55 Jahre Rot-Kreuz-Ortsstelle Matrei i.O.: Einweihung des Zubaues und Jubiläumsfeier
Mittlerweile mehr als fünf Jahrzehnte ist es her, dass in Matrei die erste Rot-Kreuz-Ortsstelle ihre Pforten öffnete. Am 4.10. lädt man am Standort im Rettungszentrum in der Virgener Straße ab 10.00 Uhr zu einem Festtag mit buntem Programm ein.
Am 4.10. lädt man hier ab 10.00 Uhr zu einem Festtag mit buntem Programm ein. Im Zuge der 55. Jahreshauptversammlung im März 2025 bot Ortsstellen-Leiter Michael Oberschneider nicht nur einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Aufgaben und Leistungen des Matreier Rot-Kreuz-Standortes, sondern informierte in diesem Zusammenhang auch über die bereits laufenden Ausbau- und Erweiterungsmaßnahmen im Bereich des Rettungszentrums in der Virgener Straße. Knapp sechs Monaten später, konkret am 4. Oktober 2025, kann der neue Zubau nun zur Freude aller Beteiligten eingeweiht und offiziell seiner Bestimmung übergeben werden.

Erfolgreiche Entwicklung
Die Geschichte der Matreier Blaulichteinrichtung reicht bis ins Jahr 1970 zurück. Damals wurde die erste Rot Kreuz-Ortsstelle in der Iseltaler Marktgemeinde noch mit einem einzigen hauptamtlichen Mitarbeiter und einem gebrauchten Rettungsfahrzeug eröffnet. Wie wichtig das neue Leistungsangebot für die gesamte Region war, zeigt sich auch darin, dass die Ortsstelle nicht nur für die Matreier Bevölkerung, sondern auch für die Menschen im gesamten Virgen- und Defereggental sowie in Kals zuständig war. Mit Lienz gab es damals in Osttirol nur zwei Rot-Kreuz-Dienststellen.
Bereits ein Jahr später, 1971, führte der hohe Bedarf dazu, dass die Matreier Ortsstelle rund um die Uhr besetzt werden musste und somit eine rasche Hilfestellung tagsüber und auch nachts gewährleistete. Im Laufe der 70er-Jahre wuchs die Einrichtung kontinuierlich an bzw. wurde die Ausstattung an die technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit angepasst. Bis 1979 stieg die Anzahl jener Personen, die mit den Rettungsautos in das BKH Lienz oder zu einem Arzt transportiert wurden, von 374 im Jahre 1971 auf mehr als das doppelte an. Sechs Jahre später, 1985, belief sich die Summe der Rettungs- und Krankentransporte seit Gründung der Ortsstelle auf 11.652.
Die laufende Modernisierung bzw. Instandhaltung von Fahrzeugen und Geräten erforderte große finanzielle Mittel, die nur mit Unterstützung der Marktgemeinde und des Landes aufgebracht werden konnten. Ab 1986 wurde zusätzlich zum bodengebundenen Rettungssystem erstmals auch der Notarzthubschrauber in Lienz/Nikolsdorf „Martin 6“ vom BM für Inneres eingesetzt. 1990, aus Anlass des 20-jährigen Bestehens, veranstaltete die Rot-Kreuz Ortsstelle Matrei i.O. ein Fest mit internationalem Erste Hilfe-Bewerb sowie mit einer Schauübung gemeinsam mit der örtlichen Feuerwehr. Zwischenzeitlich war in der Virgener Straße auch das neue Matreier Rettungsgebäude fertiggestellt worden, sodass auch die Ortsstelle Matrei des Roten Kreuzes dorthin übersiedelte. Im neuen Zentrum fanden ab dieser Zeit, in unmittelbarer Nähe zur Einsatzstelle der örtlichen Feuerwehr, auch die Berg- und Wasserrettung sowie der Sozial- und Gesundheitssprengel ein neues, zeitgemäßes „Zuhause“.
