Flugplatz Lienz-Nikolsdorf: Wo Träume fliegen lernen
Am Flugplatz in Nikolsdorf treffen sich Menschen, die das Fliegen als Leidenschaft leben. Der Fliegerclub Lienzer Dolomiten bietet atemberaubende Rundflüge, fundierte Flugausbildung und eine funktionierende Gemeinschaft.
Wenn Gerald Theurl über das Fliegen spricht, leuchten seine Augen. Der 30-Jährige hat im Juni 2025 die Obmannschaft des Fliegerclubs Lienzer Dolomiten übernommen. Beruflich ist er im Familienbetrieb Theurl Holz für Investitionsprojekte zuständig. Gerald ist der erste in seiner Familie, der sich für das Fliegen begeistert. Erfahrungen mit den Herausforderungen, aber auch Schönheiten der Lüfte sammelte er zunächst beim Paragleiten, bevor er mit 21 Jahren die Ausbildung im Segel- und Motorfliegen startete. „Irgendwann wollte ich einen Schritt weitergehen“, erzählt er. „Mit dem Segelflieger und dem Motorflieger kommst du weiter – du stößt in ganz andere Dimensionen vor.“

Der Flugplatz Lienz-Nikolsdorf liegt etwa zehn Kilometer östlich der Osttiroler Bezirkshauptstadt – eingebettet in die majestätische Kulisse der Lienzer Dolomiten. Die meteorologischen Bedingungen und die ausgezeichnete Thermik machen den Standort zu einem idealen Ausgangspunkt für Langstreckenflüge. „Bei guten Bedingungen fliegen wir bis zum Matterhorn und zurück – über 1.000 Kilometer mit dem Segelflieger“, informiert Gerald Theurl.
Die Osttiroler Bergwelt und insbesondere die Lienzer Dolomiten sind nicht nur ein landschaftliches Juwel – sie sind auch ein Paradies für Luftsportbegeisterte.
Ob Segelflug, Motorflug, Motorsegler – der Flugplatz bietet ideale Voraussetzungen für alle Formen des Luftsports. Hier hat die Flugschule des Fliegerclubs ihren Sitz. Neben dem Fliegerclub Lienzer Dolomiten sind auch der ÖAMTC-Hubschrauber Christophorus 7, der Dolomiten Aero Club und mehrere private Anbieter in Nikolsdorf stationiert. Die Atmosphäre am Flugplatz ist ebenso familiär wie gleichzeitig professionell.
Die Flugschule des Vereins bietet Ausbildungen für alle Lizenzarten – in Segelflug, Motorsegler und Motorflug – an. Der klassische Weg beginnt mit dem Segelflug, der eine günstige und fundierte Einstiegsmöglichkeit ist. „Man lernt, wie Wetter und Wind funktionieren und bekommt ein gutes Fluggefühl“, erklärt der Obmann. Mindestens ein Jahr dauert die Segelflieger-ausbildung, für die Motorfluglizenz muss mindestens ein Jahr eingeplant werden. „Uns ist es wichtig, dass unsere Flugschüler während ihrer Ausbildung die unterschiedlichsten Wettersituationen und Jahreszeiten erleben, damit sie als Piloten gekonnt mit allen Situationen umgehen können“, sagt Gerald.

Die Ausbildungseinheiten finden – so wie auch die Rundflüge – vor allem an Wochenenden statt. „Bei uns kann man alle drei Lizenzarten erwerben – vom Segelflug, der ganz ohne Motor nur durch Thermik getragen wird, über den Motorsegler bis hin zum klassischen Motorflug. Unsere Flugschüler kommen aus allen Berufs- und Altersgruppen.“ Der Frauenanteil sei noch gering, räumt Gerald Theurl ein: „Das ist ein bekanntes Bild in der Fliegerszene. Aber es wäre schön, wenn sich mehr Frauen für die Ausbildung entscheiden würden.“
v.l.n.r.: Christian Mattersberger (Kassier-Stv.), Patrick Unterwainig (Schriftführer), Ingo Franz (Kassier), Hans Zimmerhofer (Schriftführer-Stv.), Gerald Theurl (Obmann) und Samuel Eichholzer (Obmann-Stv.)
Der Fliegerclub Lienzer Dolomiten ist mehr als ein Sportverein – er ist eine funktionierende Gemeinschaft. „Fliegen ist immer Teamarbeit. Besonders beim Segelflug, der ohne eigenen Antrieb auskommt, braucht es Helfer am Boden und in der Luft“, betont der Obmann. Der Verein verfügt über einen vielseitigen Flugzeugpark mit fünf Segelfliegern, drei Motorflugzeugen und einem Motorsegler. Getragen wird er von seinen Mitgliedern – allesamt leidenschaftliche Piloten. Jedes Vereinsmitglied kann, wenn es die entsprechenden Lizenzen hat, die vereinseigenen Flugzeuge nutzen und damit auch mit Freunden oder Familie abheben. Die Abrechnung erfolgt nach den geflogenen Minuten. Auf diese Art wird ein einfacher und kostengünstiger Zugang in die Luftfahrt ermöglicht.
„Uns ist besonders auch die Nachwuchsförderung wichtig“, sagt Gerald. „Aber auch Spätberufene fangen mit dem Fliegen an – es ist ein großartiges Hobby.“ In Osttirol und den angrenzenden Regionen ist der Luftraum bis in große Höhe unkontrolliert. Das heißt, man hat freie Routenwahl und muss keinen ständigen Funkkontakt zur Flugsicherung aufrechterhalten Je näher man sich Flughäfen wie Innsbruck oder Klagenfurt nähert, desto eingeschränkter wird der Luftraum. „Dies sind ideale Voraussetzungen für die Genussfliegerei, was unsere Region bei Segelfliegern neben der ausgezeichneten Thermik so beliebt macht“, erklärt Gerald.

Ob mit dem Motorflieger in einer Stunde ans Meer oder mit dem Segelflieger in eleganten Kreisen wie ein Adler, der lautlos über die Dreitausender gleitet – das Fliegen über die Hohen Tauern und die Dolomiten ist ein Erlebnis voller Magie. „Besonders die thermischen Bedingungen machen den Segelflug hier einzigartig: Aufsteigende Warmluft trägt uns hoch hinaus, oft stundenlang und ohne Motor, nur mit der Kraft der Natur“, schwärmt Gerald Theurl. Und wer einmal über die Gipfel der Osttiroler Dreitausender geglitten ist, weiß: Hier oben lernen Träume nicht nur fliegen – sie werden Wirklichkeit.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Christof Gaggl











