Alpenverein meldet volle Hütten trotz durchwachsenem Sommer
Auch die verregneten Wochen im Juli konnten die Freude am Wandern nicht trüben. Der Österreichische Alpenverein vermeldet eine Hüttensaison mit neuen Rekorden – Nächtigungen konnten um 14 Prozent gesteigert werden.
Mit Anfang Oktober läuten die 225 Hütten des Österreichischen Alpenvereins das Ende der Sommersaison ein. Dass das Wandern landesweit immer noch boomt, belegen die Nächtigungszahlen.
„Österreichweit kommen unsere Hütten auf ein Nächtigungsplus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine beeindruckende Steigerung, die regional natürlich unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Wichtigster Faktor ist das Wetter. Die verregneten Juliwochen waren definitiv spürbar, vor allem bei den Tagesgästen, aber der stabile August hat diesen Verlust wieder wettgemacht“, zeigt sich Carolin Scharfenstein von der Abteilung Hütten und Wege im Alpenverein zufrieden.
Auf der Totalp-Hütte in Vorarlberg spricht Wirtin Angelina Beck von einem „bombastischen“ Sommer. Der August sei „einer der besten“ in ihrer 10-jährigen Hüttenlaufbahn gewesen.
Die Nächtigungszahlen auf der Hofalm-Hütte in Oberösterreich haben heuer laut Pächter Gabriel Povacz ein „Rekordhoch“ erreicht. Und auch am Arthur-von-Schmid-Haus in Kärnten gab es ein Plus zum Vorjahr – aber laut Bernd Fuchsloch, der nach sieben Jahren als Hüttenwirt in den Ruhestand geht, „hätte es noch deutlich besser sein können, wenn es im Juli nicht genau an den Wochenenden geregnet hätte“.
Einen großen Vorteil sehen die Wirtsleute im Online-Hütten-Reservierungssystem, das den Gästen aufgrund der Stornobedingungen eine gewisse Verlässlichkeit abverlangt. „Wir haben dadurch nicht mehr so viele spontane Absagen. Natürlich geht man bei Schlechtwetter nicht die geplante Gletschertour, aber viele Gäste kommen auch bei Nieselregen trotzdem und genießen die Zeit auf der Hütte“, so Nicholaus Ziegler von der Zittauer Hütte in Salzburg.
Trends am Berg: Jüngere Gäste und weniger Alkohol
Quer durch die Bank haben die Wirtinnen und Wirte der Alpenvereinshütten spannende Entwicklungen wahrgenommen: Die Gäste werden jünger, es kommen auch mehr Familien mit Kindern. Vor allem die leichter erreichbaren Hütten haben hier deutliche Zunahmen registriert, wie Angelina Beck von der Totalp-Hütte bestätigt: „Es scheint einen Trend weg vom Ski- hin zum Wanderurlaub zu geben. Wir haben immer mehr Familien zu Gast, die ihren Sommerurlaub unweit des eigenen Zuhauses auf der Hütte verbringen.“
Gleichzeitig ist auch der Alkoholkonsum zurückgegangen, verkauft werden nun deutlich mehr alkoholfreies Bier und Säfte. Gabriel Povacz von der Hofalm-Hütte dazu: „Der Trend geht eindeutig weg vom Alkohol, unsere Gäste haben heuer 60 Prozent mehr alkoholfrei konsumiert. Schnaps haben wir fast keinen mehr verkauft“.
Auch der Fleischkonsum sinkt, die Wirtsleute haben zunehmend vegetarische und vegane Gerichte auf der Speisekarte. „Wir verkaufen zu je einem Drittel vegetarisch und vegan. Ein Drittel sind nach wie vor Fleischgerichte, aber auch hier geht die Fleischmenge zurück, das Fleisch ist nicht mehr so dominierend im Menü“, sagt Bernhard Schwarz von der Julius-Seitner-Hütte in Niederösterreich.
Nun sind auf den meisten Hütten die Sachen gepackt, die Pächter bringen ihre liebgewonnenen Stützpunkte in den Winterschlaf. Auf die meisten wartet nach der anstrengenden Saison Zeit mit der Familie – und endlich Urlaub.
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Text: Redaktion, Foto: Ingemar Wibmer


