Dolomitenradrundfahrt: Max Kuen verblüfft die Radwelt mit seinem 5. Sieg

Der ehemalige Weltcup-Rennrodler Miguel Brugger sorgte am 14. Juni für die Überraschung des Tages: Der Tiroler siegte beim SuperGiroDolomiti. Max Kuen schrieb mit seinem 5. Sieg bei der Dolomitenradrundfahrt Geschichte.

Über 2.000 Teilnehmer:innen aus 26 Nationen bestritten die 38. Dolomitenradrundfahrt, den ältesten Radmarathon Österreichs, der vor 75 Jahren zum ersten Mal veranstaltet wurde, und den Extremmarathon 11. SuperGiroDolomiti, der von Lienz über Kärnten bis ins italienische Friaul und zurück nach Osttirol führte.

Bei der 112 Kilometer langen Dolomitenradrundfahrt, wo es über den Gailbergsattel und Kartitscher Sattel ging, waren Österreichs beste Radmarathonfahrer:innen dabei. Der älteste Teilnehmer war Martin Strobl mit 81 Jahren, Lara Auer mit erst 14 die Jüngste. Härter ging es beim SuperGiroDolomiti über 218 Kilometer und 5.060 Höhenmeter über den Gailbergsattel, zwei Mal den Plöckenpass, den vom Giro d’Italia her berüchtigten Monte Zoncolan und zum Abschluss im Lesachtal über den Kartitscher Sattel zur Sache. Einer der ganz prominenten Starter war hier der mittlerweile 73-jährige Helmut Wechselberger, in den 80-er Jahren Gewinner der Tour de Suisse und der Österreich Rundfahrt.

 

Max Kuen siegte vor Jan Kattanek und Johnny Hoogerland.

 

Bei der Dolomitenradrundfahrt rund um die Lienzer Dolomiten waren Spitzenzeiten prognostiziert. Nicht nur wegen der perfekten Wetterbedingungen, vor allem auch wegen der hohen Dichte an Top-Fahrern. Die Lokalmannschaft dolomite.bike mit einigen Ex-Siegern stellte gleich 40 Fahrer, am Start waren der Vierfachsieger Max Kuen, Marathon-Staatsmeister Anton Erlbacher, UCI-Weltmeister Johnny Hoogerland, Skibergsteig-Olympiastarter Paul Verbnjak, seine Freundin Sarah Dreier und viele mehr. Großes Pech hatte Vorjahressieger und Staatsmeister Rene Pammer, der nach einem Sturz vor Oberdrauburg das Rennen beenden musste. Zum Glück ging alles glimpflich aus.

Max Kuen schreibt Geschichte

Bis Maria Luggau im Lesachtal formierte sich eine neunköpfige Spitzengruppe bei den Männern. Mit dabei waren Streckenrekordhalter Jan Kattanek, Anton Erlbacher, Paul Verbnjak, Johnny Hoogerland und dessen RH77 Factory Racing-Teamkollege Max Kuen. Der Zehntplatzierte lag zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Biathlon-Hochburg Obertilliach schon zweieinhalb Minuten zurück. Bei starkem Gegenwind Richtung Lienz konnte sich kein Fahrer mehr absetzen und so kam es zum Sprint der neun Fahrer: Dabei spielte der Kufsteiner Max Kuen seine Klasse aus und holte sich nach 2:50,14 Stunden seinen fünften Sieg bei der Dolomitenradrundfahrt. „Es war unglaublich, das Rennen war so gut besetzt. Nach meinem vierten Sieg in Lienz war ich schon so zufrieden, mit Nummer 5 bin ich jetzt nur noch chillig. Es wird immer schwerer, die Jungen rücken nach“, so der Rekordsieger im Ziel. Kuen setzte sich im Zielsprint überlegen gegen Jan Kattanek von Dolomite.bike, der nach wie vor den Streckenrekord von 2:46 Stunden hält, und Amateur-Weltmeister Johnny Hoogerland durch.

 

Der erst 15-jährige Schweizer Mic Willy kam mit der Spitze nach 2 Stunden und 50 Minuten ins Ziel. TVBO-Obmann Franz Theurl staunte und gratulierte.

