Andy Holzer gelingt Erstbesteigung in Grönland
Eine dreizackige Granitspitze in Ost-Grönland – der 852 Meter hohe Mittivakkat – war das Ziel von blind climber Andy Holzer aus Tristach und vier seiner Bergkameraden.
„Als ich am 12. Juli 2012 mit meinen Freunden in München ins Flugzeug stieg, hatten wir außer zwei Fotos und einer alten Landkarte nichts im Gepäck, was uns Aufschlüsse über unser bevorstehendes Abenteuer gegeben hätte“, blickt der Bergsteiger Andy Holzer zurück. Mit Abenteuer meint er die Erstbesteigung des 852 Meter hohen Mittivakkat in Ost-Grönland, zu dem er mit Thomas und Andi Notdurfter aus Maurach, dem Jenbacher Lehrer Uli Lackner und dem Profibergsteiger Daniel Kopp aus dem Zillertal aufbrach. „Unser Ziel war die laut Angaben aus Grönland bis dato noch unbestiegene dreizackige Granitspitze namens Mittivakkat, die seit Jahrhunderten in einer Meeresbucht nördlich von Tasiilaq auf ihre ersten Besucher wartete“, so Holzer, „da ich weder über den Zustieg noch über die Schwierigkeiten und Steilheit der Wandfluchten Bescheid wusste, war es für mich als blind climber eine logische Entscheidung, zu fünft an die Besteigung heranzugehen.“ 450 Meter ragt die Südostrampe des Berges in die Höhe, 520 Klettermeter waren zu bewältigen.
Andreas Nothdurfter, Daniel Kopp, Andy Holzer, Thomas Nothdurfter und Ulrich Lackner (von links) am 17. Juli 2012 auf dem Gipfel der 852 Meter hohen Granitspitze
„Es handelte sich um traumhafte, abwechslungsreiche Granitkletterei in bestem Fels“, so der Tristacher begeistert. Die gesamte Route wurde von den fünf Bergsteigern von unten eingerichtet – 60 Meter Doppelseil, ein kompletter Keil- und Friendsatz sowie Bänder zum Verlängern waren erforderlich. Am 15. Juli bewältigten die fünf Tiroler Kletterer die ersten sieben Seillängen, am 17. Juli finalisierten sie die Tour und waren somit höchstwahrscheinlich die ersten Menschen auf dem Mittivakkat.
Andy Holzer: „Für mich war diese Reise mit Freunden wieder ein Beweis dafür, wie schön es sein kann, Stärken und Schwächen zu mixen und damit eine neue Qualität von Lebensfreude zu kreieren!“
„Meine Freunde beschrieben mir den Rundblick als umwerfend. Vom Eispanzer des mächtigen Inlandeises im Westen ging der Blick über Norden nach Nordosten, wo unzählige kleine Matterhörner den Horizont zierten“, erinnert sich Andy Holzer gerne an seine Emotionen am Gipfel zurück. Als etwas vom Schwierigsten bezeichnet der Tristacher die Namensfindung für die von den fünf Kletterern ausgewählt Route auf den Mittivakkat. „Wir tauften sie Kalaallit Nunaat – das ist der Name für Grönland auf Grönländisch“, so Holzer „und nachdem dieser Begriff auf Deutsch ‚Land der Menschen‘ heißt, waren wir uns alle einige, dass diese Bezeichnung am besten zu unserer abenteuerlichen Reise und der neuen Route auf den Gipfel passt.“
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Andreas Nothdurfter