Goldgelber Käsegenuss: So schmeckt der Almsommer im Gailtal

Seit Jahrhunderten wird auf den Almen des Gailtales Käse produziert, der weit mehr ist als ein Lebensmittel. Der Gailtaler Almkäse g.U. erzählt von ursprünglicher Landwirtschaft, harter Arbeit und dem Geschmack des Almsommers.

Im Kärntner Gailtal, eingebettet zwischen Karnischen und Gailtaler Alpen, wird seit dem 14. Jahrhundert Almkäse hergestellt. Die erste urkundliche Erwähnung der Almen mit angeschlossenen Käsereien stammt aus einem Urbar der Grafen von Görz aus der Zeit zwischen 1375 und 1381. Heute, mehr als 600 Jahre später, wird hier Käse noch immer nach traditioneller Methode erzeugt – in Kupferkesseln über Feuer.

 

Seit der Neuwahl im Vorjahr ist Elisabeth Buchacher Obfrau des Vereins „Gailtaler Almkäse g.U.“

 

Rund 400 Milchkühe liefern jeden Sommer auf 13 Almen die wertvolle Rohmilch für etwa 40 Tonnen Käse. Seit 1996 ist der Gailtaler Almkäse als g.U. (europaweit geschützte Ursprungsbezeichnung) anerkannt. „Das bedeutet, dass jeder Laib nach ursprünglichen Verfahren auf Gailtaler Almen hergestellt wird und der Käse mindestens acht Wochen auf der Alm reift“, berichtet Elisabeth Buchacher, die seit der Neuwahl 2024 dem Verein „Gailtaler Almkäse g.U.“ als Obfrau vorsteht. Gemeinsam mit ihrem Mann Roland Wastl führt sie in Rattendorf den „Bierkopfhof“, einen kleinstrukturierten Bauernhof mit Kühen, Schweinen, Hühnern und Direktvermarktung.

 

 

Im Sommer zieht es die begeisterte Bäuerin auf die „Watschiger Alm” auf 1.600 Metern Seehöhe, die sie gemeinsam mit zwei Helferinnen bewirtschaftet. „Melken, Käse, Joghurt und Butter herstellen, Gäste bewirten – das alles gehört zu unserem Alltag hier auf der Alm. Und doch bleibt Zeit für das, was das Leben hier so besonders macht: Natur, Ursprünglichkeit und Gemeinschaft.“

 

 

 

In der Sennerhütte wird die frische Almrohmilch morgens und abends verarbeitet. Die Milch kommt in den Kupferkessel, wird mit Lab und Milchsäurebakterien versetzt, erhitzt, gerührt und schließlich per Hand in Formen gepresst. Nach dem Salzbad beginnt die Reifezeit. Je älter der Käse, desto fester die Rinde und desto intensiver auch das Aroma. „Auf den Gailtaler Almen findet man noch eine Form der Landwirtschaft, in der Tierwohl und Natur im Mittelpunkt stehen“, hält Elisabeth fest und erzählt schmunzelnd, dass ihre Kühe noch wüssten, wie man aus einem Bach trinkt.

 

 

Gleichzeitig sind die Almen auch beliebte Wanderziele – mit Einkehrmöglichkeiten und besonderen Spezialitäten. Neben dem Gailtaler Almkäse werden hier im Sommer auch Butter, Topfen, Joghurt, Weichkäse und der einzigartige Almschotten hergestellt. „Dabei handelt es sich um einen Frischkäse aus Molke, der leicht geräuchert wird. Mild im Geschmack, gehört er im Gailtal neben Speck, Bauernbrot und Buttermilch zur typischen Brettljause.“

 

 

Traditionell beginnt der Almsommer im Gailtal Anfang Juni mit dem Auftrieb der Kühe. Nach acht Wochen, also Ende Juli, ist der junge Käse gereift. Der Anschnitt des ersten Käselaibes wird besonders gefeiert. Heuer findet der feierliche Käseanschnitt am 26. Juli auf der „Rudnig Alm” statt. Am Tag darauf wird auf allen Käsealmen der frische Gailtaler Almkäse angeboten. Den krönenden Abschluss des Almsommers bildet das große Käsefest in Kötschach-Mauthen, das dieses Jahr am 27. und 28. September über die Bühne gehen wird.

Wenn Elisabeth Buchacher über den Gailtaler Almkäse spricht, tut sie das mit spürbarer Leidenschaft. „Jeder Laib ist anders, jeder Sommer schmeckt ein bisschen anders“, meint sie und berichtet, dass man die Nähe zu Italien sogar am Geschmack feststellen könne. „Mit den Almbauern in Friaul verbindet uns traditionell eine gutnachbarschaftliche Zusammenarbeit.“

 

 

Preisdruck, Höfesterben und die zunehmende Industrialisierung der Milchproduktion – für Elisabeth steht die Landwirtschaft im Allgemeinen und so auch im Kärntner Gailtal vor großen Herausforderungen. „Doch gerade deshalb ist das, was wir auf den Almen produzieren, so kostbar. Denn wo Almen gepflegt, Tiere artgerecht gehalten, Kulturlandschaften bewahrt und Lebensmittel mit der Hand produziert werden, entsteht nicht nur Genuss, sondern auch Wertschätzung“, ist sie überzeugt. Die Alm – das ist für sie zwar harte Arbeit, aber zugleich ein Paradies für Mensch und Tier. „Unsere Tochter Christina und unser Sohn Bernhard haben die Sommer ihrer Kindheit immer auf der Alm verbracht. Das prägt und schafft eine Verbindung zur Natur, zum Handwerk und zu einem Lebensrhythmus, der heute selten geworden ist.“

 

 

Die traditionelle Almwirtschaft und die ursprünglichen Verfahren der Käseproduktion werden im Gailtal von Generation zu Generation weitergetragen. Bei Sennerstammtischen und Qualitätsschulungen wird altes Wissen weitergegeben – nicht durch trockene Theorie, sondern durch gelebten, praktischen Austausch. „Jeder Laib Käse erzählt seine eigene Geschichte. Wenn ich im Winter unseren Käse anschneide, kehrt der Almsommer mit all seinen Düften und Erinnerungen zurück“, so Elisabeth Buchacher. Und genau das macht, wie sie abschließend betont, den so besonderen Gailtaler Almkäse auch aus!

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Michael Stabentheiner, Martin Lugger, Werner Krug

20. Juni 2025 um