Holzbau Unterrainer: Hier wird Holz immer wieder „neu gedacht“
Sich produktiv, gestalterisch und nachhaltig mit dem alten Baustoff Holz zu beschäftigen, ist die Passion der beiden Osttiroler Leonhard und Gottfried Unterrainer.
„Das Bemühen, Ressourcen zu sparen, und die Verantwortung gegenüber der Natur liegen uns besonders am Herzen. Wir wollen in unserem Betrieb, bei allem, was wir tun, Nachhaltigkeit leben!“ Dieses Credo stellt Leonhard Unterrainer an den Beginn unseres Gespräches. Der 38-jährige Iseltaler ist gelernter Zimmerer. 2006 gründete er die Firma Holzbau Unterrainer, die 2009 in eine GmbH umgewandelt wurde und heute ihren Standort in Ainet hat. Von Beginn an mit an Bord war Leonhards Bruder Gottfried (43), ein gelernter Tischler. „Unser Ziel ist es, den Baustoff Holz und das traditionelle Handwerk durch Innovationen immer wieder weiterzuentwickeln und Impulse für die Zukunft zu setzen“, macht er deutlich. Vor etwa zehn Jahren haben die findigen Holzbauunternehmer das so genannte „Radiusholz“ konzipiert. „Mit der Radiusplatte sind wir weltweit das einzige Unternehmen, das gebogene Brettsperrholzplatten schnell und kosteneffizient herstellen kann. Die Platten gibt es natürlich auch in gerader Form. Alle unsere Objekte basieren auf diesen mehrschichtig aufgebauten Elementen, die im Bereich von Wand, Decke und Dach zum Einsatz kommen“, fasst Leonhard die innovative Entwicklung in Worte.
Eindrucksvoll demonstriert wurde diese hochtechnologische Konstruktionsart bei der Errichtung der eigenen Werkshalle auf dem Betriebsgelände in Ainet. Sie stellt den ersten großen Hallenbau dar, der mit Brettsperrholz und einem gebogenen Dach realisiert wurde. Die holzbautechnisch hochwertige Ausführung und konsequente Detailgenauigkeit in der Holzkonstruktion spiegeln sich auch in der aktuellen Auftragsarbeit der Fa. Unterrainer – einem Hallenbau in Seefeld – wider. „Hallen aus Holz fügen sich nicht nur harmonisch in die Landschaft ein, sie sind auch eine kostengünstige Alternative zum herkömmlichen Stahlbau“, betont Leonhard und verweist auf weitere Vorzüge des Holzbaus, wie das gesunde Raumklima oder die Eigenschaft, dass Holz Feuchtigkeit aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben kann. „Aus diesem Grund werden heute Hallen, in denen empfindliche Waren gelagert oder z.B. Oldtimer abgestellt werden, immer öfter aus Holz gebaut.“
Die Liste der im Werk in Ainet umgesetzten Projekte ist lang. Darunter finden sich u.a. auch Wildbrücken, die über deutsche Autobahnen führen. Leonhard Unterrainer dazu: „Wir haben auch schon Doppelbrücken-Konstruktionen gebaut, die mehrere Fahrbahnen überspannen. Die zeit- und kostensparende Produktion spielte dabei natürlich eine wesentliche Rolle.“ Prinzipiell zeigen sich er und sein Bruder davon überzeugt, dass eine Idee alleine zu wenig sei. Vielmehr müsse man mit einem Produkt immer auch einen nachhaltigen Nutzen stiften. „Mit unseren Platten kann man bis zu zwei Drittel an Material einsparen“, unterstreicht Leonhard diesen Standpunkt. Er vergleicht die gebogenen Platten gerne auch mit der Natur. „Auch dort ist nichts geradlinig!“
Sein Bruder Gottfried plant innovative Wohnhäuser und begleitet die Bauherren von der Angebotseinholung bis zur schlüsselfertigen Übergabe. „Auch in diesem Bereich setzen wir hauptsächlich auf Holz. Wichtig ist uns, dass alle verwendeten Materialien aus der Region kommen“, berichtet er von seinem Arbeitsfeld im Unternehmen. „Durch 3D-Visualisierungen können wir den Kunden einen realitätsnahen Eindruck von ihrem neuen Zuhause vermitteln. Gerne können sie sich im Werk in Ainet einen unmittelbaren und direkten Eindruck vom Werkstoff Holz und von unserer Produktionsweise verschaffen.“ Mit dem Begriff „Modulare Bauweise“ beschreibt Gottfried das im Betrieb entwickelte System, welches es möglich macht, Wohn- und Arbeitsräume an die unterschiedlichen Phasen des Lebens und die wechselnden Ansprüche anzupassen. Modular gebaut sind auch die Büros und das runde Besprechungszimmer in der Firma Holzbau Unterrainer. Eine „Ideenmappe“ liegt auf dem Schreibtisch. „Wenn mir etwas in den Sinn kommt, schreibe ich es kurz nieder und lege das Blatt Papier in diese Mappe“, sagt Leonhard. Ideen müssten, wie er weiter meint, immer reifen. Seine neueste Erfindung, die er auch zum Patent eingereicht hat, ist die „I-Wall“ – eine Vakuumwand. „Mit der Holzwand wird ein Hohlraum ausgebildet, der ein Vakuum ist. Es gibt dabei keine Dämmung wie bei einer herkömmlichen Holzwand, und trotzdem erreichen wir einen U-Wert von 0,009!“
Etwa 40 MitarbeiterInnen, darunter laufend auch mehrere Lehrlinge, beschäftigt Holzbau Unterrainer im Werk in Ainet. „Mit unserem Unternehmen und unseren Entwicklungen wollen wir dazu beitragen, dass weiterhin gute Facharbeiter in unserer Branche ausgebildet werden. Der Erhalt und die Weiterführung der Holzbau-Tradition in unserer Region sind uns sehr wichtig“, so die beiden Brüder abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger








