Kevin Weiler: Ein junger Sportschütze auf dem Weg nach oben
Neben Tobias Mair ist Kevin Weiler aus Anras der erfolgreichste Sportschütze Osttirols. Er gehört im Österr. Nationalteam dem A-Kader Luftgewehr und Kleinkalibergewehr Junioren an.
Wenn Kevin Weiler im Vereinsheim der Sportschützengilde Innervillgraten trainiert, dann ist er in seinem Element. „Drei Jahre lang war ich Mitglied der Sportschützengilde Hochpustertal. Dann hat mir Franz Mair die Anlage in Innervillgraten als Trainingsmöglichkeit angeboten. Hier trainiere ich vor allem mit dem Luftgewehr, für das Kleinkaliber-Training ziehe ich die Anlage in Sillian vor. Mit der Nationalmannschaft und unserem Haupttrainer Hermann Rainer sind wir auf vielen Anlagen in Österreich – z.B. auch im Heeres-Leistungssport-Zentrum in Dornbirn – unterwegs“, informiert der junge Anraser, der vor Kurzem seinen 18. Geburtstag feierte.

Wir treffen Kevin im Sportschützenheim in Innervillgraten, wo er uns auch davon erzählt, dass er sich schon im Alter von 15 Jahren nicht nur zum Tiroler Landesmeister, sondern auch zum österreichischen Staatsmeister in der Juniorenklasse küren konnte. „Mein Papa ist Funktionär bei der Schützenkompanie Anras, und so lernte ich früh die Bedeutung von Tradition, Brauchtum und Kameradschaft kennen. Als Kinder haben mein Bruder und ich unsere Eltern auch oft begleitet, wenn sie auf die Jagd gingen. Irgendwann nahmen Dominik und ich dann an einem Dorfschießen in Anras teil – und haben gar nicht so schlecht getroffen“, erinnert sich der Zimmererlehrling an die Anfänge seiner Leidenschaft für das Sportschießen zurück.

Heute ist der 18-Jährige längst schon ein sehr erfolgreicher Sportschütze – mit vielen Erfolgen auf Landes- und Bundesebene sowie international sehr guten Platzierungen. Im heurigen Jahr konnte er sich so bei den Tiroler Landesmeisterschaften erneut Gold in der Juniorenklasse sichern. Seine Vereinskolleginnen Katharina und Victoria Senfter holten den 8. bzw. 11. Platz bei den Juniorinnen, und Peter Paul Walder sicherte sich in der Herrenklasse den vierten Rang.

Bereits mehrmals gewonnen hat Kevin in der Jugendbundesliga als einer von vier Schützen des Teams Tirol 1, und auch in der Erwachsenenbundesliga stand er als der jüngste Schütze des Teams „Sportschützengilde Innervillgraten“ schon ganz oben auf dem Podest. Für die Europameisterschaft im kroatischen Osijek im Frühjahr des Vorjahres wurde Kevin mit weiteren acht Schützen aus Tirol nominiert. In der Juniorenklasse trat er in der Disziplin 3×40 Dreistellungskampf (Einzel und Mannschaft) an und fungierte außerdem als Ersatzschütze mit dem Luftgewehr. „Bei solchen Großereignissen bin ich immer noch sehr nervös. Man schießt mit 60 Schützen nebeneinander, und natürlich ist es auch sehr aufregend, weil bei solchen Bewerben viele ZuseherInnen dabei sind und Fernsehstationen darüber berichten.“

Den ausgezeichneten 5. Platz bei den Junioren holte sich der Osttiroler mit dem Kleinkaliber in der Kategorie 60 Schuss liegend jeweils bei der Weltmeisterschaft 2021 in Lima sowie bei der Europameisterschaft 2022 im polnischen Wroclaw (Breslau). Besonders erfolgreich war Kevin Weiler im heurigen Juni auch beim internationalen Juniorenbewerb „Shooting Hopes Pilsen“ in Tschechien. Mit dem Kleinkaliber erreichte er im Dreistellungskampf (stehend, kniend, liegend) und in der Klasse 60 Schuss liegend jeweils Bronze.
Beim Sportschießen sei die mentale Stärke ein entscheidender Faktor, betont der junge Sportler aus dem Pustertal. „Bei Wettkämpfen hat man nur 15 Minuten Probezeit zur Verfügung, um das Gewehr einzuschießen und sich auf den Wettkampf einzustellen. Dabei ist es wichtig, dass man sich nur auf den Schuss konzentriert und alles andere ausblendet.“ Mit weiteren acht jungen Sportschützen aus Österreich ist Kevin derzeit während des ganzen Jahres mit der Junioren-Nationalmannschaft im Einsatz – in der Bundesliga ebenso wie bei Europa- und Weltmeisterschaften.

„Die Kameradschaft und den Erfahrungsaustausch schätze ich als Mitglied der Sportschützengilde Innervillgraten besonders. Wir besprechen Trainings- und Wettkampfstrategien und analysieren Fehler. Mit Tobias Mair haben wir auch einen erfahrenen Heeressportler in unseren Reihen. Bei den Erwachsenen (ab 21 Jahren) üben etwa 90 Prozent das Sportschießen hauptberuflich aus. Ob auch ich das einmal machen werde, weiß ich derzeit noch nicht. Der Beruf des Zimmerers macht mir sehr viel Spaß – und der Faszination Holz widme ich auch viele Stunden meiner Freizeit. Im Wald Bäume zu fällen und aufzuarbeiten, gehört nämlich neben dem Sportschießen und dem Trialfahren zu meinen großen Leidenschaften“, so der vielseitige Anraser abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann


