Überparteiliche Plattform für Erhalt der Wehrpflicht

Bei einem Pressegespräch in Lienz machten sich gestern Politiker und Vertreter von Lebenshilfe, Feuerwehr und Rotem Kreuz für die Beibehaltung der Wehrpflicht stark.

Für den Erhalt des Grundwehrdienstes, das bestehende Zivildienstwesen und den Katastrophenschutz traten am Dienstag, 8.1.2013, Mitglieder der überparteilichen Plattform „Einsatz für Österreich – Bezirk Lienz“ ein, darunter VP-Bezirksparteiobmann Bgm. Erwin Schiffmann aus Sillian, der Lienzer Vize-Bgm. Meinhard Pargger, der Virger Bürgermeister Ing. Dietmar Ruggenthaler, der Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes, Egon Kleinlercher, die Obfrau der Lebenshilfe Osttirol, Inge Hanser, Bezirksfeuerwehr-Inspektor Franz Brunner, der Bezirksobmann der Bergrettung, Peter Ladstätter, sowie der ehemalige Berufssoldat Oberst.a.D. Bernd Bürgel.

Der Lienzer Vize-Bgm. Pargger warnte vor einem möglichen Aus für die beiden Kasernen in der Bezirkshauptstadt, die der Region immerhin ein Wertschöpfungspotential von mehreren Mio. Euro und rd. 150 Arbeitsplätze sichern. Nicht nur aus diesem Grund sprach sich Pargger, ebenso wie Bgm. Erwin Schiffmann, deutlich gegen die Installierung eines Berufsheeres aus. Der parteiungebundene Bürgermeister aus Virgen, Dietmar Ruggenthaler, führte vor allem den Katastropheneinsatz des Bundesheeres ins Treffen. Er verwies auf die schnelle Verfügbarkeit von Soldaten bei der Murenkatastrophe im August 2012 in seiner Gemeinde, als Soldaten beim Ausräumen der Keller und Zivildiener bei den Notunterkünften Hilfe geleistet hätten. „Ein Berufsheer könnte dies niemals leisten“, so Ruggenthaler.


Bezirksfeuerwehr-Inspektor Franz Brunner (li. im Bild) sprach sich ebenso wie der Virger Bgm. Dietmar Ruggenthaler für den Erhalt des Zivildienstes aus.

Von Seiten der Feuerwehr gab Bezirksfeuerwehr-Inspektor Franz Brunner zu bedenken, dass die Mitglieder der Freiwilligen Ortsfeuerwehren zwar die Soforthilfe sichern, aber nicht für längere Einsätze zur Verfügung stehen könnten, weil sie wieder in ihre Brotberufe zurückkehren müssten. Deshalb sei für ihn der Einsatz des Bundesheeres ebenso unverzichtbar wie für den Bezirksobmann der Bergrettung, der die Bedeutung des einzigen Tiroler Lawineneinsatzzuges des Heeres, der in Lienz stationiert ist, z. B. bei Lawinenunglücken oder bei der Suche nach Vermissten hervorhob. Ladstätter: „Mit den Soldaten haben wir das nötige Gerät und die Helfer direkt vor Ort. Ich verstehe, dass Reformen notwendig sind, aber für die Bergrettung ist das Jägerbataillon 24 unverzichtbar.“

Vertreter des Roten Kreuzes und der Bergrettung Osttirol: Egon Kleinlercher (li. im Bild) und Peter Ladstätter

Den Wegfall des Zivildienstes machte Rot-Kreuz-Bezirksstellenleiter Egon Kleinlercher zum Thema. Er verwies darauf, dass die drohende Abschaffung des Zivildienstes nicht nur das Rote Kreuz, sondern die gesamte Gesellschaft treffe. Derzeit versehen, so Kleinlercher, beim Roten Kreuz rd. 30 Zivildiener ihren Dienst. Insgesamt sind derzeit in Osttirol 55 bis 60 Zivildiener im Einsatz. „Eine Änderung des Systems ist unverantwortlich, da nicht abzusehen ist, wieviele Freiwillige sich für ein Sozialjahr melden“, erklärte der Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes abschließend.

Text und Fotos: Journal/Sulzenbacher

09. Januar 2013 um