Sepp Brugger aus dem Pinzgau: Der Weltmeister im Schlittenhundesport

In Piesendorf und Bruck betreibt Sepp Brugger eine „Freie Hundeschule“. Die Partnerschaft zwischen Mensch und Hund ist dem mehrfachen Welt- und Europameister besonders wichtig.

Ich besuche Sepp Brugger auf seiner „Hunderanch“ in der Pinzgauer Gemeinde Piesendorf. Mit strahlenden Augen zeigt mir der beinahe jugendlich wirkende 73-Jährige seine Vierbeiner. „Ich bin der einzige Züchter von Grönlandhunden in Österreich und auch der Einzige, der mit diesen Hunden Rennen fährt. Ich versuche, hier ein junges, gemischtes Team aus Grönlandhunden und Sibirischen Huskys aufzubauen“, erzählt er. Aufgewachsen ist Sepp in Schwarzach im Pongau – und dort wurde im Alter von elf Jahren auch seine Begeisterung für Hunde geweckt. „Damals verbrachte ich drei Sommer als Hüterbub auf der Alm. Ich war vom Hund des Bauern derart angetan, dass ich manchmal sogar im tiefsten Winter zwei Stunden lang zu Fuß zum Bauernhof gegangen bin, um bei diesem Hund sein zu können.“

 

 

Später hat Sepp als Bergsteiger zahlreiche schwierige Wände in den Alpen – wie z.B. die Matterhorn Nordwand oder die Zinnen Nordwand – bezwungen, an Expeditionen in China und Russland teilgenommen und erfolgreiche Erstbesteigungen in Südamerika durchgeführt. „Ich gehe nach wie vor gerne Klettern, aber das Bergsteigen in dieser extremen Form habe ich inzwischen aufgegeben. Dafür habe ich glücklicherweise den Schlittenhundesport für mich entdeckt und vor 17 Jahren damit begonnen, an Rennen teilzunehmen.“

 

 

Der Schlittenhundesport wird vor allem in Skandinavien, im Norden Amerikas, in Grönland und im Norden Russlands betrieben, ist in den letzten Jahrzehnten aber auch in Mitteleuropa immer beliebter geworden. „Es handelt sich dabei um eine Wintersportart, bei der Hunde vor einen Schlitten gespannt werden. Statt der Schlitten kommen im Herbst, vor allem für Trainingszwecke, aber auch für Rennen, häufig auch Wagen zum Einsatz. Beim Skijöring wird ein Skater (Langlaufski) von einem oder von zwei Hunden gezogen“, erklärt der 73-Jährige Grundsätzliches zu dieser Sportart.

 

In seiner „Freien Hundeschule“ bietet Sepp Brugger unter anderem das Modul „Schlittenhundecoach“ an.

 

Bei den Rennen unterscheidet man Sprint- und Mitteldistanzbewerbe sowie Longtrails, die sich über bis zu zehn Tage erstrecken. „In Mitteleuropa finden hauptsächlich Sprint- und Mitteldistanzrennen statt. Der Führer des Hundeschlittens wird Musher genannt. Gemeinsam mit den Schlittenhunden bildet er ein Gespann. Je nach Klasse kann ein solches aus bis zu zwölf Hunden bestehen.“ Bald nahm Sepp an nationalen Rennen in Österreich genauso teil, wie an Weltmeisterschaften und Europameisterschaften. „Einen WM-Titel holte ich z.B. in Neukirchen am Großvenediger im Skijöring. Bei dieser WM im Oberpinzgau wurde ich mit einem 4-Hunde-Gespann auch Vize-Weltmeister. Den Titel im Skijöring bzw. im Sprint holte ich außerdem bei Weltmeisterschaften in Aronzo und in der Niederen Tatra.“

 

 

Sepp ist es besonders wichtig zu betonen, dass der Sport ab Temperaturen von 12 Grad Plus ungeeignet ist. „Hunde haben eine Körpertemperatur von 38,5 bis 39 Grad. Es ist bei Hundehaltern wenig bekannt, dass ein Hund bis zu sechs Stunden braucht, um zu regenerieren, wenn die Körpertemperatur auf 42 Grad ansteigt. Solch hohe Temperaturen sind für den Kreislauf der Tiere nämlich eine enorme Belastung.“

 

 

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund stellt der Pinzgauer sowohl bei der Ausübung seines Sportes, als auch in der Hundeschule über alles andere. „Die Energie des Menschen überträgt sich auf den Hund. Je ruhiger der Hundeführer ist, desto wirkungsvoller sind seine Ansagen. Dort, wo er lebt, sieht der Hund alle um sich herum – also seine Artgenossen und die Menschen – als sein Rudel“, führt er aus und meint weiter, … „dass man Hunde richtig trainieren muss. Dabei gilt zu beachten, dass sie ab der Prägungsphase so geschult werden, dass sie nicht nur für die anderen Tiere, sondern auch für den Menschen keine Gefahr darstellen, also andere nicht verletzen können. Meine Hunde sind so trainiert, dass auch Kinder mit ihnen kuscheln können.“

 

 

Entscheidend sei, so Sepp, dass der Mensch vom Hund lernen müsse, um ihn etwas lehren zu können. „Um mit dem Hund richtig und konsequent kommunizieren zu können, muss man wissen, wie sich ein Rudel von der Hierarchie her aufbaut. Die eigene mentale Stärke, Genauigkeit und Durchhaltevermögen sind wichtig, um konsequente Ansagen machen zu können. Über all dem steht aber immer die gegenseitige Wertschätzung. Wenn man auf alle diese Dinge achtet, werden Mensch und Hund zum perfekten Team“, betont der erfahrene Hundeführer abschließend.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller

30. November 2022 um