Im Einklang mit der Natur: Erste Obstbaubetriebe in Osttirol BIO-zertifiziert

Der Obsthof Webhofer in Gaimberg, der Ackererhof in Lienz/Patriasdorf und die Landwirtschaftliche Lehranstalt (LLA) Lienz haben es geschafft: Seit Ende August 2024 tragen ihre Produkte das BIO-Zertifikat.

Auf natürliche Anbaumethoden ohne den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, Düngern oder Herbiziden setzen Martin Mattersberger vom Ackererhof, Friedl und Michael Webhofer vom Obsthof Webhofer sowie die Landwirtschaftliche Lehranstalt Lienz. Im Jahr 2021 beschlossen die beiden Betriebe und die schulische Einrichtung, auf BIO umzustellen. Es war ein mutiger Schritt, der viel Einsatz erforderte. Nach einer dreijährigen Umstellungsphase dürfen sie ihre Produkte nun seit Ende August 2024 offiziell mit dem Siegel „BIO-zertifiziert“ vermarkten.

 

 

„Wir haben in unserem Obstbaubetrieb immer schon auf eine sehr natürliche Weise gearbeitet. Die BIO-Zertifizierung war der letzte Schritt, und wir sind stolz, jetzt gemeinsam mit dem Ackererhof und der LLA zu den ersten drei BIO-zertifizierten Obstbaubetrieben in Osttirol zu gehören“, meint Michael Webhofer, Absolvent der Fachschule für Obst-, Wein- und Gartenbau Laimburg in Südtirol. Die Umstellung war mit viel Arbeit und persönlichem Einsatz verbunden. „Wir setzen jetzt ausschließlich auf natürliche Mittel wie Mikroorganismen oder Steinmehle. So können wir Krankheiten und Schädlinge in Schach halten und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit der Bäume stärken“, erklärt Friedl Webhofer.

 

 

Die Baumstreifenpflege erledigen die Obstbauern mechanisch. „Der gezielte Einsatz des natürlichen Pflanzenschutzes und mehr Handarbeit bei der Fruchtausdünnung erfordern einen wesentlich höheren Arbeitsaufwand“, ergänzt Michael Webhofer, der gemeinsam mit seinem Vater Friedl den Mesnerhof in Gaimberg betreibt. Seit dem Jahr 2000 wird der Hof als reiner Obstbaubetrieb geführt. Die Produkte – neben Äpfeln und Birnen auch Apfelsaft, Apfelessig sowie Schnaps und Edelbrände – werden hauptsächlich über den eigenen Hofladen vertrieben.

 

Martin Mattersberger mit seiner Familie im Obstgarten des Ackererhofes in Patriasdorf

 

Für Martin Mattersberger vom Ackererhof war die Geburt seiner zweiten Tochter vor 7 Jahren ausschlaggebend dafür, dass er sich entschied, seinen Betrieb auf BIO umzustellen. „Als meine Kinder bei der Verlegung einer Wasserleitung mit der Erde herumspielten, wurde mir so richtig bewusst, wie wichtig ein natürlicher und gesunder Boden ist. Unsere Hennen haben ihren Auslauf im Obstgarten und fressen dort die Schädlinge, die sich im Boden verpuppen“, erklärt der Obstbauer.

 

 

Um die Apfelsägewespe hintanzuhalten, setzt Martin in seinem Obstgarten eine natürliche Massenfangtechnik ein. „Das sind nur zwei der natürlichen Methoden, die im Einklang mit der Natur stehen und die Gesundheit der Bäume stärken. Die BIO-Zertifizierung bereitet mir nicht nur große Freude, sondern motiviert mich auch, mein Wissen in diesem komplexen Bereich stetig zu erweitern“, sagt Martin, der auf seinem Hof in Patriasdorf neben Äpfeln, Birnen und Zwetschken auch Kartoffeln anbaut. Außerdem betreibt er Mutterkuhhaltung. Das Tafelobst, die Eier von seinen Legehennen, den Apfelsaft und den Schnaps, den er in Zusammenarbeit mit Rudi Schwarzer produziert, vertreibt er über einen kleinen Selbstbedienungsladen am Hof sowie am Lienzer Stadtmarkt.

 

Friedl Webhofer leitet seit 24 Jahren den Praxisunterricht im Obstgarten der LLA Lienz.

 

Aus wirtschaftlichen Gründen mache es keinen Sinn, auf BIO umzustellen, betont Friedl Webhofer. „Die Bewirtschaftung bedeutet ein beträchtliches Mehr an Arbeit. Sich in innovativer Weise mit natürlichem Obstbau zu beschäftigen, macht aber viel Freude – und auch das positive Feedback unserer Kunden und Kollegen motiviert uns“, so der Gaimberger, der seit 24 Jahren den Praxisunterricht im Obstgarten der LLA Lienz leitet, wissen.

 

 

„Die Themenpalette im Fach Obstbau reicht vom Baumschnitt und der Reifebestimmung der Früchte über den Pflanzenschutz bis hin zur Obst- und Produktverarbeitung. Es macht den Schüler:innen viel Spaß, selbst Hand anzulegen – etwa beim Baumschnitt. Nach einer kurzen Erklärung legen sie los – und es funktioniert immer sehr gut.“ Die Schüler:innen ernten im Herbst gemeinsam, lagern das Obst ein und stellen dann den Jahresbedarf an Apfelsaft für die LLA her.

 

 

„Die Äpfel werden in der Schulküche verarbeitet, und die Schüler:innen können während des ganzen Schuljahres Obst für ihre Jause entnehmen.  Wir brennen sogar unseren eigenen Schnaps, der als Präsent sehr beliebt ist“, informiert Friedl Webhofer und erzählt zum Abschluss noch ganz begeistert von der sogenannten Selbstpflücker-Aktion an der Landwirtschaftsschule. „In der Erntezeit kann Freitagnachmittag und Samstagvormittag jeder in den Obstgarten kommen und die Früchte – vorwiegend Äpfel – pflücken. Das Obst wird abgewogen, und gegen einen kleinen Beitrag kann es dann mit nach Hause genommen werden. An den Herbstwochenenden wird der Obstgarten regelrecht gestürmt. Die Obsternte ist vor allem auch für Familien mit Kindern ein besonderes Erlebnis.“

obsthof-webhofer.at
lla-lienz.at
ackererhof.tirol

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute

25. Oktober 2024 um