Vordenken für Osttirol: „Die Kraft der Orte ist da, wenn man sie lässt“

Unter dem Titel „Lebendige Dörfer? – was nun zu tun ist!“ referierte auf Einladung des RMO vor Kurzem „Dorfpapst“ Prof. Gerhard Henkel in der Arbeiterkammer.

Seit Jahrzehnten befasst sich der oft auch als „Dorfpapst“ bezeichnete Prof. Dr. Gerhard Henkel mit der historischen und aktuellen Entwicklung des ländlichen Raumes. Seine Erfahrungen teilte er vor Kurzem auf Einladung des Regionsmanagements Osttirol mit Bürgern, Bürgermeistern und Politikern. In seinem Einstieg über die Entwicklung der letzten Jahrzehnte wurde deutlich, dass sich in den Dörfern im Bereich der Basisinfrastruktur sehr viel getan hat, sie aber an Lebendigkeit eingebüßt haben. Dass das Dorf und damit der ländliche Raum jedoch Zukunft hat, daran ließ der Experte aber keinen Zweifel. Als Argument führte Henkel die überdurchschnittliche Geburtenrate am Land, den hohen relativen Wohlstand und die überdurchschnittliche Zufriedenheit der Dorfbewohner mit ihrer Wohnumgebung ins Treffen. Für den Humangeographen ist das Dorf ein „Erfolgsmodell für Anpack- und Problemlösungskultur, wenn man seine Bürger auch lässt“.

 

 

Auch die bekannten Probleme – wie Leerstand, Bevölkerungsrückgang und Verlust an Einrichtungen der Daseinsfürsorge – wurden angesprochen. Henkel nahm diesbezüglich die Landes- und Bundespolitik in die Verantwortung und forderte diese auf, den Gemeinden Spielraum zur kreativen Selbstverwaltung zu geben. Die Gemeindeführungen animierte er, dem modernen Leitbild vom Bürger als Partner zu folgen. Die im Anschluss an den Vortrag vorgestellten Osttiroler Beispiele zeigten sehr deutlich auf, was möglich ist, wenn man Bürger lässt bzw. wenn sich diese trauen. Marianne Holaus berichtete über ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement, als der Pfarrer ausfiel. Albert Pichler (Regionalenergie Osttirol) und Richard Schneider (Deferegger Machlkammer) gaben als Vertreter zweier erfolgreicher Osttiroler Initiativen Einblicke in die kritischen Erfolgsfaktoren für Initiativen und Projekte, die aus der Dorfgemeinschaft heraus gewachsen sind.

 

Text: Redaktion, Fotos: RMO

17. Mai 2018 um