Nockbergringen in Kärnten: Osttiroler Ranggler holten zwei Siege

Matthäus Gander und Kevin Holzer erzielten beim Abschlussringen der Nockberger Ringer in Wachsenberg mit zwei Siegen sensationelle Erfolge für die Sportunion Matrei.

Die Ranggler der Sportunion Matrei waren beim Nockbergringen im Kärntner Bezirk Feldkirchen am Sonntag, 3. September, erstmals mit drei Athleten am Start.  Das Nockbergringen ist wie das Ranggeln ein Brauchtumssport und bis ins Mittelalter zurück schriftlich belegt. Wahrscheinlich geht es bis auf die Keltenzeit zurück und hat seine ursprüngliche Form bis in die Gegenwart bewahrt. Somit zählt das Nockbergringen zu den ältesten Sportarten im Kärntner Raum. Ursprünglich diente das Ringen dem männlichen Kräftemessen um Ruhm, Ansehen und materielle Besserstellung sowie zur Feststellung der Rangordnung unter den Dorfbewohnern.

 

Perfekter Schulterwurf von Matthäus Gander

 

Beim Abschlussringen der Nockberger Ringer war in der Klasse bis 15 Jahre neben sechs weiteren Athleten Matthäus Gander von der Sportunion Matrei am Start. Nach den drei Vorrundenkämpfen stand er als Bester schon im Finale. Beim alles entscheidenden Finalkampf setzte sich der Osttiroler mit einer gezielten Beintechnik durch und stand somit als Sieger seiner Klasse fest. In der Klasse bis 18 Jahre startete Matthäus Gander noch einmal und wurde Vierter.

In der Allgemeinen Klasse waren zwölf Athleten am Start, wobei die Sportunion Matrei mit Kevin Holzer und Thomas Gander zwei Ringer stellte. Nach vier Vorrundenkämpfen platzierte sich Kevin Holzer an der sechsten und Thomas Gander an der neunten Stelle. Beim sogenannten ,,Rittern“ konnte sich Thomas Gander nicht verbessern und erreichte damit den neunten Platz.

 

Kevin Holzer wurde beim Rittern alles abverlangt.

 

Kevin Holzer lief zur Bestform auf und konnte sich mit fünf Siegen in Folge bei über 20 Minuten durchgehender Kampfzeit ins Finale ringen. Im Finalkampf überraschte er seinen Gegner mit einem gekonnten Schulterwurf binnen weniger Sekunden und stand somit als Sieger des Ringerturnieres fest.

 

Nockberger Ringerregeln

Man zieht sich eine Ringerjacke über. Die rechte Hand fasst den Gegner beim Rockkragen, die linke Hand am Rockzipf. Diese Griffhaltung darf bis zum Ende des Kampfes nicht losgelassen werden. Nun versuchen sich die Kontrahenten mit einem Wurf auf den Boden zu bringen.

Es gibt mehrere Techniken, wie den ,,Fürschlag, einwendiger und auswendiger Kragler (Haggler)“ oder den ,,Über-Arsch-Dreher“. Der ,,Riss“ ähnelt einem Schleuderwurf. Man kann auch verschiedene Rangglertechniken (z.B. Beispiel den Schulterwurf oder den Viersteiger Hufer) oder Judotechniken einsetzen.

Sieger ist, wer in drei Minuten seinen Gegner zuerst mit einem Körperteil oberhalb der Knie zur Bodenberührung zwingt und somit einen Pluspunkt erreicht. Zwei Punkte können pro Kampf in den Vorrunden gesammelt werden. Bei Unentschieden und Freilos gibt es keine Punkte.

Es werden vier Vorrundenkämpfe mit einfacher Paarungsverlosung ausgetragen. Nach den Vorrundenkämpfen ergibt sich eine Plus-Minus-Wertungsliste vom Besten bis zum Letzten. Nun beginnt das ,,Rittern“. Der Letztplatzierte ringt gegen den Vorletzten und so weiter. Der Sieger bleibt immer im Ring.

Beim ,,Rittern“ gibt es kein Zeitlimit, und der Kampf ist bei der ersten Punktevergabe entschieden. Theoretisch könnte auch der Letzte aus den Vorrundenkämpfen im Finale stehen. Sieger ist derjenige, der beim Rittern ohne Niederlage ist und am Ende übrig bleibt.

 

Text: Redaktion, Fotos: Holzer

04. September 2023 um