Weiter Diskussion um Kraftwerke im Villgratental

Eine energie- und betriebswirtschaftliche Überprüfung des Kraftwerksprojektes der Gemeinde Innervillgraten fordert der vorwärts Tirol-Landtagsabgeordnete Josef Schett. 

Die Gemeinde Innervillgraten beabsichtigt, am Stallerbach und Kalksteinbach im Talschluss des Villgratentales zwei Kleinwasserkraftwerke zu errichten. Nach einer Zurückweisung des ersten wasserrechtlichen Bescheides des Amtes der Tiroler Landesregierung aus dem Jahr 2011 durch das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft wurde die wasserrechtliche Genehmigung im Oktober 2013 auf Grundlage der angepassten Einreichunterlagen erstinstanzlich erlassen.

Der Landtagsklub von vorwärts Tirol fordert nun von der Landesregierung, eine neuerliche energie- und betriebswirtschaftliche Überprüfung des Projektes zu beauftragen. „Ein Gutachten und eine Studie der Firma e3 consult aus Innsbruck zeigt eine möglicherweise nicht gegebene Wirtschaftlichkeit dieser Kraftwerke. Neben der energie- und betriebswirtschaftlichen Überprüfung schlagen wir auch vor, alternativ zu diesem Projekt im hinteren Villgratental ein gemeinsames Kraftwerk der beiden Gemeinden Außervillgraten und Innervillgraten am Winkeltalbach in Außervillgraten zu prüfen“, so Landtagsabgeordneter Josef Schett bei einem Pressegespräch am Montag, 26. Jänner 2015. Fachlich zur Seite stand ihm der Energieexperte DI Dr. Jürgen Neubarth von der Innsbrucker Firma e3 consult.

„Anders als beim Projekt an der Oberen Isel sehe ich bei Realisierung der Wasserkraftwerke am Staller- und Kalksteinbach energiewirtschaftlich ein hohes Risiko für die Gemeinde“, so Jürgen Neubarth. Das energiewirtschaftliche Jahresarbeitsvermögen sei falsch berechnet worden, und es gäbe keine vertiefende Gegendarstellung. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung von e3 consult ergäbe trotz Ökostromförderung ein tendenziell negatives Ergebnis, und die Einspeisvergütung sei zu positiv bewertet. „Außerdem sind die Betriebskosten unserer Meinung nach im Vergleich zu ähnlichen Wasserkraftwerken zu niedrig angesetzt“, so Neubarth.

DI Dr. Jürgen Neubarth: „Die Anforderungen am Energiemarkt haben sich gewandelt. Ich bin grundsätzlich nicht gegen die Nutzung der Wasserkraft. Das geplante Projekt an der Oberen Isel ist ein gutes bis sehr gutes Projekt. Beim Kleinwasserkraftwerksprojekt in Innervillgraten sehe ich aber große Risken für die Gemeinde."

DI Dr. Jürgen Neubarth: „Die Anforderungen am Energiemarkt haben sich gewandelt. Ich bin grundsätzlich nicht gegen die Nutzung der Wasserkraft. Das geplante Kraftwerk an der Oberen Isel ist ein gutes bis sehr gutes Projekt. Beim Kleinwasserkraftwerksprojekt in Innervillgraten sehe ich aber große Risiken für die Gemeinde.“

Josef Schett fürchtet, dass das Villgratental bei Realisierung des Wasserkraftwerkes im Talschluss an Glaubwürdigkeit verlieren würde, was den Naturtourismus betrifft. „Wir haben den Naturtourismus in den letzten Jahren in unserem Tal gehegt und gepflegt. Das hinterste Villgratental sollte so unberührt bleiben, wie es jetzt ist. Im Gegensatz dazu sehe ich ein  Kraftwerksprojekt am Winkeltalbach in Außervillgraten grundsätzlich positiv. Ich bin dort als Grundeigentümer selbst betroffen. Im Winkeltal befinden sich schon Energieanlagen, und das Risiko wäre für die einzelne Gemeinde kleiner, wenn Innvervillgraten und Außervillgraten gemeinsam ein Kraftwerk bauen würden“, so der Landtagsabgeordnete.

Die Kurzstudie über die Wirtschaftlichkeit könne aufgrund der eingeschränkten Datenlage keine abschließende Bewertung des Projektes darstellen, hielt Jürgen Neubarth fest. „Jedoch können die Ergebnisse einen energiewirtschaftlich fundierten Beitrag zu den Diskussionen über wirtschaftliche Chancen und Risiken liefern. Die Gemeinde Innervillgraten sollte die unterstellten Randbedingungen verifizieren, selbst eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung präsentieren und für eine inhaltliche Diskussion zur Verfügung stehen“, empfahl der Energieexperte abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

26. Januar 2015 um