Adamo Valtiner: „Schach ist für mich wie das Leben!“

Adamo Valtiner ist eines der größten Schachtalente Österreichs. Für außerordentliche Leistungen bei einem Europacup-Turnier in Nordmazedonien erhielt er den Titel „Candidate Master“.

Zum Schach ist Adamo Valtiner aus Kötschach-Mauthen durch seinen Opa Adam und seinen Onkel Christoph gekommen. „Ich habe den beiden immer beim Schachspielen zugeschaut und war davon fasziniert. Mein Opa, der heuer im Mai leider verstorben ist, hat mir auch die wichtigsten Züge beigebracht“, erzählt der 19-Jährige. Im vergangenen Mai hat er an der HAK Lienz maturiert. „Über die Schule bin ich im Alter von etwa zehn Jahren auch zum Schachverein Kötschach-Mauthen gestoßen. Von meinem damaligen Trainer Peter Lederer konnte ich sehr viel lernen. Bereits bei meinem ersten Training siegte ich über Vereinsspieler und war so hochmotiviert, auch zu Turnieren mitzufahren.“

Bald schon erzielte Adamo den Kärntner Landesmeistertitel in der Jugendklasse. Im Alter von 15 Jahren sicherte sich der Gailtaler bei den Kärntner Landesmeisterschaften sogar souverän den 2. Platz bei den Erwachsenen. Durch den steigenden Erfolg wurde der Bundesligaverein SV Raika Rapid Feffernitz auf den jungen Oberkärntner aufmerksam. Im September 2021 durfte Adamo für seinen neuen Verein am Europacup in Nordmazedonien teilnehmen – und überraschte mit einer sensationell starken Leistung. Adamo gewann bei diesem internationalen Top-Turnier fünf von sieben Partien. Dafür wurde ihm der Titel „Candidate Master“ verliehen.

 

 

„Der SV Feffernitz ermöglicht es mir, internationale Erfahrungen zu sammeln. Mein nächstes Ziel ist der FIDE-Meister, den ich erhalte, wenn ich ein ELO von 2100 erreiche. Dafür benötige ich vor allem Training, Praxis und hochkarätige Gegner. Der FIDE-Meister bedeutet klar zweites Bundesliga- Niveau.“ Im November 2021 ist Adamo bei der Staatsmeisterschaft Dritter in der Jugend geworden. „Bei Staatsmeisterschaften zu punkten, ist für mich derzeit besonders schwierig, weil es sich um einen besonders starken Jahrgang handelt und wir auch den Schnellschach-Weltmeister in unseren Reihen haben.“

Beim Schach-Europacup in Mayrhofen (3. bis 10. Oktober 2022) hat der 19-Jährige übrigens mit rund sechs Stunden auch seine bisher längste Partie gespielt. „Mit dem Ergebnis war ich aber überhaupt nicht zufrieden. Ich habe die Stellungen einfach nicht verwerten können.“ Stolz verweist er aber darauf, dass er im heurigen Juni für die HAK Lienz gemeinsam mit Simon Lugger, Marcel Schilcher und Valentin Frey als Mannschaft den Staatsmeistertitel im Schulschach holen konnte. „Das war unmittelbar nach der mündlichen Matura. Im Team zu gewinnen, macht sehr viel Freude, und beim Schach geht es für mich generell darum, neue Bekanntschaften zu knüpfen und Spaß zu haben. Eines meiner bisherigen Highlights war auch der Sieg im B-Turnier beim Innsbruck Open im August 2021.“

 

Bundessieg im Schulschach für die HAK Lienz im Juni 2022. Foto: Hannes Gailer

 

Normalerweise dauert eine Partie drei bis vier Stunden. „Wenn die Stellungen kompliziert sind, kann sich eine Partie aber auch bis zu sechs Stunden hinziehen. Um die Kreativität beizubehalten und um mich zu inspirieren, verlasse ich dann meistens zwischendurch den Raum. Man muss in solchen Situationen aufpassen, dass man nicht einen gewissen Tunnelblick bekommt. Manchmal schaue ich mir auch andere Partien an, um mich abzulenken. Meiner Meinung nach spielt ab dem Titelträger-Niveau auch der IQ eine große Rolle, weil es beim Schach vor allem um Tiefe, Präzision und Schnelligkeit geht“, sagt Adamo, der sich selbst als „aggressiven Spieler“ bezeichnet.

„Ich bin ein extrovertierter Typ und spiele deswegen eher dynamisch und aktiv. Aggressive Spieler sind meiner Meinung nach auch tendenziell offener und taktischer. Introvertierte Persönlichkeiten spielen hingegen eher strategisch und denken eher langfristiger. Durch psychologische Spielführung versuche ich, das Match bis auf fünf Stunden in die Länge zu ziehen und dabei mit schnellen, aufeinanderfolgenden Zügen den Gegner unter Druck zu setzen“, verrät der Oberkärntner Details seiner Strategie.

„Schach ist für mich wie das Leben. Man kann zwar viel planen und berechnen, es läuft jedoch meistens anders als man denkt. Für mich kommt es beim Schachspiel und auch im Leben stark darauf an, wie man sich auf Veränderungen und neue Herausforderungen einstellt. Durchhaltevermögen und Resilienz spielen für mich dabei eine wesentliche Rolle“, betont der hochtalentierte Kärntner Schachspieler abschließend.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann, Hannes Gailer

29. November 2022 um