Wege-Streit am Hochstein geht in die Verlängerung
Im Lienzer Gemeinderat wurde am 3.5. neuerlich und z.T. sehr emotional über das Sachthema „Verbindungsweg vom Stadtweg zur Talstation der EUB-Hochstein“ debattiert.
Die Vorgeschichte ist bekannt, wurde von Osttirol Heute entsprechend berichtet und war mehrfach auch Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen im abgelaufenen Gemeinderatswahlkampf. Es geht darum, den „Familytrail” der Lienzer Bergbahnen, welcher aus einer kombinierten Mountainbike- und Naturrodelstrecke bestehen soll, durchgehend herzustellen: Derzeit führt der letzte Teil über eine asphaltierte Strecke, weshalb in den vergangenen Monaten unterschiedliche Vorstellungen zwischen der Stadtgemeinde Lienz – als Grundeigentümerin einer etwa achtzig Quadratmeter großen Teilfläche im Wegverlauf – und dem Obmann des TVB Osttirol und AR-Vorsitzendem der Lienzer Bergbahnen AG, Franz Theurl, entstanden sind. Diese beziehen sich hauptsächlich auf den möglichen Wegverlauf selbst, auf Bedenken in Bezug auf Verkehrssicherheit und eine, in weiterer Folge angedachte Unterführung sowie auf ökologische Befürchtungen der Grünen sowie Proteste mehrerer NGO.

Besondere Pikanterie erhielt dieses Projekt dadurch, dass Franz Theurl zwischenzeitlich auch als Listenführer des TEAM LIENZ im Gemeinderat der Stadt vertreten ist und er diesen Weg bereits vor Klärung seiner tatsächlichen Umsetzbarkeit dem in Lienz mit seiner Familie wohnenden Ausnahmesportler, Olympiasieger und fünffachen Weltmeister im Snowboard, Benjamin Karl, gewidmet hat.
Weitere politische Hintergründe liegen wohl auch darin, dass der TVB Osttirol Mehrheitseigentümer der Lienzer Bergbahnen AG ist und die Stadt Lienz die mit Abstand weitaus größte Aktionärin. Dies könnte auch zukünftig zu Interessenskonflikten führen: Aus fördertechnischen Gründen sollte dieses Projekt nämlich nicht mehr von den Lienzer Bergbahnen, sondern vom TVB Osttirol umgesetzt werden, da dieser dafür – laut GR Franz Theurl – angeblich eine 50%-ige Förderung erhalten könnte, bei Einreichung durch die Bergbahnen Gesellschaft dies aber anscheinend nicht möglich ist.

Auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung war eine Präsentation des Wegprojektes durch Franz Theurl in seiner Eigenschaft als Gemeinderat und TEAM LIENZ-Leader angekündigt. Dieser erläuterte so auch per Beamer die gesamte Historie, ausgehend von einer Vorstudie, bis dato und wies auf die vorliegende Visualisierung des TEAM LIENZ hin. Im Oktober 2021 wäre es, so der Lienzer Gemeinderat und Touristiker, zu einer Ablehnung des vorliegenden Projektes aufgrund vorerwähnter Bedenken gekommen. Laut Theurl sei die geplante Wegführung aber alternativlos und durch zahlreiche Experten gestützt. Es gäbe keine andere Variante dazu und die Haltung der Stadtgemeinde verursache nur unnötige Folgekosten.

Für die Überraschung des Abends sorgte dann Bürgermeisterin LA DI Elisabeth Blanik, die – trotz anfänglicher Proteste der TEAM LIENZ-Mitglieder GR Franz Theurl und GRin Dr. Ursula Strobl – einen Amtsentwurf der Stadt durch Andreas Angermann von der städtischen Abteilung für Umwelt und Zivilschutz vorstellen ließ. Dieser basiere auf Vorschlägen im Umweltausschuss der Stadt und es stehe einer Bürgermeisterin, so Elisabeth Blanik, selbstverständlich jederzeit zu, zu einem grundsätzlich angekündigten Tagesordnungspunkt auch fachliche Beiträge von Mitarbeitern der Stadt präsentieren zu lassen.

