Australier Michael Storer gewinnt 2. Etappe der „Tour of the Alps“
Michael Storer attackierte am Anstieg nach Obertelfes und sicherte sich den Etappensieg und das Grüne Melinda-Trikot des Gesamtführenden. Hinter ihm folgten die Franzosen Paul Seixas und Romain Bardet. Felix Gall wurde Siebter.
Dass zwischen Michael Storer und der „Tour of the Alps” eine besondere Verbindung besteht, war bereits im April 2022 deutlich geworden. Damals endete das Rennen wie diesmal in Lienz, und der Australier belegte hinter Romain Bardet den hervorragenden zweiten Platz in der Gesamtwertung.
Am Dienstag, 22. April, krönte Michael Storer nun auf der zweiten Etappe – 178 Kilometer von Mezzolombardo im Trentino bis nach Sterzing in Südtirol – seinen Tag mit Herz, Mut und einem plötzlichen Angriff am kurzen, aber anspruchsvollen Anstieg nach Obertelfes. Er ließ die Konkurrenz regelrecht erstarren, die mit 41 Sekunden Rückstand ins Ziel kam.
Für den 28-jährigen Australier aus Perth, der seit sechs Jahren in Italien lebt, war es ein beeindruckender Solosieg – und vor allem bedeutete er das Grüne Melinda-Trikot für die Gesamtführung. Diese Führung gilt es nun für den Fahrer des Tudor Pro Cycling Teams gegen die Angriffe der weiteren Podiumsanwärter bis Lienz zu verteidigen.
Der Anstieg nach Obertelfes entschied die zweite Etappe.
Im Sprint um Platz zwei setzte sich der talentierte junge Franzose Paul Seixas (Decathlon-Ag2R), bereits Dritter in San Lorenzo Dorsino, gegen seinen erfahreneren Landsmann Romain Bardet (Picnic-PostNL) durch. Vierter und bester Italiener wurde Davide Piganzoli (Polti-VisitMalta), vor dem Sieger des Vortages, Giulio Ciccone (Lidl-Trek) auf Rang fünf, Jai Hindley (RedBull-BORA) auf dem 6. Platz und dem Osttiroler Felix Gall (Decathlon-Ag2R) auf dem siebten Rang.
In der Gesamtwertung führt nun Michael Storer mit 41 Sekunden Vorsprung auf Paul Seixas und Giulio Ciccone. Es folgen Felix Gall mit 45 Sekunden, Romain Bardet mit 47 Sekunden und Jai Hindley mit 51 Sekunden Rückstand. Antonio Tiberi (Bahrain-Victorious), einer der Favoriten auf das Grüne Trikot, musste seine Ambitionen wegen anhaltender Magenprobleme aufgeben. Er stieg aus dem Etappenrennen aus.
Unmittelbar nach dem Start in Mezzolombardo, bei Kilometer 1, griffen Koen Bouwman (Jayco-AlUla) und Lukas Meiler (Team Vorarlberg) an, bald darauf schloss sich ihnen Fran Miholjevic (Bahrain) an. Die erste Hälfte der längsten Etappe mit dem größten Höhenunterschied dieser „Tour of the Alps” (3.750 Höhenmeter) forderte ihren Tribut – sowohl bei den Ausreißern, die bei Kilometer 72 Lukas Meiler verloren, als auch bei den Verfolgern. Das Team Lidl-Trek übernahm die Kontrolle im Feld und ließ dem Trio an der Spitze nie mehr als fünf Minuten Vorsprung.
Beim Durchfahren des Tunnels kurz vor Brixen kam es zu einem folgenschweren Sturz an der Spitze des Feldes: Salvatore Puccio (INEOS Grenadiers) erlitt einen Bruch der linken Speiche und musste das Rennen beenden. Kurz darauf erwischte es auch Antonio Tiberi, den Hoffnungsträger des Teams Bahrain Victorious, der bereits seit dem ersten Renntag mit Magenproblemen zu kämpfen hatte.
Felix Gall (vorne) in Action – er belegte auf der 2. Etappe Platz 7 und liegt in der Gesamtwertung der „Tour of the Alps“ auf dem 4. Rang.
Das Spitzenduo wurde etwa 50 Kilometer vor dem Ziel gestellt – beim ersten Durchfahren des Ziels in Sterzing-Ratschings und vor den beiden finalen Runden mit dem Anstieg nach Obertelfes (4,2 km bei 7 %). Beim ersten Anstieg machten zunächst Polti-VisitMalta und dann Decathlon-AG2R Mondiale Tempo, verzichteten aber auf eine Attacke nach dem Gipfel, was das Zurückkommen zurückgefallener Fahrer begünstigte.
Die eigentliche Selektion folgte im zweiten Anstieg: Ein Doppelschlag von Decathlon, erst durch Felix Gall, dann durch Paul Seixas, sprengte das Feld. Dann folgte der Konter von Storer, der sich mit Gall, Seixas und Ciccone absetzte, während Hindley seinen Rhythmus fuhr und nicht auf die Attacken reagierte.
Doch Storer war nicht zufrieden mit dieser ersten Selektion und setzte den entscheidenden Angriff. Mit zehn Sekunden Vorsprung erreichte der Australier den höchsten Punkt und stürzte sich entschlossen in die Abfahrt, während sich die Verfolgergruppe um Seixas, Bardet, Piganzoli, Ciccone, Hindley, Gall, Caruso und Cepeda nicht auf eine gemeinsame Verfolgung verständigen konnte und wertvolle Sekunden verlor. So kam Storer am Ziel in Sterzing-Ratschings als Solist an und feierte einen der größten Siege seiner Karriere.
Die dritte Etappe am Mittwoch, 23. April, führt über 145,5 Kilometer von Sterzing nach Innichen und verläuft vollständig auf Südtiroler Boden. Sie wird von 12.30 bis 14.30 Uhr live auf RaiSport und Eurosport übertragen.
Text: Redaktion, Fotos: Josef Vaishar, Luca Matassoni, Sprint Cycling