Tour of the Alps 2025: Teams präsentiert – grande Finale steigt in Osttirol
Der Startschuss zur 48. Ausgabe der Tour of the Alps fällt am Montag, 21. April, in der Trentiner Ortschaft San Lorenzo Dorsino. Aus österreichischer Sicht werden alle Augen auf den Osttiroler Rad-Profi Felix Gall gerichtet sein.
Als die Tour of the Alps vor wenigen Wochen als eine der ersten großen Rundfahrten des Jahres 2025 der breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde, war sofort klar, dass die Veranstaltung sowohl aus organisatorischer als auch aus technischer Sicht in der internationalen Radsportszene Pionierstatus genießt: Einerseits prägen kurze, spektakuläre Etappen die DNA der Rundfahrt und bringen die besten Radprofis der Welt immer wieder aufs Neue an ihre Grenzen, andererseits stellt das grenzüberschreitende Etappenrennen die schönsten Orte der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino in ein internationales Schaufenster und liefert spektakuläre Aufnahmen.
In diesem Jahr rückt bei der Tour of the Alps das Duell zwischen Österreich und Italien in den Vordergrund. Während bei den „Azzurri“ Antonio Tiberi und Giulio Ciccone den ersten italienischen Gesamtsieg seit Vincenzo Nibali im Jahr 2013 (damals noch als Giro del Trentino ausgetragen) im Visier haben, macht auf österreichischer Seite der Osttiroler Felix Gall Jagd nach dem ersten rot-weiß-roten Triumph seit dem fernen Jahr 1985.
Ausnahmekönner Gall blickt mit enormer Vorfreude auf die Tour of the Alps: „Die Rundfahrt schaut auf dem Papier äußerst vielversprechend aus. Die Etappen verfügen über anspruchsvolle Anstiege, die oft kurz vor dem Ziel liegen. Ich durfte bei der Tour of the Alps in meiner Tiroler Heimat schon einmal in den Sattel steigen – daran erinnere ich mich sehr gerne zurück. In diesem Jahr kreuzen sich zwei Etappen genau mit meinen Heim- bzw. Trainingsstrecken. Wenn ich mir das Höhenprofil des Rennens genauer anschaue, freue ich mich umso mehr auf den Startschuss. In der ersten Saisonhälfte gehört das grenzüberschreitende Etappenrennen sicherlich zu meinen persönlichen Highlights.“
v.l.n.r.: Franz Schneider (Bürgermeister von Sillian), Mario Gerber (Tiroler Tourismuslandesrat), Franz Theurl (Obmann Tourismusverband Osttirol), Christian Wührer (Geschäftsführer Tirol Werbung), Harald Mayer (Präsident des Österreichischen Radsportverbandes) und Matthias Fink (Euregio-Generalsekretär). Foto: Dennis Pasini
Teams in Innsbruck präsentiert
Obwohl Mitte Jänner längst nicht alle Teams ihre Planung für die anstehende Saison bekanntgegeben haben, ist schon jetzt klar, dass sich im Starterfeld der Tour of the Alps 2025 eine Vielzahl von absoluten Ausnahmekönnern tummeln wird. Nicht weniger als acht Mannschaften, die am 21. April in San Lorenzo Dorsino die Tour starten, zählen zur besten UCI-Kategorie „World Tour“. Dazu gehören die Teams Decathlon AG2R-La Mondiale, Bahrain Victorious, RedBull-Bora Hansgrohe, EF Education Easy-Post, Team Jayco-AlUla, INEOS Grenadiers, Team Picnic-PostNL sowie Lidl-Trek.
Auf der Liste der UCI Pro Teams stechen die beiden Mannschaften Tudor Pro Cycling und Israel Premier Tech besonders ins Auge. Vervollständigt wird die Liste der fünf Profi-Mannschaften von den drei italienischen VF Group–Bardiani CSF-Faizané, Team Polti VisitMalta und Team Solution Tech-Vini Fantini.
In der Startliste der Tour of the Alps 2025 finden sich auch zwei Teams aus Österreich wieder. Neben der österreichischen Nationalmannschaft, die beim grenzüberschreitenden Etappenrennen zum dritten Mal in Folge mit dabei ist, ist die zweite Formation das junge Team Vorarlberg. Dieses setzt sich in erster Linie aus aufstrebenden Nachwuchstalenten aus der Alpenrepublik zusammen.
