Ein Brüderpaar aus Matrei in Osttirol gibt Vollgas
Wenn Martin und Markus Ortner mit ihren Enduro-Maschinen in Schlamm und Staub ihre Runden ziehen, fühlen sie sich pudelwohl – und sind bei Rennen äußerst erfolgreich.
Der Enduro-Sport bestimmt derzeit das Leben der Brüder Markus und Martin Ortner aus Matrei in Osttirol. Im Sommer reisen die Beiden jedes Wochenende zu Wettbewerben in ganz Österreich. Martin tritt dabei auf seiner 2 Takt 250 ccm KTM für das Team KTM Walzer in der Profiklasse und sein Bruder Markus mit einer KTM 4 Takt 350 ccm in der Juniorenklasse für die Salzburger Firma Hauthaler an.
„Enduros sind für den Straßenverkehr zugelassene Motorräder, die auch im Geländesport eingesetzt werden“, erklärt Martin. Der gelernte Automechaniker verdient sich heute als Forstarbeiter sein Brot, in einem körperlich sehr anstrengenden Beruf, wie er meint. „Aber man bleibt im Training. Schließlich ist die körperliche Fitness im Enduro-Sport neben dem Material ein entscheidender Faktor. Die Fahrwerke der Enduros sind übrigens eigens auf uns abgestimmt, je nach Fahrstil natürlich. Wichtig ist, dass man sich auf der Maschine wohl fühlt, das ist eine Grundlage für den Erfolg bei Rennen“, hält der 24-Jährige fest. Er fährt seit 2009 Enduro-Rennen, sein Bruder Markus ist vor ca. 2,5 Jahren in den Rennbetrieb eingestiegen.
Das Selbstvertrauen sei in diesem Sport von großer Bedeutung, besonders aber auch das Vertrauen in das Material, meinen die beiden Brüder. Dass Mensch und Maschine irgendwann eins werden, sei das oberste Ziel. „Daran muss man aber tüfteln, immer wieder einzelne Elemente aufeinander abstimmen und viele Stunden auf dem Motorrad verbringen, im Training ebenso wie bei Wettbewerben“, so der 20-jährige Markus. „Erst seit etwa drei Jahren spüre ich, dass das Material und ich einigermaßen zusammenpassen, und ich fahre immerhin schon seit sechs Jahren Rennen“, ergänzt sein Bruder Martin. 2015 trat er bereits bei 18 Rennen in ganz Österreich an. „Das bedeutet, an einem Wochenende bis zu 800 Kilometer zurückzulegen bzw. rund zehn Stunden im Auto zu verbringen. Wir finanzieren alles selbst – Sprit, Übernachtung, Startgebühr und natürlich das Material. Preisgelder gibt es bei uns keine“, erläutert Martin die Rahmenbedingungen des Enduro-Sports.
Der Erfolg entlohnt die beiden Brüder jedoch für die Strapazen, die sie für ihre große Leidenschaft auf sich nehmen. Siege und Stockerlplätze standen in letzter Zeit auf der Tagesordnung. Markus fährt heuer die letzte Saison in der Juniorenklasse und siegte in der Enduro-Trophy. Auch in der Teamklasse stand er mit seinem Bruder beim legendären Kaolinwerk-Rennen im niederösterreichischen Aspang am Wechsel ganz oben am Stockerl. Martin gewann vor Kurzem Enduro-Cup-Rennen in Pramlehen und in Gaming. „Er gehört inzwischen nicht nur österreichweit, sondern auch weltweit zu den besten Enduro-Racern. Beim heurigen Erzbergrodeo – immerhin ein WM-Rennen – landete er im Hauptrennen der besten 500 auf Platz 22“, streut Markus seinem Bruder Rosen.
Die beiden motorsportbegeisterten Brüder aus der Tauerngemeinde helfen sich gegenseitig, wo sie nur können und halten zusammen wie „Pech und Schwefel“. Weil die Racer der Profi- und Juniorklasse zu verschiedenen Zeiten starten, können sich die Beiden auch während des Rennens unterstützen. „Die meisten Rennen dauern mehr als zwei bis drei Stunden, was eine enorme Anstrengung bedeutet und uns oft an unsere Grenzen – physisch wie mental – führt. Die Profiklasse ist derzeit extrem stark besetzt. Sich beim Start eine gute Position zu sichern, ist außerordentlich wichtig. Dann sollte man irgendwann seine Ideallinie finden. Während eines stundenlangen Rennens kann jedoch immer viel passieren“, erklärt Martin, was bei den Enduro-Races abläuft.
Markus, ein gelernter Autospengler und -lackierer, der heute bei einer Lienzer Firma als Dachdecker beschäftigt ist, sagt: „Eine gute Fitness ist die Grundvoraussetzung für den Enduro-Sport. Gefordert sind wir aber auch bei Konzentration und Reaktionsfähigkeit. Wenn man auf Hindernisse, auf Steine und Wurzeln stößt, bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Fehler werden bei Enduro-Rennen sofort
bestraft.“ Sich die Kraft einzuteilen und nicht von Beginn an 100 Prozent zu geben, halten beide für äußerst wichtig. „Wenn ein Rennen über drei Stunden geht, muss man mit seinen Energien schon gut haushalten können. Wesentlich ist auch, dass man nur bei sich selbst ist. Den Gedanken daran, dass es Schnellere und Bessere gibt, sollte man zur Seite schieben. Während des Rennens zählt nur, was man selbst und was die Maschine zu leisten imstande sind.“
Neben der Freude am Enduro-Sport und Erfolg bei den Rennen hat bei den beiden jungen Osttirolern jedoch eines höchste Priorität, nämlich die Freundschaften, die in der Szene geknüpft werden. „Wenn wir uns bei den Rennen nicht nur mit anderen messen können, sondern wenn wir uns gegenseitig austauschen und dabei Freundschaften entstehen, fühlen wir uns einfach nur glücklich“, so die beiden Matreier Enduro-Racer abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Hannes Berger





