Dominik Landertinger zur IBU JJWM: „Die Anlage in Obertilliach ist genial!“
Der ÖSV schickt bei der Biathlon Jugend- und Junioren-WM 19 AthletInnen ins Rennen. Dominik Landertinger im Interwiew zu deren Chancen und zum Austragungsort Obertilliach.
Von 27. Feber bis 6. März geht in Obertilliach nach 2013 zum 2. Mal die IBU Jugend- und Junioren-WM über die Bühne. Morgen Samstag beginnen die Titelkämpfe mit den Einzelrennen der Jugend-Klassen (10.30 Uhr Damen, 13.30 Uhr Herren). Und am Sonntag eröffnen die Juniorinnen und Junioren zu den selben Zeiten ihre Einzelrennen. Der gebürtige Oberösterreicher Dominik Landertinger (Gold im Massenstart bei der Biathlon-WM 2009 in Pyeonchang, 2010 und 2014 Silbermedaillen bei Olympischen Spielen in Vancouver und Sotschi) hat im Vorjahr seine erfolgreiche Karriere beendet. Seine Langlaufskier samt Gewehr hat er gegen das Mikrofon eingetauscht. Als ORF Co-Kommentator gibt er seine Expertisen zum Besten. Den heimischen Nachwuchs verfolgt „Landi“ sehr genau, wie er im Interview erzählt:
Was traust du den ÖSV-AthletInnen bei der WM in Obertilliach zu?
Einige haben sehr gute Chancen, wie Juniorin Anna Gandler, die für mich eine Medaillenkandidatin ist. In der Jugendklasse haben wir auch starke Leute am Start. Bei den Junioren sehe ich eher ein Nachwuchsproblem.
Wie siehst du generell die Zukunft im Biathlon?
Das System im ÖSV ist sehr gut, hier muss man ein großes Lob aussprechen. Wir haben mit dem Leistungszentrum Hochfilzen eine weltweit einzigartige Einrichtung. Dort finden die Sportler etwa super Laufbänder, Skirollerstrecken und eine Schießhalle. Es gibt dort alles, was es für eine perfekte Vorbereitung braucht. Und der Verband stellt zudem die Trainerteams und Trainingskurse. Was den Nachwuchs betrifft, sehe ich eher ein gesellschaftliches Problem. Die Kinder sitzen zu viel vor ihren Smartphones und machen zu wenig Sport; das betrifft nicht nur unseren Sport. Norwegen zeigt vor, wie man es besser machen könnte. Da sind Jahr für Jahr tausende Kinder mit ihren Eltern am Langlaufen.
Du hast bei der Junioren-WM 2007 zweimal Gold im Sprint und in der Verfolgung gewonnen und im Jahr darauf in Nove Mesto dreimal Silber. Wenn du zurückblickst, welchen Stellenwert hat so eine Veranstaltung auch für die weitere Karriere eines jungen Sportlers?
Das ist das größte Event im Jahr für Junioren oder Jugendliche und der absolut Saisonhöhepunkt! Ich finde es toll, dass die WM trotz Corona durchgeführt wird, was nicht selbstverständlich ist. Sportler, die hier in Obertilliach Medaillen holen, zählen dann sicherlich auch wenige Jahre später in den Elite-Klassen zu den großen Stars. Sie müssen nur aufpassen, dass sie sich nicht „verheizen“ lassen, und die Gesundheit muss natürlich auch mitspielen.
Du kennst das Biathlonzentrum in Obertilliach sehr gut. Wie beurteilst du die Anlage auf über 1.400 Metern Seehöhe?
Die Seehöhe spielt natürlich eine große Rolle, darum ist das Akklimatisieren sehr wichtig. Die Anlage in Osttirol ist genial – im Winter wie auch im Sommer. Ich fahre immer noch sehr gerne zum Trainieren hin und fühle mich im Örtchen Obertilliach, wo Biathlon eine große Rolle spielt, sehr wohl.
Wo liegen die Schwierigkeiten in Obertilliach und wie beurteilst du den Schießstand?
Der Wind ist hier meist nicht so das große Problem. Die Höhe erschwert alles schon eher, weil man mit einem hohen Puls zum Schießstand kommt. Die Langlaufstrecke hat es auch in sich, das wird gerade für die jungen Sportler die große Herausforderung.
Welche Tipps gibst du den österreichischen AthletInnen?
Nicht zu schnell zum Schießstand laufen und beim Schießen auf den Puls aufpassen. Die Strecke ist sehr schwer, alles gut einteilen!
Du hast zuletzt die Biathlon-WM mit den tollen Erfolgen von Lisa Hauser und Simon Eder für den ORF, der auch einige Rennen von der WM in Osttirol bringt, kommentiert. Hat es nicht doch gekribbelt bei dir?
Nein, es kribbelt gar nicht mehr. Für mich war 2020 der absolut richtige Zeitpunkt zum Aufhören. Ich mache gerne meinen Hobbysport, der Profisport ist für mich Geschichte.
Text: Redaktion, Foto: EXPA Pictures
