Ein Almsommer voller Geschichten auf der Bischofalm im Kärntner Gailtal
Auf der „Unteren Bischofalm“ dreht sich im Sommer alles um Käse, das Vieh und das Miteinander. Landwirt Josef Warmuth leitet die tägliche Käseproduktion – unterstützt wird er von zwei Sennerinnen und dem treuen Hirten Hans.
Am Ende des Kronhofgrabens in Kötschach-Mauthen liegt die Bischofalm der Familie Warmuth. Der Ursprung der Almwirtschaft befindet sich jedoch weit unten im Tal in Würmlach, wo Familie Warmuth in bereits neunter Generation den Bischofhof bewirtschaftet. Nachweislich ist der Hof seit 1743 in Familienbesitz. Von hier aus beginnt jedes Jahr aufs Neue der Weg hinauf zur „Unteren Bischofalm“ auf rund 1.200 Metern Seehöhe, auf der seit über hundert Jahren Käse hergestellt wird – täglich, von Anfang Juni bis Mitte
August.

Noch etwas höher liegt die „Obere Bischofalm“, wo Jungrinder und Mutterkühe aus dem eigenen Betrieb und von anderen Bauern den Sommer verbringen. Gemeinsam bilden Hof und Almen ein harmonisches Zusammenspiel aus bäuerlicher Tradition, nachhaltiger Tierhaltung und handwerklicher Käsekunst. Hier entsteht der traditionelle Gailtaler Almkäse g.U., ein geschütztes Produkt, das auch auf zwölf weiteren Almen in dieser malerischen Naturlandschaft an der italienischen Grenze hergestellt wird.

Wenn die Sonne über den Gailtaler Alpen aufgeht, ist das Team der „Unteren Bischofalm” längst auf den Beinen. Um fünf Uhr holen Hirte Hans und die Sennerinnen die rund 30 Milchkühe von der Weide und melken sie. Hans ist ein Urgestein, seit 27 Jahren kümmert er sich im Sommer um das Vieh auf der Bischofalm. Josef Warmuth trifft derweilen in der Käserei bereits erste Vorbereitungen.

Um 6.30 Uhr ist das Melken abgeschlossen, die frische Morgenmilch kommt zur Abendmilch in den großen Kupferkessel. Dann beginnt der Prozess der Käseherstellung – ein Handwerk, das viel Geduld und Präzision verlangt. Die Milch wird auf 32 Grad erhitzt, mit Lab versetzt und rund 40 Minuten ruhen gelassen. Währenddessen frühstückt das Team – ein kurzer Moment der Ruhe, bevor die Arbeit weitergeht.
Später wird der Käsebruch mit der Harfe geschnitten, langsam auf 50 Grad erwärmt, nachgerührt und mit Tüchern aus dem Kessel gehoben. In Formen gepresst, gewendet, gesalzen – ein täglicher Rhythmus, der sich über zehn Wochen von Anfang Juni bis Mitte August wiederholt. Die Molke wird zu Almschotten verarbeitet. Der Käse kommt für vier Tage in Salzlake und anschließend in den kühlen Reiferaum, wo er regelmäßig gewaschen und gewendet wird.
Später wird der Käsebruch mit der Harfe geschnitten, langsam auf 50 Grad erwärmt, nachgerührt und mit Tüchern aus dem Kessel gehoben. In Formen gepresst, gewendet, gesalzen – ein täglicher Rhythmus, der sich über zehn Wochen von Anfang Juni bis Mitte August wiederholt. Die Molke wird zu Almschotten verarbeitet. Der Käse kommt für vier Tage in Salzlake und anschließend in den kühlen Reiferaum, wo er regelmäßig gewaschen und gewendet wird.

Ende Juli wird der erste Käse angeschnitten – ein Moment, den die Bauern und die Mitarbeiter jedes Jahr auf einer anderen Alm feierlich begehen. „Für die Landwirtschaft muss man Leidenschaft haben“, sagt Josef. „Sonst macht man das nicht auf Dauer. Es ist ein hoher zeitlicher Aufwand. Wenn man dann aber am Abend sieht, was man geleistet hat und ein Lebensmittel von Wert in den Händen hält, dann macht das richtig Freude.“

Eine der beiden Sennerinnen auf der Bischofalm war in diesem Sommer Lea, Studentin der Ernährungswissenschaften aus Deutschland. „Ich fand Käse immer schon spannend“, sagt sie. „Hier auf der Alm kann ich mit den Händen arbeiten, vom Melken bis zur Käseherstellung dabei sein – und mich mit dem Vieh beschäftigen. Das ist eine völlig andere Erfahrung als beim Studium.“

Josef beobachtet einen klaren Trend: „Hauptsächlich haben sich in den letzten Jahren Damen und Studentinnen zur Arbeit auf der Alm gemeldet. Man lernt so jeden Sommer Menschen mit ihren Lebensgeschichten und Lebenskonzepten kennen. Das ist eine Bereicherung für uns, obwohl es manchmal auch herausfordernd ist, sich jeden Sommer wieder auf neue Charaktere einzustellen.“ Doch gerade auch diese Vielfalt macht das Almleben für ihn besonders. „Man verbringt viel Zeit miteinander. Man lernt unterschiedliche Perspektiven und Sichtweisen kennen.“

Neben der „Unteren Bischofalm“, wo die Käseproduktion stattfindet, gibt es auch die „Obere Bischofalm“. Dort weiden Jungrinder und Mutterkühe – auch von anderen Bauern aus der Region. Insgesamt leben auf den Almflächen zwischen etwa 1.200 und 1.900 Metern Seehöhe Milchkühe, Jungrinder, Mutterkühe, Ziegen, Pferde und Schweine. Die Hühner bleiben im Tal, am Bio-Bauernhof Bischof in Würmlach.
Auch Josefs Frau Barbara ist den Sommer über im Tal und organisiert dort alles – vom Hofverkauf bis zur Versorgung. Sohn Thomas sowie die Töchter Franziska und Antonia studieren bzw. befinden sich noch in Ausbildung. Alle drei zeigen großes Interesse für die Landwirtschaft. Wann immer es ihre Zeit erlaubt, packen sie mit Begeisterung am Hof und auf der Alm mit an.

Die Bischofalm ist für Josef und sein Team auch ein Ort der Begegnung mitten in wunderschöner Naturlandschaft – fernab von Handyempfang und digitaler Ablenkung. In der kleinen Ausschank werden Wanderern und Urlaubern im Sommer Gailtaler Almkäse, Almschotten, Almbutter, Brettljausen und Getränke angeboten. Der Großteil des Käses wird ab Hof, in Bauernläden und in ausgewählten Geschäften verkauft.

„Jedes Jahr aufs Neue ist für mich der Almsommer etwas ganz Besonderes – die Begegnungen mit den Menschen, die Ruhe, die Entschleunigung, das einfache Leben ohne Handyempfang. Aber er ist auch geprägt von harter Arbeit. Gerade diese Mischung macht ihn so wertvoll“, meint Josef abschließend mit einem zufriedenen Blick zurück auf die inzwischen bereits hinter ihm liegenden Sommermonate.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Andreas Lutche