Zum zweiten Mal nach 2024 reist unterdessen eine japanische Mannschaft zur Tour of the Alps: Das Mitsubishi Motors Team UKYO wurde vom ehemaligen Formel-1-Piloten Ukyo Katayama gegründet und kann auf die Expertise des ehemaligen italienischen Radrennfahrers Alberto Volpi vertrauen.
Die Renn-Karawane auf der Drautalstraße in Strassen bei der Premiere der „Tour of the Alps“ 2017. Davor hieß das Rennen Giro del Trentino. Foto: Daniele Mosna
Das große Finale steigt in Osttirol
Während die ersten drei Etappen der 48. Tour of the Alps ausschließlich auf Trentiner und Südtiroler Terrain verlaufen, gehen die beiden Schlussetappen in Tirol über die Bühne. Die vierte Etappe am Donnerstag, 24. April, beginnt nur wenige Kilometer von der italienischen Grenze entfernt in Sillian. Das Teilstück mit einer Länge von 160 Kilometern und Ziel in Obertilliach hat durchaus das Potenzial, das Gesamtklassement einen Tag vor Ende der Rundfahrt komplett auf den Kopf zu stellen. Nach dem Start in Osttirol kehrt das Fahrerfeld nach Italien zurück und visiert über einen ersten Anstieg den malerischen Misurina-See in der Provinz Belluno in Venetien an.
Im Anschluss folgen eine lange Abfahrt sowie zwei weitere Anstiege: Während die erste dieser Rampen hoch zum Passo Sant’Antonio recht anspruchsvoll ist, sollte die zweite Rampe hoch zum Kreuzbergpass den Fahrern weitaus weniger Kopfzerbrechen bereiten. Danach geht’s zurück nach Südtirol, wobei mit Sexten auch die Heimatgemeinde des Tennis-Weltranglisten-Ersten Jannik Sinner durchfahren wird.
Über Innichen gelangt das Fahrerfeld zurück nach Osttirol, wo ein selektives Etappenfinale wartet: Zuerst steht die Bergwertung von Anras an, ehe der Anstieg nach Tessenberg und die vor allem im Mittelteil tückische Rampe hoch zum Kartitscher Sattel – dort werden die zweiten Bergpunkte des Tages vergeben – bezwungen werden müssen. Rund sieben Kilometer nach diesem Anstieg beginnt die finale Abfahrt in Richtung Obertilliach. Die letzten drei Kilometer verlaufen auf einer breiten, leicht abfallenden Straße, die kurz nach dem Biathlonzentrum von Obertilliach die Marschrichtung ändert und auf dem Schlusskilometer mit einer Steigung von 4 bis 5 Prozent noch einmal alles aus den Fahrern herauskitzelt.
Foto: Josef Vaishar
Die fünfte Etappe am Freitag, 25. April, mit Start und Ziel in Lienz verspricht auf 113 Kilometern Spannung bis zum Schluss. Die Schlussetappe könnte das Klassement noch einmal ordentlich durcheinanderwirbeln. Wir erinnern uns hier gerne an das Jahr 2022 zurück, als Romain Bardet nach einer dramatischen Etappe mit Triumph seines Landsmanns Thibaut Pinot doch noch auf den ersten Platz der Gesamtwertung vorpreschte.
Nach einem flachen Startabschnitt wartet nach 37 Kilometern ein erster selektiver Anstieg über 15 Kehren hoch nach Bannberg (4,5 Kilometer lang, durchschnittlich 10 Prozent steil). Im Anschluss geht es wechselweise bergab und bergauf, ehe Bannberg ein zweites Mal hinter sich gelassen werden muss.
Im Anschluss an eine Talabfahrt beginnt der berüchtigte Anstieg nach Stronach. Diese drei Kilometer lange, extrem steile Rampe führt über eine äußerst schmale Straße und beinhaltet eine durchschnittliche Steigung von 13 Prozent. Gut möglich, dass der Anstieg – ebenso wie 2022 – zum entscheidenden Zünglein an der Waage im Kampf um den Gesamtsieg verkommt. In Stronach angekommen, trennen die Fahrer noch zehn Kilometer von der allerletzten Ziellinie der Rundfahrt, die sich auf dem Hauptplatz von Lienz befindet.
Text: Redaktion, Fotos: EXPA pictures, Dennis Pasini, Daniele Mosna, Josef Vaishar