Soziallandesrätin Christine Baur besuchte Osttirol
Ein Bewusstsein für ein soziales Miteinander zu schaffen und damit den Frieden zu erhalten, sieht Soziallandesrätin Dr. Christine Baur als größte Aufgabe der Politik.
Seit der Regierungsbildung nach der Landtagswahl im heurigen Frühjahr ist Dr. Christine Baur (Die Grünen) in der Tiroler Landesregierung als Landesrätin unter anderem für die Bereiche Soziales, Integration, Jugendwohlfahrt und Frauenpolitik zuständig. Auf ihrer Tour durch die Tiroler Bezirke weilte sie von Landeck kommend am Donnerstag, 21. November 2013, in Osttirol. Sie besuchte die Bezirkshauptmannschaft, das SOS-Kinderdorf, das Flüchtlingsheim, das Frauenzentrum und die Kunstwerkstatt in der Lebenshilfe. „Das größte Anliegen ist mir – und muss es auch der gesamten Politik sein – ein Bewusstsein für ein soziales Miteinander zu schaffen, um den Frieden in unserem Land zu erhalten“, nannte Baur bei einem Pressegespräch in der BH Lienz ihren wichtigsten Grundsatz. In Osttirol habe sie eine große Kompetenz vorgefunden, wenn es darum geht, wie man miteinander und mit Menschen, die eine besondere Unterstützung brauchen, umgeht. Ich und wir Grünen wollen in unserer Gesellschafts- und Sozialpolitik besonders betonen, dass die Unterschiedlichkeiten in der Bevölkerung zu einem Mehrwert führen“, so die Landesrätin.
In der Behindertenbetreuung – z.B. bei den Lebenshilfe-Werkstätten – gehe es ihr vor allem darum, kleinere Einheiten und mehr integrative Einrichtungen für Menschen mit Einschränkungen zu schaffen, insgesamt müsste die Anzahl der Betreuungsplätze für Menschen mit Behinderung aber deutlich ansteigen. „In Reutte gibt es schon jetzt keine Sonderschulen mehr. Ich bin überzeugt, dass ein Ressourcentransfer von den Sonderschulen in Richtung Regelschulsystem für alle Betroffenen einen Mehrwert bringt. In Spanien hat beispielsweise ein Mann mit Down-Syndrom vor kurzem ein Universitäts-Studium abgeschlossen“, nannte Baur ein Beispiel für gelungene Integration.
In einer Gemeinde an der Grenze zwischen dem Lienzer Talboden und dem Oberland habe sie sich einen Platz angeschaut, den sich ein Grundeigentümer als Durchreiseplatz für Roma, Sinti und Jenische vorstellen könnte. „Wir wünschen uns in Tirol Menschen, die solche Plätze anbieten. Laut europäischer Romastrategie sind wir verpflichtet, Durchreiseplätze zu schaffen, wir arbeiten in dieser Angelegenheit sehr eng mit dem Bundeskanzleramt in Wien zusammen“, erklärte die Landesrätin. Osttirol befinde sich an einer Hauptroute der Roma. „Die Roma sind – nach Jahreszeiten unterschiedlich intensiv – vor allem auch deswegen unterwegs, weil sie Familienangehörige in ganz Europa besuchen. Einen Durchreiseplatz muss man sich wie einen Campingplatz vorstellen – mit Einrichtungen, wie Waschgelegenheiten und sanitären Anlagen. Die Menschen bezahlen dafür, wenn sie dort für eine kurze Zeit Halt machen“, klärte die Landesrätin auf. Die Gemeinde, in der sie sich das Grundstück für einen möglichen Durchreisplatz angeschaut hat, wollte sie zum derzeitigen Zeitpunkt nicht nennen.
Text und Foto: Raimund Mühlburger