Neun Jahre später, 1999, wurde die bislang selbstständige Rot-Kreuz-Ortsstelle in Matrei i.O. Teil der Rot-Kreuz-Bezirksstelle Lienz. Diese wird seit mittlerweile drei Jahren mit Alexander Perry als Geschäftsführer auch von einem gebürtigen Matreier geleitet. In der Folgezeit, ab dem Jahr 2000, wurde nicht nur die technische Gerätschaft weiter modernisiert, sondern auch die Dienstmannschaft mit einer neuen, in Rot gehaltenen, gut sichtbaren Einsatzkleidung ausgestattet. Die alten, grauen Rettungsuniformen wurden sprichwörtlich „außer Dienst“ gestellt. Eine erste bauliche Erweiterung der Rot-Kreuz-Einrichtung im Matreier Rettungszentrum wurde 2005 erforderlich. Die freigewordenen Räumlichkeiten des Sozial- und Gesundheitssprengels wurden erworben und für das Rote Kreuz adaptiert. Im selben Jahr gelang auch die Gründung der ersten Rot-Kreuz-Jugendgruppe in Matrei i.O. Ab 2008 wurde der bodengebundene Rettungsdienst vor Ort vom ersten, in Matrei stationierten Notarzthubschrauber Martin 4 der Heli Austria unterstützt und drei Jahre später die Einsatzstelle Matrei mit einem zusätzlichen Fahrzeug für den Krankentransport verstärkt. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Region Iseltal durch zwei Fahrzeuge (für Notfallrettung und Krankentransport) ständig auf modernstem Standard gehalten. Weitere wichtige Meilensteine in der Entwicklung der Matreier Ortsstelle stellten die Aufschaltung auf die Leitstelle Tirol (2012), die Erneuerung der gesamten Inneneinrichtung der Ortsstelle sowie die Angebotserweiterung durch die Ausbildung im Bereich „Gesundheit und Soziale Dienste“ (2017) dar.
2016 trat der langjährige Ortsstellenleiter Herwig Jesacher in den Ruhestand über. Zu seinem Nachfolger wurde Michael Oberschneider gewählt. Die Corona-Pandemie ab 2020 bedeutete für die Rot-Kreuz-Ortsstelle in Matrei i.O. eine enorme Herausforderung, die aber durch den Einsatz aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewältigt werden konnte. Das Fest zum 50-jährigen Bestehen konnte nicht gefeiert, dafür aber eine 500 Seiten umfassende Chronik fertiggestellt werden. Ab 2021 standen weitere Umbaumaßnahmen auf dem Programm, wie jene der Rettungsgarage, die Erweiterung der Schlafräume oder die Neugestaltung der Außenfassade.
Im Bild Architekt Martin Valtiner (rechts außen) mit Alexander Perry, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Osttirol (links außen), und dem Matreier Ortsstellenleiter Michael Oberschneider
55 Jahre und neuer Zubau
Das nun zuletzt 2024 bis 2025 nach Plänen des Lienzer Architekten Martin Valtiner umgesetzte Aus- und Erweiterungsprojekt diente, ebenso wie die vorangegangenen Investitionen, den Zielen eines verbesserten Platzangebotes bzw. eines erhöhten Komforts. „Einerseits war die Waschbox für die Einsatzfahrzeuge in die Jahre gekommen und bot kaum Platz, um die Rettungsautos ordnungsgemäß zu reinigen“, informiert Rotes Kreuz Osttirol-Geschäftsführer Alexander Perry. „Andererseits ist die neue Generation von Einsatzfahrzeugen, konkret der Mercedes Sprinter (mit Maßen von 2,85 m Höhe, 2,35 m Breite und 5,95 m Länge), auch deutlich größer als die bisherigen Modelle. Weder im bestehenden Carport noch in der alten Waschbox hätte der Mercedes Sprinter Platz gefunden. Deshalb musste die Ortsstelle dafür fit gemacht werden, um das aktuell modernste Fahrzeug in Tirol auch am Standort in Matrei i.O. für Mannschaft und Bevölkerung im Iseltal stationieren zu können“, so Perry. Er verweist darauf, dass der dafür notwendige Zubau dringend erforderlich war, wobei auch Aspekte wie Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit zu berücksichtigen waren – unter anderem durch die Installation einer PV-Anlage sowie die Schaffung eines barrierefreien Zuganges zur Ortsstelle. „Damit verfügen wir an unseren eigenen Standorten in Osttirol über PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 103 kWp. Die Baukosten von rund einer Million Euro sind sehr gut investiert, wobei dies alles ohne die großzügige Spendenbereitschaft der Bevölkerung nicht möglich gewesen wäre.“
Auch Ortsstellenleiter Michael Oberschneider zeigt sich mit dem Ergebnis des jüngsten Ausbauvorhabens mehr als zufrieden: „Die Baumaßnahmen sind alle bestens gelungen und erleichtern unsere Arbeit hier in der Ortsstelle ungemein. Zudem freut sich das gesamte Team auf das neue Einsatzfahrzeug, welches ab Herbst 2025 in Matrei stationiert wird.“
Um den wachsenden Herausforderungen auch weiterhin gerecht werden zu können, wurde der Rot-Kreuz-Standort in den vergangenen Monaten modernisiert und erweitert.
Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Franz Reifmüller





