Leonie & Jonas Hauser: Sportliche Geschwister aus Dölsach

Geschwister im Leistungssport sind keine Seltenheit. Und dennoch wird nur selten über diese besondere Konstellation berichtet.

Ihre Geschichte ist eng miteinander verbunden. Sie teilen die Leidenschaft für dieselbe oder eine ähnliche Sportart und motivieren sich oft auch gegenseitig zu Höchstleistungen: Es gibt bzw. gab viele Geschwister im Leistungssport. Zu den bekanntesten gehören, um nur einige Beispiele aufzuzählen, die Klitschko-Brüder im Boxen, die Williams-Schwestern im Tennis, Michael und Ralf Schuhmacher im Motorsport oder Jakob, Filip und Henrik Ingebrigtsen im Bereich Leichtathletik. Sie alle hat der Sport zusammengeschweißt, sie alle haben ähnliche Erfahrungen gemacht sowie Freud und Leid im Spitzensport miteinander erlebt.

 

 

„Wir teilen eine große Gemeinsamkeit miteinander“, betonen auch Leonie und Jonas Hauser aus Dölsach. Die Geschwister, sie 18 Jahre und er 17 Jahre jung, sind leidenschaftliche Triathleten und haben in den vergangenen Jahren immer wieder mit beachtenswerten Erfolgen bei Bewerben im In- und Ausland aufhorchen lassen. Aufgewachsen sind die beiden in einem Umfeld, in dem Sport immer eine große Rolle spielte. „Unsere Eltern haben uns von klein auf zu möglichst viel Bewegung im Freien motiviert. Ich stand schon als Dreijährige und Jonas noch etwas früher, mit 2,5 Jahren, auf den Skiern“, lässt Leonie wissen. Später begeisterten sich die beiden auch fürs Radfahren, Rollerbladen, das Einrad, für den Fußball, für Wassersportarten oder das Eislaufen und Snowboarden. „Im Vordergrund stand dabei immer die Freude an der Bewegung. Zu keiner Zeit wurden wir von Seiten unserer Eltern einem Leistungsdruck ausgesetzt“, sagt Jonas. „Mama und Papa unterstützen und fördern uns vielmehr bis heute, beim Training, bei Fahrten zu Wettbewerben und vielem anderen mehr.“ Die Motivation, in der von beiden bevorzugten Disziplin, dem Triathlon, erfolgreich zu sein, entwickelte sich im Laufe der Zeit und auch aus der Mitgliedschaft bei Sportvereinen heraus. An den eigentlichen Startschuss zur sportlichen Karriere, die Teilnahme am Römerlauf in Dölsach im Jahr 2010, erinnern sich die Geschwister noch ebenso gut zurück wie an die nachfolgenden Erfolge bei Laufbewerben im Rahmen des Raiffeisen Läufercups Osttirol. Bis Ende 2015 war der RC Figaro Sparkasse Lienz der Verein, dem Leonie und Jonas angehörten. Seit 1. Jänner 2016 sind sie Mitglieder des HSV Triathlon Kärnten. „Triathlon ist die Kombination der drei Ausdauersportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen und seit dem Jahr 2000 auch olympische Disziplin“, informiert Leonie. Als Paradedisziplin nennen sie und ihr Bruder das Schwimmen. Im Wasser fühlten sich beide schon als Kinder sehr wohl. Die Grundlagen und Techniken, um im Spitzensport mitmischen zu können, brachte ihnen der Osttiroler Trainer Josef Mair bei. Mit „Pepi“ trainieren Leonie und Jonas bis heute und mit ihm sind sie vor einigen Wochen auch ins neue Trainingsjahr gestartet.

10 bis 12 Einheiten stehen bei den Hauser-Geschwistern pro Woche auf dem Programm. Neben dem Schwimmen im Dolomitenbad in Lienz gehören selbstverständlich auch Ausdauerläufe entlang der Drau sowie Radtouren zur Trainingsroutine. Trotzdem werden die schulischen Pflichten nicht vernachlässigt: Leonie hat im Juni 2022 die BORG-Matura erfolgreich absolviert und vor Kurzem mit einem Fernstudium zur geprüften Fachpraktikerin für Massage, Wellness & Prävention begonnen. Jonas ist Schüler am BORG Lienz und arbeitet auf den Schulabschluss 2023/2024 hin. „Mein Bruder und ich sind sehr eng miteinander verbunden. Ich habe ihn eigentlich immer dabei oder er mich“, lacht die 18-jährige Dölsacherin. „Grundsätzlich machen wir fast alles zusammen – wir wohnen zusammen, fahren gemeinsam in Trainingslager und trainieren auch sehr viel gemeinsam. Getrennt werden nur spezifische Leistungs- und Techniktrainings absolviert.“ Besonders streichen sie und Jonas die Unterstützung durch den HSV Triathlon Kärnten heraus. „Wir fühlen uns dort sehr wohl und sind mit Funktionären, TrainerInnen und Mitgliedern freundschaftlich verbunden.“ Als Vereinsmitglieder sind beide in den letzten Jahren bei vielen nationalen wie internationalen Wettkämpfen angetreten – und die Platzierungen können sich mehr als sehen lassen! Besonders erfolgreich waren die Geschwister im heurigen Jahr, unter anderem als Titelgewinnerin bzw. Zweitplatzierter bei den Österreichischen Meisterschaften im Aquathlon oder als Siegerin bzw. Sieger bei den Kärntner Meisterschaften im Aquathlon und Triathlon. Leonie setzte sich beim ÖTRV- und beim KTRV-Nachwuchs-Cup an die Spitze und erzielte bei europaweiten Triathlon-Junior-Cups wiederholt Platzierungen unter den besten 20. Jonas freute sich besonders auch über Platz 1 bei der Jugend-Europameisterschaft im B-Finale in Frankreich. Außerdem siegte er beim ÖTRV- sowie beim KTRV-Nachwuchs-Cup 2022. Jonas ist Kadermitglied des Kärntner Triathlon-Verbandes und für den ÖTRV-Kader im nächsten Jahr nominiert. Leonie ist ebenfalls Kadermitglied des Kärntner Triathlon-Verbandes und wurde bereits in den Österreichischen Triathlon-Verband aufgenommen. Die Frage, ob sie sich manchmal auch miteinander messen bzw. ihre Leistungen vergleichen, beantworten die beiden so: „Wir haben für uns festgestellt, dass wir die Vorteile unserer Geschwister-Konstellation sehr schätzen. Wir haben uns als Trainingspartner und können uns gegenseitig motivieren und anspornen. Der Leistungsvergleich ist etwas, was damit manchmal einhergeht. Das schmälert aber nie die Freude, wenn eine/einer von uns erfolgreich ist!“

Ihre Zukunft sehen Leonie und Jonas beide im Sport. „Ich möchte Profi-Triathlet werden“, sagt Jonas. Er strebt als nächstes eine Europameisterschafts- bzw. WM-Medaille an und bezeichnet die Olympia-Teilnahme 2028 in Los Angeles als großes Ziel. Leonies Berufswunsch ist es, als Physiotherapeutin oder Masseurin zu arbeiten. Auch ihr Traum ist es, bei der Sommerolympiade 2028 antreten zu können. „Und ich möchte einmal im Leben den Ironman Hawaii bezwingen“, meint sie abschließend.

 

Als Geschwisterpaar gemeinsam zu Olympia 2028 zu fahren, darauf arbeiten Leonie und Jonas hin.

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Martin Lugger

14. Oktober 2022 um