SV Irschen: 70 Jahre Fußball-Leidenschaft und Talenteschmiede
Der SV ASKÖ Irschen feiert heuer sein 70-jähriges Jubiläum. Im Laufe der Jahre hat der Verein viele talentierte Fußballer hervorgebracht. Aktuelles Aushängeschild ist Tobias Mandler.
Während eines Nachwuchstrainings besuche ich Peter Benedikt, Obmann des SV Irschen, auf dem Sportgelände der Oberkärntner Gemeinde. Auch Tobias Mandler, der seit 2019 beim SV Kapfenberg unter Vertrag steht und seitdem maßgeblich zum Erfolg des 2. Bundesliga-Teams beiträgt, hat sich Zeit genommen. „Hier sind meine Wurzeln, und deshalb schaue ich immer gerne vorbei, wenn ich nach Hause komme. Am Irschner Fußballplatz war schon immer viel los, und man konnte stets Kollegen antreffen – auch abseits der offiziellen Trainings“, erzählt er.
Die erste Kampfmannschaft des ASKÖ SV Irschen im Jahr 1960
Seit seiner Gründung erfuhr der Sportverein Irschen eine bewegte Geschichte: 1954 schlossen sich sportbegeisterte junge Irschner zusammen, um gemeinsam ihr Hobby – den Fußballsport – auszuüben. Unter Obmann Alois Tscherner und mit großem persönlichem Einsatz richteten die Gründungsmitglieder auf der so genannten „Stoana Wiesn“ südlich der Drau den ersten Fußballplatz ein. „Hier wurden die ersten Freundschaftsspiele – etwa gegen Kötschach, Dölsach oder Nußdorf-Debant – ausgetragen. Die Bedingungen waren jedoch alles andere als optimal.
Die Kampfmannschaft im Jahr 1963 beim Start in die Meisterschaft
Nach einer Zwischenstation im so genannten ‚Rechnig-Pfrenger‘ wurde in der Scheinitzen der Grundstein für das heutige Sportzentrum gelegt. Bis zum Jahr 1974 war dieser Platz die Heimstätte des SV Irschen und diente anschließend als Trainingsplatz. Heute befindet sich an dieser Stelle der Eishockeyplatz“, blickt Peter Benedikt, der nunmehr seit 30 Jahren Funktionär und seit 2011 Obmann des SV Irschen ist, zurück. 27 Jahre war er aktiver Fußballer, vier Jahre Trainer, sechs Jahre Nachwuchstrainer und jahrelang sportlicher Leiter.
Kabinenumbau Anfang der 2000er-Jahre
Auf dem Weg zu einer modernen Sportanlage
Im Jahre 1971 kaufte die Gemeinde Irschen von Familie Lenzhofer den so genannten „Trenkerbichl“ an. Viele Arbeitsstunden der damaligen Funktionäre und Vereinsmitglieder waren notwendig, um hier eine moderne Sportanlage samt neuem Vereinshaus zu errichten. 1974 – zwei Jahrzehnte nach der Gründung des Vereins – erfolgte die Einweihung.
Aufgrund der immer größer werdenden Fangemeinde errichtete man 1975 ein neues Ausschankgebäude. Im Herbst 2000 wurde mit dem Neubau des Kabinentraktes und der Sanierung des bisherigen Gebäudes eine weitere Investition in die Infrastruktur gestartet. Vier Jahre später konnte das neue „Schmuckstück“ im Rahmen der 50-Jahr-Feier offiziell seiner Bestimmung übergeben werden.
„Das neue Gebäude wurde zweigeschossig gebaut und der Außenbereich adaptiert, sodass wir heute unser Hobby auf einer der schönsten Sportanlagen Kärntens ausüben können. Ermöglicht wird dies durch die kontinuierliche Unterstützung durch die Gemeinde und unsere Sponsoren“, so der Obmann.
Die Kampfmannschaft des SV Irschen in der Saison 1978/79 (Unterliga West)
Der sportliche Werdegang
In der Saison 1975/76 schaffte der SV Irschen nach sechs Saisonen in der oberen Tabellenhälfte den Meistertitel in der 1. Klasse A und somit den Aufstieg in die Unterliga West. „Durch den neuen Sportplatz beflügelt, hielt es uns nicht lange in dieser Klasse, und so stiegen wir bereits in der Saison 1977/78 in die Kärntner Liga auf. Allen Kritikern zum Trotz konnten wir 10 Jahre lang im Konzert der großen Kärntner Fußballvereine erfolgreich mitmischen. Höhepunkte waren die Derbys gegen Lienz, Spittal, Matrei oder Hermagor mit immer mehr als 2.000 Zuschauern. Am Höhepunkt dieser Zeit konnten wir im Jahr 1983 im österreichischen Fußballcup bis in die 3. Runde vorstoßen und schieden erst nach einer Heimniederlage gegen den GAK aus. Etwa 2.500 Zuschauer waren bei diesem Heimspiel gegen den Bundesligaclub auf unserem Fußballplatz mit dabei“, erzählt Benedikt begeistert.
