Virgen: Information zum Thema Flüchtlinge
In Virgen fand am Montag, 21. September, ein Informationsabend zur Unterbringung von Asylwerbern statt. Wir sprachen mit Bgm. Dietmar Ruggenthaler über dieses Thema.
Ab Anfang Oktober sollen im ehemaligen Gasthaus Rabenstein in Virgen/Mellitz 20 AsylwerberInnen untergebracht werden. Am Montag, 21. September 2015, informierten BH Dr. Olga Reisner, Dr. Georg Mackner, Mag. Florian Stolz und Beatrix Lackner von der Tiroler Soziale Dienste GmbH., Bgm. Ing. Dietmar Ruggenthaler und der ehemalige Bgm. der Vorarlberger Gemeinde Zwischenwasser die Bevölkerung über die weitere Vorgangsweise bzw. sprachen über ihre Erfahrungen bei der Unterbringung von AsylwerberInnen. Wir sprachen mit Bgm. Dietmar Ruggenthaler über dieses Thema.
Herr Bürgermeister, wie haben Sie den Informationsabend gesehen?
Das Thema Flüchtlinge beherrscht derzeit die Medien. Wir in Virgen haben uns bereits im Vorjahr intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Der Gemeinderat hat sich dafür ausgesprochen, dass wir einen Beitrag leisten wollen. Wir haben das ehemalige Gendarmeriehaus, das leer steht, als Quartier angeboten. Das Land hat diese mögliche Unterkunft aber nicht weiter verfolgt. Auch das ehemalige Gasthaus Rabenstein ist bereits im Vorjahr als mögliches Asylwerberheim im Raum gestanden.
Wie stehen Sie als Bürgermeister zum Thema Flüchtlinge und Unterbringung von Asylwerbern?
Mir war es immer wichtig, mit Kollegen, die Erfahrungen mit dem Thema haben, Kontakt zu halten und mich auszutauschen. Deswegen habe ich auch den ehemaligen Bgm. der Vorarlberger Gemeinde Zwischenwasser, Josef Mathis, zum Informationsabend eingeladen. Die Gemeinde Zwischenwasser hat seit dem Krieg am Balkan in den 1990er-Jahren immer Flüchtlinge aufgenommen und viel Erfahrung mit dem Thema. Die Gemeinde hat etwa 3.100 Einwohner und laufend 25 bis 40 Flüchtlinge untergebracht. Wir haben aktuell 2.186 Einwohner. Man muss bei uns in Virgen berücksichtigen, dass es etwa 800 Pendler gibt. Wir stellen uns die Frage, wie viele Asylwerber bei uns verträglich sind, bei wie vielen ist die Integration in einem vernünftigen Maß möglich. Es stellt beispielsweise auch die Frage des Deutsch-Unterrichts. Und wie kann man die Leute beschäftigen? Wir greifen auch schon unserer Nachbargemeinde Prägraten bei diesem Thema unter die Arme. Dort untergebrachte Flüchtlinge sind bei uns in der Gemeinde gemeinnützig tätig – in der Grünraumbewirtschaftung zum Beispiel.
Sie haben sich vor kurzem ja auch ganz direkt einen Überblick über die Flüchtlingssituation verschafft, wo?
Ich war am letzten Wochenende am Salzburger Hauptbahnhof und habe mir dort ein Bild gemacht. Ich habe zahlreiche Flüchtlinge gesehen, vor allem sind mir viele Familien mit Kindern aufgefallen. Es gibt dort starke Präsenz von Polizei, Militär und Hilfsorganisationen. Die Situation ist mit Sicherheit keine leichte. Wichtig ist, die Bevölkerung frühzeitig und ausreichend zu informieren. Man muss auch die Bedenken ernst nehmen. Deshalb halte ich schon seit dem Vorjahr intensiv mit den zuständigen Stellen – mit der Bezirkshauptfrau, der Soziallandesrätin usw. – Kontakt.
Was hat die Menschen beim Informationsabend vor allem interessiert?
Es gab alle möglichen Fragen. Wie sieht es bei Straftaten aus? Was ist, wenn Asylwerber sterben? Wie können wir helfen? Sollen wir spenden? Was wird gebraucht? Wo können wir uns hinwenden, wenn wir Fragen haben?
Wie ist der weitere Fahrplan in Virgen zum Thema Unterbringung von AsylwerberInnen?
Voraussichtlich werden Anfang Oktober 20 Flüchtlinge im Objekt „Haus Rabenstein“ in Mellitz 17 untergebracht. Wir werden in der Gemeinde einen Stab aufbauen. Die Zuständigkeiten der Gemeinde und die Zusammenarbeit mit Privaten und Vereinen werden geklärt. Natürlich wird es laufend Abstimmungen mit der Sozialen Dienste GmbH. geben.
Interview: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images