 

15-jähriger Schweizer sorgt für Sensation

Für eine große Sensation sorgte der erst 15-jährige Schweizer Mic Willy. Als Vierter verpasste er nur knapp das Podest. Sein Trainer Helmut Dollinger, auch Coach der WorldTour-Mannschaft XDS Astana, sieht in ihm den nächsten Pogacar: „Er ist so stark und ihm gehört die Zukunft.“ Übrigens, auch Felix Gall bestritt im Alter von 15 seine erste Dolomitenradrundfahrt und finishte in 3:15 Stunden – der Graubündener kam mit der Spitze nach 2:50 Stunden ins Ziel.

Daniela Traxl-Pintarelli siegt erneut

Bei den Damen entwickelte sich ein spannender Zweikampf: Die Vorjahressiegerin Daniela Traxl-Pintarelli und die Continental-Fahrerin und amtierende Gravel-Staatsmeisterin Jana Gigele lieferten sich ein hartes Duell an der Spitze. Gemeinsam passierten sie, vorbei an zahlreichen Musikkapellen und Volksfeststimmung, Maria Luggau mit fast drei Minuten Vorsprung und gemeinsam erreichten sie den Kartitscher Sattel. „Doch dann war sie plötzlich weg, ich vermute technische Probleme. Danach erwischte ich eine super Gruppe und freue mich riesig über den Sieg“, strahlte die 42-jährige Tirolerin. Daniela verwies Lena Zeiringer und Corina Pichler auf die Plätze.

 

Daniela Traxl-Pintarelli gewinnt die Dolomitenradrundfahrt vor Lena Zeiringer und Corina Pichler

 

Überraschung bei SuperGiroDolomiti – Ex-Rodler hängt alle ab

Auch beim SuperGiroDolomiti gab es eine lange Favoritenliste. An der Spitze Vorjahressieger Jack Burke, der jedoch vor zwei Wochen beim Training von einem Auto angefahren wurde, MTB-Weltmeister Alban Lakata, Ötztaler-Sieger Daniel Federspiel, Ex-Sieger Patrick Hagenaars oder der Tiroler Marathonspezialist Philip Handl. Doch zu Beginn drückten Manuel Popp und der ehemalige Nationalkader-Rennrodler Miguel Brugger gewaltig aufs Tempo. Sie lagen bis zum Monto Zoncolan vorne, ehe sich bei Paluzza Anton Metternich und Quirin Raubinger zu ihnen gesellten. Rund eine Minute dahinter kämpfte eine vierköpfige Verfolgergruppe mit Lakata und Federspiel um den Anschluss.

 

Miguel Brugger gewinnt den SuperGiroDolomiti vor Daniel Federspiel und David Schöggl.

 

Doch nach dem Plöckenpass durchs Lesachtal drehte Brugger aus Sautens, der den Ötztaler Radmarathon 2025 bereits in 7:02h finishte, auf. Bei Maria Luggau lag er bereits drei Minuten vor den Nächsten. Der Tiroler fuhr einen ungefährdeten Sieg nach 6:30 Stunden nach Hause. „Unglaublich, das ist mein absolutes Highlight auf dem Rad. Ich möchte gern in eine Continental-Mannschaft und Profirennen fahren. Vielleicht war das heute eine gute Visitenkarte“, jubelte Brugger, der sich sechs Minuten gegen Daniel Federspiel durchsetzte, Dritter wurde der Südsteirer David Schöggl.

 

Bei den Damen gewinnt den SuperGiroDolomiti Ils van der Moeren vor Eva Schien und Katharina Machner.

 

Ils van der Moeren holt Triple mit neuem Rekord

Die Belgierin Ils van der Moeren, Siegerin des SuperGiroDolomiti in den Jahren 2025 und 2023, zeigte gleich auf den ersten Anstiegen, dass sie nur schwer zu schlagen sein wird. Am Monte Zoncolan hatte sie bereits über fünf Minuten Vorsprung auf die zweifache Dolomitenrundfahrtsiegerin Eva Schien aus Deutschland, und sie baute ihren Vorsprung sukzessive aus. In Lienz jubelte die Belgierin nach 7:28,43 Stunden Fahrzeit über ihren dritten Triumph und einen neuen Streckenrekord. Mit sieben Minuten Rückstand erreichte Schien den zweiten Platz. Auf den tollen dritten Platz nach 8:07 Stunden fuhr Katharina Machner.

 

Text: Redaktion, Fotos: EXPA Pictures

15. Juni 2026 um