Karl Hassler beim Spiel gegen den GAK im Jahr 1983
Mit Wolfgang Mandler (SV Spittal), Alfred Tiefnig (SV Spittal), Christian Hassler (FC Tirol), Claudio Hassler (Austria Salzburg), Dominic Hassler (Austria Salzburg, Sturm Graz, GAK, FC Blau-Weiß Linz), Desirèe De Zordo (Rapid Lienz) und Jessica De Zordo (Rapid Lienz, SK Wilten) hat der SV Irschen im Laufe seiner Geschichte eine beeindruckende Anzahl von Fußballer:innen hervorgebracht, die teilweise sogar erfolgreich in der Bundesliga mitmischen konnten.
Der aktuelle Ausschuss des ASKÖ SV Irschen
Wichtiger Bestandteil des Dorflebens
Aktuell spielt der Oberkärntner Fußballclub in der 1. Klasse A. „Sportliches Ziel ist es, mit Spielern aus Irschen und der Umgebung einen erfolgreichen Kader zu bilden, um in der Meisterschaft bestehen zu können. Kameradschaft war in unserem Verein immer schon sehr wichtig. Wie alle Vereine ist auch der SV Irschen eine wichtige Säule des Dorflebens. Sport schweißt zusammen, und wir bieten auch unserer Jugend die Möglichkeit, ihre Leidenschaft für den Fußballsport zu entdecken und zu leben. Zu unserem Jubiläumsfest am 21. und 22. Juni wollen wir die gesamte Bevölkerung herzlich einladen.“
Tobias Mandler am 22. September 2023 beim Spiel des Kapfenberger SV gegen den SV Stripfing. Foto: GEPA pictures/Armin Rauthner
Tobias Mandler – das aktuelle Aushängeschild des SV Irschen
Der SV Irschen hat bereits wiederholt bewiesen, dass er eine Talentschmiede für erfolgreiche Fußballer ist. Zu den besonderen Talenten zählt Tobias Mandler, der sich dem SV ASKÖ Irschen bereits im zarten Alter von vier Jahren anschloss. Sein Papa Hans-Peter war selbst aktiver Spieler und ist heute als Nachwuchstrainer tätig. Mama Sabine engagiert sich ehrenamtlich, und Samuel, der jüngere Bruder von Tobias, ist aktuell Mitglied der U15-Mannschaft.
„Fußball war in unserer Familie immer schon ein dominierendes Thema und der Fußballplatz der bevorzugte Aufenthaltsort in unserer Freizeit. Fußballvereine spielen eine wichtige Rolle, indem sie Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung mit viel Bewegung bieten. Zudem tragen sie maßgeblich zur Stärkung des sozialen Gefüges innerhalb einer Gemeinde bei“, ist der 23-Jährige überzeugt.
Zusätzlich zum SV Irschen trainierte Tobias im Alter von 10 Jahren für vier Jahre im LAZ Lienz. Nach Abschluss der Unterstufe im Lienzer Gymnasium bot sich ihm die Chance, der Teamsport Akademie Kapfenberg beizutreten. In der Spielsaison 2015/16 startete er in der U17 des SV Kapfenberg. Es folgten Einsätze in der Unterliga bei Rapid Kapfenberg sowie bei den Amateuren des Kapfenberger SV. Tobias erreichte ein beachtliches fußballerisches Niveau, und so schaffte er 2019 auch den Sprung in die 2. Bundesliga. Inzwischen hat er sich mit großer Entschlossenheit und viel Talent im Team des SV Kapfenberg etabliert.
Tobias Mandler am 1. Dezember 2023 beim Spiel des Kapfenberger SV gegen den SV Lafnitz im Zweikampf mit Edon Murataj. Foto: GEPA pictures/Hans Oberlaender
2023/24 – in seiner 5. Saison beim steirischen Spitzenclub – war er einer der Spieler mit den meisten Einsatzminuten. „Natürlich hat Goalie Richard Strebinger mehr Spielminuten vorzuweisen, aber ich liege in der Statistik knapp dahinter“, schmunzelt Tobias. Trotz des zeitaufwändigen und kräftezerrenden Einsatzes am Fußballplatz vernachlässigte der Oberkärntner seine schulische Ausbildung nicht und maturierte 2019 erfolgreich am BORG Kapfenberg.
„Obwohl ich drei Stunden unterwegs bin, nütze ich jede Gelegenheit, um nach Hause zu fahren. Mir ist es wichtig, mit meiner Familie, meinen Freunden und mit meiner Freundin Nina Zeit zu verbringen. Gerne bin ich auch in unserer wunderschönen Bergwelt unterwegs – ein wichtiger Rückzugsort ist für mich die Leppner Alm“, erzählt Tobias.
Befragt zu seinen Zukunftsplänen meint das aufstrebende Fußballtalent abschließend: „Fußball ist meine große Leidenschaft. Wenn ich hier in meiner Heimatgemeinde Irschen am Fußballplatz zu Besuch bin und vielleicht auch für den einen oder anderen Nachwuchs-Kicker Vorbild sein kann, dann fühle ich mich sehr wohl. Der Fußballsport ist ein harter Konkurrenzkampf, besonders in den höheren Spielklassen. Es ist selbstverständlich, dass man sowohl beim Training als auch bei den Spielen immer sein Bestes gibt. Um national und vor allem auch international als Einzelspieler aufzufallen, ist es aber entscheidend, dass die ganze Mannschaft performt.“
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: SV Irschen, GEPA pictures