100 Jahre Kerschbaumer Alm: ÖTK Lienz feierte stolzes Jubiläum

Das ÖTK-Schutzhaus Kerschbaumer Alm hat eine lange Geschichte: Am 15. August 1926 wurde die Hütte auf 1.902 Metern Seehöhe eröffnet. Das 100-Jahr-Jubiläum wurde am 6. September 2026 gebührend gefeiert.

1884 gründete eine Gruppe Bergbegeisterter die Sektion Lienz des Österreichischen Touristenklubs (ÖTK) und widmete sich von Beginn an der touristischen Erschließung des Gebietes südlich des Lienzer Hausberges, des 2.717 Meter hohen Spitzkofels. Man wollte die damals als „Unholden“ bezeichneten Lienzer Dolomiten der Allgemeinheit näherbringen und durch Wege und Steige erschließen. Quasi als Morgengabe brachte der Lienzer Bäckermeister und Gastwirt Ignaz Linder, Gründungsmitglied und erster Obmann, die neu errichtete, kühn an den Grat des Spitzkofels geduckte und nach ihm benannte „Linderhütte“ in das Vereinsvermögen ein.

 

 

Ein erster Höhepunkt für die ÖTK-Sektion Lienz war 1888 die Eröffnung des Steiges durch die Galitzenklamm. Infolge des ständigen Steinschlages und der alljährlichen Lawinenschäden entwickelte sich der Steig jedoch zu einer Dauerbaustelle, weshalb sich in der Sektion der Plan durchsetzte, diesen aufzugeben und sich auf den Bau einer Schutzhütte auf der Kerschbaumer Alm zu konzentrieren.

1923 erfolgte unter Vereinsobmann Raimund Geiger (1920-1931) der Beschluss zur Errichtung der Hütte. Der Erwerb des Bauplatzes, Planung und Finanzierung sowie der Antransport der Baumaterialien zogen sich hin, sodass erst 1925 mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen werden konnte. Einen herben Rückschlag stellte die Zerstörung des Rohbaues durch ein Feuer kurz vor der geplanten Firstfeier Anfang September dar. Der ersten Niedergeschlagenheit folgte rasch die Entwicklung neuer Tatkraft. Bereits im Oktober 1925 war das Haus sprichwörtlich wiedererstanden und man konnte die Firstfeier am 25. Oktober feiern.

 

Die Kerschbaumer Alm im Jahre 1942

 

Im folgenden Winter und im Frühjahr 1926 wurden die Arbeiten im Inneren fortgesetzt, sodass der feierlichen Eröffnung im Sommer nichts mehr im Wege stand. Der Festakt Mitte August 1926 wurde vom Lienzer Sängerbund musikalisch umrahmt, die Segnung erfolgte durch Hochw. Prof. Walder aus Innsbruck. Die erste Hüttenwirtin war Anna Leitinger (1926-1927),  besonders lange führten später Hans und Barbara Wibmer (1994-2009) sowie Beate Moroder (2013-2025) das Schutzhaus. Seit dem heurigen Jahr arbeiten Georg Oberlechner und Alexandra Heyer als Hüttenwirte.

 

 

Die mühsame Erschließung der Hütte war zu Beginn vom sogenannten „Amlacher Gassl“, später Hirschbrunnhütte oberhalb des Klammbrückele, aus erfolgt. Durch den Bau eines Forstweges in mehreren Etappen bis zum heutigen Wegende beim Brandgraben verkürzte sich im Laufe der Jahre die Tragestrecke von 800 auf ca. 400 Höhenmeter. Diese wurden mit eigener Körperkraft, Saumtieren, später von der Tragtierstaffel des Österreichischen Bundesheeres und schließlich per Hubschrauber überwunden.

 

 

Trotz der mühsamen Transportsituation führte die ÖTK-Sektion im Laufe der Jahre immer wieder Neuerungen und kleinere Umbauten durch. Erst durch die Fertigstellung einer modernen Materialseilbahn im Jahr 2010 konnten schließlich die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, viele der bis dahin aufgeschobenen und zwischenzeitlich notwendig gewordenen Bau- und Modernisierungsarbeiten umzusetzen.

 

 

Zu den wichtigsten Maßnahmen zählten der Bau einer biologischen Kläranlage, ein großzügiger Hüttenzubau für Sanitär-, Pächter- und Lagerräume, die Erneuerung der Fenster und des Daches, der Bau einer Photovoltaikanlage sowie die Neuinstallation der Elektrotechnik. „Insgesamt wurde im Laufe der letzten 30 Jahre fast eine Million Euro investiert“, informiert Dr. Hans Peter Falkner, seit 1995 engagierter Obmann der Sektion Lienz des ÖTK und gemeinsam mit dem Vereinsvorstand laufend um die weitere positive Entwicklung des Vereins und des ÖTK-Schutzhauses bemüht.

 

v.l.n.r.: Kassier Robert Mattersberger, Obmann Hans Peter Falkner, Hüttenwart Thomas Steiner, Schriftführer Franz Fasching

 

Viele Vereinsmitglieder und Bergbegeisterte folgten am Sonntag, 6. September, der Einladung des ÖTK, das 100-Jahr-Jubiläum auf der Kerschbaumer Alm zu feiern. Den Gottesdienst zelebrierte der Lienzer Dekan Dr. Franz Troyer. Nach den Grußworten und einem Rückblick auf die 100-jährige Geschichte des Schutzhauses klang der Festtag mit Musik, Speis und Trank gemütlich aus.

 

 

 

Text: Redaktion, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger, Archiv ÖTK Lienz

08. September 2026 um