Ein gemeinsames Ressourcenzentrum für den Lienzer Talboden

Der Planungsverband 36 (PV36) beabsichtigt, einen großen Schritt in Richtung zukunftsfähiges Ressourcenmanagement zu setzen. Darüber wurde die Öffentlichkeit am 23.7. im Rahmen eines Pressegespräches informiert.

Mit dem „Ressourcenzentrum Lienzer Talboden“ soll eine moderne, zentral gelegene Einrichtung entstehen, die Sammel-, Sortier- und Entsorgungsprozesse für unterschiedlichste Abfallfraktionen bündelt. Im Jahr 2020 wurde im Zuge einer Klausur des Planungsverbandes 36 (PV36) der Beschluss gefasst, das Vorhaben eines gemeinsamen Ressourcenzentrums für den Lienzer Talboden in Angriff zu nehmen. Es folgten eine Konzeptplanung sowie eine erste Kostenschätzung. Auf dieser Grundlage stellte der Abfallwirtschaftsverband Osttirol (AWVO) ein Förderansuchen um Bedarfszuweisungsmittel an das Land Tirol. In einem Gespräch mit Landeshauptmann Anton Mattle sicherte dieser im Vorjahr seine Unterstützung zu, sofern sich die 15 Gemeinden des PV36 auf die Umsetzung des zentralen Ressourcenzentrums einigen sollten.

 

 

Präsentation des Vorhabens

Bevor das Projekt nun im Rahmen eines Pressetermins des Planungsverbandes 36 am 23. Juli 2025 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, stand das geplante Ressourcenzentrum als Tagesordnungspunkt „Bauvorhaben Interkommunales Ressourcenzentrum“ auch auf dem Programm der Sitzung des Lienzer Gemeinderates vom 22. Juli 2025 und wurde hier ausführlich diskutiert.

 

Blick auf die Kompostieranlage der Stadtgemeinde Lienz. Foto: © Stadt Lienz

 

Das neue Ressourcenzentrum soll mit geschätzten Baukosten von rund 6 Millionen Euro auf dem Gelände der Kompostieranlage der Stadtgemeinde Lienz im Stadtteil Peggetz in unmittelbarer Nähe zum Fernwärmeheizwerk entstehen. Als Baubeginn wurde der heurige Herbst bzw. das Frühjahr 2026 und für die Inbetriebnahme der Herbst 2026 angedacht.

 

 

Das geplante Konzept

Wie PV36-Obmann BR Bgm. Markus Stotter/Oberlienz, die Lienzer Bürgermeisterin LA Elisabeth Blanik, AWVO-Obmann Bgm. Georg Rainer, Stadtmarketing-Leiter Oskar Januschke und AWVO-Geschäftsführer Bernhard Schneider am 23. Juli informierten, soll das Ressourcenzentrum nach Fertigstellung und Probebetrieb an sechs Tagen pro Woche geöffnet und auf die Bedürfnisse der Bevölkerung ausgerichtet sein. „15 Gemeinden und damit rund 28.000 Menschen werden hier ihre Wertstoffe unter einem Dach entsorgen können“, so Georg Rainer. Entsprechend den Planungsunterlagen wird die neue interkommunale Einrichtung einen kontrollierten Zugang aufweisen und mit dem Auto befahrbar sein. Geplant ist die Sammlung von 52 unterschiedlichen Abfallfraktionen, darunter Sperrmüll, Problemstoffe, Altholz, Verpackungen und vieles mehr. Ziel ist es, die noch hohe Fehlwurfquote im Restmüll deutlich zu reduzieren und damit die Recyclingquote in der Region nachhaltig zu steigern. Die Verwaltung des neuen Ressourcenzentrums wird die Stadtgemeinde Lienz übernehmen. Vor Ort werden geschulte Mitarbeiter:innen bereitstehen, um die Bevölkerung beim fachgerechten Trennen der Abfälle zu unterstützen. Für die einheitliche Vermarktung der gesammelten Wertstoffe soll der Abfallwirtschaftsverband Osttirol (AWVO) verantwortlich zeichnen.

 

So soll das neue Ressourcenzentrum aussehen. Visualisierungen: AWVO

 

Digitales Zutritts- und Abrechnungssystem

Ein zentrales Element des geplanten Projektes ist das digitale Zutritts- und Abrechnungssystem, das über eine App oder Chipkarte genutzt werden kann. Dieses System wird so entwickelt, dass es sowohl im Ressourcenzentrum als auch in den Abfallsammelzentren (ASZ) der Heimatgemeinden eingesetzt werden kann. Für die Bürger:innen bedeutet dies, dass Verpackungen, die regelmäßig im Alltag (wie Papier, Karton, Leicht- und Metallverpackungen, Glas und voraussichtlich auch Grün- und Strauchschnitt) anfallen, weiterhin bequem in der jeweiligen Heimatgemeinde entsorgt werden können. Gleichzeitig können alle anderen Abfallfraktionen im Ressourcenzentrum Lienzer Talboden abgegeben werden. Diese Entsorgungswege lassen sich ideal mit alltäglichen Wegen kombinieren, was zu einer Verringerung der Emissionen beitragen und die Abfallwirtschaft in der Region noch umweltfreundlicher und effizienter machen soll. Neu ist, dass die Abgabe von Sperrmüll, Altholz, alten Reifen oder Bauschutt künftig kostenpflichtig ist (39 Cent pro kg Sperrmüll), wobei – nach dem Verursacherprinzip – folgendes gelten soll: „Je mehr jemand wegwirft, desto mehr zahlt man!“ Zurzeit trage, wie die Lienzer Bürgermeisterin betonte, die Allgemeinheit die Müllgebühr-Kosten für alles, egal, ob Einzelpersonen sehr viel oder sehr wenig entsorgen. „Dies zu ändern, ist fair und richtig“, so Elisabeth Blanik.

Zielsetzung

Mit dem neuen Ressourcenzentrum Lienzer Talboden wollen die Gemeinden des PV36 (Ainet, Amlach, Assling, Dölsach, Gaimberg, Iselsberg-Stronach, Lienz, Leisach, Lavant, Nußdorf-Debant, Nikolsdorf, Oberlienz, Schlaiten, Thurn, Tristach) ein klares Zeichen für eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Zukunft in Osttirol setzen. Durch die organisierte, kontrollierte Entsorgung sollen sich zudem die von der EU geforderten Recyclingquoten künftig in allen Bereichen besser erfüllen lassen.

 

Text: Redaktion, Visualisierungen und Fotos: © Abfallwirtschaftsverband Osttirol, Osttirol heute, Stadt Lienz

24. Juli 2025 um