Zukünftige Schutzbauten in Osttirol in Frage gestellt?
Eine Jubiläumspublikation der Abt. Wildbach- und Lawinenverbauung im BM für Land-, Forst-, Umwelt- und Wasserwirtschaft rief den Osttiroler NR Mag. Hauser auf den Plan.
In einer Pressekonferenz am Freitag, 15.5., in Lienz warnte Osttirols Vertreter im Nationalrat in Wien, Mag. Gerald Hauser, davor, dass der Bund Schutzbauten in entlegeneren österreichischen Tälern, wie jenen im Bezirk Lienz, in Frage stelle. Als Grundlage für diese These stellte der FPÖ-Politiker die Festschrift „130 Jahre Wildbach- und Lawinenverbauung“ vor und zitierte in diesem Zusammenhang die Leiterin der Abt. Wildbach- und Lawinenverbauung im Bundesministerium für Land-, Forst-, Umwelt- und Wasserwirtschaft, DI Maria Patek. Sie hatte in der Publikation angeregt, dass man über den großen Ressourceneinsatz in ländlichen Gebieten nachdenken solle. „Meiner Ansicht nach ist eine gemeinsame Entwicklung von Leitbildern und Strategien dringend erforderlich, um zu klären, wie und wo wir in Zukunft sicher leben wollen und welche Regionen gezielt der Natur überlassen werden können“, so DI Patek. Ihrer Ansicht nach gäbe es neben „blühenden Tälern“ auch „überalterte Täler“ mit geringeren wirtschaftlichen Perspektiven. Mit Zweiterem sieht Gerald Hauser den ganzen Bezirk Lienz angesprochen, weshalb er auch eine Anfrage an den zuständigen Bundesminister, DI Andrä Rupprechter, ausgearbeitet hat. In diesem Zusammenhang will er u.a. vom Bundesminister wissen, ob die Meinung der Abteilungsleiterin DI Patek die offizielle des Ministeriums sei.
Gerald Hauser, selbst Bürgermeister einer Gemeinde in einer hochalpin geprägten Talschaft, weiß wovon er spricht. Schließlich kann die Sicherheit der Bevölkerung im Defereggental – sommers wie winters – nur aufgrund umfangreicher Schutzbauten der Wildbach- und Lawinenverbauung gewährleistet werden. NR Hauser: „Wenn man nicht verbaut, heißt das ganz klar: Entsiedelung!“ Angesichts der kontinuierlichen Abwanderung aus dem Bezirk Lienz und der schwierigen Situation vieler Gemeinden, was Betriebsansiedelungen und Arbeitsplätze betrifft, könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Bund hinter vorgehaltener Hand Täler wie das Iseltal gezielt der Natur überlassen wolle. Von seiner Kritik, so Hauser, seien die Mitarbeiter der Wildbach- und Lawinenverbauung in Lienz aber dezidiert ausgenommen. Er schätze die Arbeit von DI Otto Unterweger und seinem Team sehr.
Lawinengalerien wie diese im Defereggental schützen Gäste wie Einheimische sommers wie winters vor den Naturgewalten
Auf Anfrage von Osttirol heute an die zuständige Abteilung des Bundesministeriums bestätigt deren stellvertretender Leiter, DI Dr. Florian Rudolf-Miklau, die von DI Patek getroffene Aussage, meint aber, dass sie im falschen Kontext zitiert werde. „Die Wildbach- und Lawinenverbauung versteht sich als Institution, die den ländlichen Raum stärken und fördern will. DI Maria Patek wollte angesichts knapper staatlicher Mittel auf eine Problematik aufmerksam machen, über die es zwar nachzudenken gilt, für die Wildbach- und Lawinenverbauung hat der Schutz der Menschen jedoch auch weiterhin oberste Priorität.“
Text: J. Hilgartner, Fotos: Osttirol heute/Brunner Images