Auch Andreas Angermann zeigte eine Timeline zum „Entwicklungsprozess Hochstein 2020+“ auf, an dessen Ende eine alternative, deutlich naturschonendere, umweltfreundlichere und kostengünstigere Verbindungsstrecke stehen sollte. Diese weise zudem auch – nach Abweichungen vor allem im oberen Teil mit einem etwas höheren Einstieg – vor allem Gefällevorteile und damit deutlich mehr Verkehrssicherheit auf. Der letzte Wegabschnitt wäre wieder ident mit dem Theurl-Vorschlag laut „TEAM LIENZ-Visualisierung“. Während das steilste Stück laut GR Theurl 22 Prozent betrage und z.B. bis zu 5,5 m hohe Geogitterwände erfordere, läge dieser bei „Hochstein 2020+“ nur bei maximal 16 bis 17 Prozent Gefälle, was in etwa dem derzeit steilsten Stück der asphaltierten Zufahrt zu Schloss Bruck entspräche. Die Böschungsbereiche wären dabei maximal 2,5 m hoch. Dazu würden bei der Variante der Umweltabteilung auch weniger Rodungsflächen anfallen und wäre eine Mehrfachnutzung dieses Wegabschnittes möglich: Zusätzlich zu Naturbahnrodlern und Mountainbikern könnten diesen auch Tourengeher und Skifahrer verwenden. Insbesondere wäre aber eine deutlich höhere Verkehrssicherheit dadurch gegeben, dass weniger Gefälle und damit eine geringere Absturzgefahr anfallen.
In diesem Plan eingezeichnet: die Varianten von TVBO und Stadtgemeinde
Gemeinderat Theurl zeigte sich damit ganz und gar nicht einverstanden und wies darauf hin, dass „die Stadt“ dort bauen wolle, wo nur der TVB Osttirol bauen „dürfe“. Zudem könne man aufgrund des Seilbahnrechtes nicht einen Weg unter dem Lastenlift für den „Osttirodler“ bauen.
Darüber zeigte sich die Bürgermeisterin erstaunt. Sie möchte nun behördlich prüfen lassen, ob eine reine Rückholanlage für Sportgeräte ohne Personenbeförderung überhaupt unter die Bestimmungen des Seilbahnrechtes fällt.
Gemeinderätin Gerlinde Kieberl (Grüne) bezeichnete den „Theurl-Weg” als „schlechteste Variante“. Dieser versuchte damit zu kontern, dass die Wegdiskussion nicht in die Kompetenzen eines Gemeinderates falle und man diese Experten überlassen solle. Damit zeigte sich verständlicherweise Bürgermeisterin Elisabeth Blanik nicht einverstanden. Sie meinte, dass ein Gemeinderat das höchste Gremium in einer Gemeinde darstelle und außerdem die Stadt nicht nur selbst Eigentümerin, sondern auch aktienrechtlich Miteigentümerin des Bergbahnen-Grundes sei.
GR Dr. Christian Steininger (ÖVP) begrüßte, dass nunmehr endlich Fakten zum Verbindungsweg vorliegen würden. Er möchte, dass alle Parteien zusammenarbeiten, da dieses Projekt auf jeden Fall ein Gewinn für die Stadt sowie deren Bevölkerung und Gäste sein könne. Als schlussendlich die Wogen nach dem Überraschungscoup der Bürgermeisterin wieder etwas geglättet waren, einigte man sich auf einen gemeinsamen Lokalaugenschein, zu dem „TEAM LIENZ“-Leader GR Franz Theurl einladen will.
Text: Politikredaktion, Fotos: Osttirol heute, Visualisierungen: Stadtgemeinde Lienz und Team Lienz