Gaimberg: Kostbare Früchte vom Obsthof Webhofer
Friedl Webhofer betreibt mit seiner Familie den Mesnerhof in Gaimberg. Sohn Michael ist nach der Matura an der Obst- und Weinbauschule Laimburg in den Betrieb eingestiegen.
Rund 12.000 Apfel- und Birnenbäume stehen auf etwa drei Hektar Fläche auf den Sonnenhängen des Lienzer Talbodens. Um den 20. Oktober konnte Familie Webhofer die diesjährige Ernte größtenteils abschließen. „In der ersten Septemberhälfte haben wir mit der Ernte der Apfelsorte Royal Gala begonnen, dann folgten Elstar, Boskoop, Jonagold, Golden Delicious und am Schluss die Sorte Topaz. Mit dem Ernteergebnis sind wir durchaus zufrieden“, lässt Friedl Webhofer wissen.

Seit 1989 bewirtschaftet er gemeinsam mit seiner Familie den Mesnerhof in dritter Generation. Als „Hofübernehmer“ eines Viehbetriebes mit Streuobstwiese startete der Gaimberger 1994 mit dem professionellen Obstanbau, seit dem Jahr 2000 wird der Mesnerhof als reiner Obstbetrieb geführt. Die Produkte – neben Äpfeln und Birnen auch Apfelsaft, Apfelessig sowie Schnaps und Edelbrände – werden hauptsächlich über den eigenen Hofladen vertrieben. Ein Teil der Früchte gelangt über das Obstlager Haiming (Nordtirol) in den Handel, auch Osttiroler Geschäfte und Gastronomiebetriebe werden beliefert.

„Aus rund der Hälfte der Apfelernte stellen wir Apfelsaft naturtrüb her. Ein derartiges Naturprodukt kann nur ein Obstbauer, nicht aber die Industrie produzieren. Unser Saft wird nur durch schonende Pasteurisierung haltbar gemacht, hinzugefügt wird nichts“, informiert Friedl, der am Hof auch eine eigene Brennerei betreibt. „Hier ist der Osttiroler Pregler unser Hauptprodukt. Bei den Abnehmern sind aber auch Williamsbirne und die sortenreinen Apfelbrände sehr beliebt.“

Seit rund 20 Jahren gibt der heute 55-Jährige an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Lienz sein Wissen über den Obstbau an junge Menschen aus der Region weiter. Neben dem Praxisunterricht zeichnet er auch für die Betreuung des Obstgartens der schulischen Einrichtung verantwortlich. Die Begeisterung für die Landwirtschaft und insbesondere für den Obstbau hat er aber auch an die nächste Webhofer-Generation weitergegeben.

Sohn Michael ist nach Abschluss der Matura an der Obst- und Weinbauschule Laimburg in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Schon als Kind war er, ebenso wie seine Geschwister Matthias, Julia und Eva Maria, bei den Arbeiten in und mit der Natur, bei Ernte und Verarbeitung der Früchte immer hautnah mit dabei. „In unserem Betrieb mitgeholfen habe ich damals immer schon gerne. Meine Leidenschaft für den Obstbau hat sich in der Obst- und Weinbauschule noch einmal verstärkt“, erzählt der 21-Jährige.

Seit September 2021 sind die Webhofers BIO-Bauern. Die Umstellung ist, wie Vater und Sohn betonen, eine große Herausforderung. „Wir verzichten auf chemische Pflanzenschutzmittel und synthetische Dünger und setzen unter anderem auf effektive Mikroorganismen. Diese forcieren die natürlichen Widerstandskräfte der Bäume gegenüber Krankheiten und Schädlingen, fördern ein gleichmäßigeres Wachstum der Früchte und stärken Wurzeln und Boden.“

Erforderlich war auch eine Umstellung bei den am Mesnerhof bevorzugt gepflegten Obstsorten. „Der Schwerpunkt soll immer mehr auf Sorten verlegt werden, die weniger krankheitsanfällig sind“, erläutert Friedl Webhofer die Intention und nennt Natyra, Pinova sowie Santana als Beispiele. „Besonders gut ist auch die Apfelsorte Topaz für den Bio-Anbau geeignet“, ergänzt Michael, der mit seinem Vater nicht nur im Obstbau, sondern auch in Sachen Whisky-Herstellung eng zusammenarbeitet.

Seit fünf Jahren wird am Mesnerhof Whisky gebrannt. Friedl stellt „seinen“ Whisky „Tscharnok“, der drei Jahre im Fass reift, aus Gerste von Dölsacher Bauern her. „Der Produktname ,Tscharnok‘ bezieht sich auf ein Weidegebiet im Debanttal. Von dort kommt das Wasser, das ich verwende“, sagt er. Auch Michaels erster Whisky namens „MesnerMichl“ ist bereits fertig. Den Unterschied seines Single Grains zum Single Malt seines Vaters erläutert er so: „Bei der Herstellung von Single Grain kommen verschiedene Getreidesorten zum Einsatz, beim Single Malt darf nur gemälzte Gerste verwendet werden. Neben Gerste verwende ich auch Weizen für die Herstellung meines Single Grain.“

Seit 2010 nutzt Familie Webhofer übrigens einen ehemaligen Heustadel nicht nur als Schaubrennerei, sondern auch als Raum für verschiedenste Veranstaltungen. „Wir vermieten an Private, Vereine und Firmen. Rund 60 Personen finden hier Platz“, berichtet Bäuerin Magdalena Webhofer und freut sich darüber, dass sich der „Brennstadl“ längst schon zu einem beliebten Veranstaltungsraum für Feiern, Seminare, Vorträge und Vereinsversammlungen entwickelt hat.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann





