Parasportschütze Josef Pacher aus Lavant: Höchstleistungen im Visier

Ein schwerer Arbeitsunfall veränderte das Leben von Josef Pacher für immer. Doch anstatt aufzugeben, kämpfte er sich zurück. Heute ist der Lavanter erfolgreicher Parasportschütze, Paralympics-Teilnehmer und ein Vorbild für viele.

Es war der 20. Jänner 2016, als Josef als Angestellter des Abfallwirtschaftsverbandes Osttirol mit seiner linken Hand und in weiterer Folge mit dem Arm in ein Förderband geriet. „Meine Arbeitskollegen sind mir sofort zur Hilfe geeilt und haben die Rettungskette in Gang gesetzt. Der Hubschrauber brachte mich ins Klinikum Klagenfurt, und dort hat ein siebenköpfiges Ärzteteam den Arm wieder angenäht. Mehr als 14 Stunden dauerte die aufwändige Operation“, erinnert sich der heute 35-Jährige an den Tag zurück, der sein Leben schlagartig veränderte.

Die Folgen des Unglücks sind bis heute spürbar – Josefs linker Arm ist taub und nahezu ohne Funktion. Nach Operation und Spitalsaufenthalt begann für den Lavanter eine langwierige Reha in Bad Häring. „Ich musste lernen, im Alltag mit nur einem Arm zurechtzukommen. Es war mental sehr herausfordernd, diesen Schicksalsschlag zu verarbeiten und mich auf die neuen Lebensumstände einzustellen. Aber nichts ist unmöglich – das sage ich mir bis heute jeden Tag aufs Neue!“

Vor seinem Arbeitsunfall war Josef Linkshänder, weshalb er alles umlernen musste. Mit seiner rechten Hand schießt sich der Parasportschütze heute von Erfolg zu Erfolg. Aufgewachsen ist Josef mit seinem Zwillingsbruder Anton und den weiteren Brüdern Andreas und Philipp auf dem „Oberengelerhof“ in Lavant. Seit seiner Jugend gehören die Landwirtschaft und vor allem die Jagd zu seinen großen Leidenschaften. „Bei der Pirsch kann ich mich am besten entspannen. Ich liebe es, das Wild zu beobachten. Dabei steht für mich das Hegen an erster Stelle. Es geht um ein gesundes Gleichgewicht im Wildbestand und im Ökosystem. Unterwegs in der Natur kann ich zur Ruhe kommen und neue Energie tanken“, erklärt der passionierte Jäger und Jagdhornbläser.

 

 

Zum Schießsport fand Josef über den Behindertensport Raiffeisen Osttirol. „Einige Zeit nach meinem Unfall fragte mich die damalige Obfrau Paula Lobenwein, ob ich nicht der Sektion Schießen beitreten möchte. Ich fing an, mit dem Verein und unserem Trainer Klaus Gstinig aus Oberlienz am Schießstand in der Pfister zu trainieren. Das hat mir gefallen, doch bald war mir das Training zu wenig. Ich wollte mich bei Wettbewerben mit anderen messen.“

Was als Freizeitbeschäftigung begann, entwickelte sich für Josef zu einer tiefen Leidenschaft und führte zu immer größeren Erfolgen. Als Parasportschütze konnte er sich kontinuierlich steigern und wurde in den Nationalkader des Österreichischen Behindertensportverbandes aufgenommen. Sowohl mit dem Luftgewehr als auch mit dem Kleinkalibergewehr holte er zunächst bei Tiroler Meisterschaften und bei der Staatsmeisterschaft Goldmedaillen.

Auch internationale Erfolge stellten sich bald ein: Beim Internationalen Grand Prix in Novi Sad (Serbien) sicherte sich der Parasportler aus Osttirol Gold und holte beim Weltcup in München den 7. Platz. 2022 nahm er an der Weltmeisterschaft in Al Ain (Abu Dhabi/Vereinigte Arabische Emirate) teil und holte sowohl mit dem Luftgewehr als auch mit dem Kleinkalibergewehr einen 17. Platz.

Doch Josefs Traum war die Teilnahme an den Paralympischen Spielen in Paris 2024 – und dieser Traum ging in Erfüllung. „Seit dem ersten Wettkampf waren die Paralympics mein großes Ziel. Ich hatte drei Jahre Zeit, mir einen Quotenplatz zu erarbeiten. Mit hartem Training und guten Platzierungen habe ich dies schließlich erreicht!“ Auch wenn Medaillen ausblieben, erzielte der Osttiroler in Paris mit einem 20. Platz (50 m Kleinkalibergewehr) und einem 23. Platz (10 m Luftgewehr) durchaus solide Ergebnisse. Er hatte sich als einziger Paraschütze Österreichs für die Spiele in Paris qualifiziert.

 

 

„Die Eröffnungsfeier mitten im Stadtzentrum mit den vielen Zuschauern war überwältigend. Nach den Wettkämpfen hatten wir die Möglichkeit, die Stadt zu erkunden. Auch der Austausch mit den anderen Athletinnen und Athleten im Olympischen Dorf war ein großes gemeinschaftlich-freundschaftliches Erlebnis. Obwohl über 4.000 Athletinnen und Athleten anwesend waren, fühlte sich alles wie eine große Familie an – einfach ein Traum!“

Seinen speziellen Schießtisch mit einer Federgabel, die ihm die linke Hand ersetzt, hat der Parasportler stets dabei. Gerne tüftelt er immer wieder an seinen beiden Gewehren. „Das Material muss perfekt abgestimmt sein – das ist die Grundvoraussetzung. Aber am wichtigsten ist die Freude am Sport.“

Nach einer rund zweimonatigen Pause nach den Paralympics hat Josef Anfang November das Training wieder aufgenommen. Etwa 30 Stunden wöchentlich trainiert er am Schießplatz. „Neben Kraft- und Ausdauertraining wird für mich das Mentaltraining immer wichtiger. In unserem Sport geht es vor allem darum, ruhig zu werden, sich selbst zu spüren und sich auf den Moment des Schusses zu fokussieren. Dabei lernt man auch viel für das Leben. Es geht um den Augenblick und darum, dass man mit Fokussierung und mentaler Stärke selbst das Unmögliche erreichen kann!“

Die nächsten Ziele des Lavanters sind im kommenden Jahr die Weltmeisterschaft in Al Ain, der Weltcup in Südkorea und die Europameisterschaft in Deutschland. „2025 beginnt auch schon die Qualifikationsphase für die Paralympischen Spiele in Los Angeles. Daran teilzunehmen und dort besser abzuschneiden als in Paris – das ist mein nächster Traum, den ich mir erfüllen möchte!“

Der bisherige Lebensweg von Josef Pacher zeigt eindrucksvoll, wie man selbst aus einer Tragödie Stärke schöpfen und eine neue Leidenschaft für sich entdecken kann. „Ich bin unglaublich dankbar, dass ich nach meinem Arbeitsunfall die schwierige Situation so gut bewältigen konnte. Ohne die Ärzte, die Therapeuten, meine Betreuer und Freunde, vor allem aber ohne die überwältigende Unterstützung meiner Familie, wäre das alles nicht möglich gewesen“, betont der erfolgreiche Parasportler abschließend.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: GEPA pictures

18. Dezember 2024 um