner und Florian Knapp abschließend.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller

29. Oktober 2024 um