Breitband, Energie und Mobilität im Fokus
Die Obmänner der drei Osttiroler Planungsverbände gaben bei einem Gespräch Auskunft über die Schwerpunkte in der nächsten Förderperiode 2014 bis 2020.
170 Projekte mit einer Förderquote von 61% wurden in der auslaufenden Förderperiode 2007 bis 2013 über das Regionsmanagement Osttirol (RMO) umgesetzt. Die Obleute der drei Osttiroler Planungsverbände – Bgm. BR Dr. Andreas Köll (PV 34), Bgm. Erwin Schiffmann (PV 35) und Bgm. Josef Mair (PV 36) – sowie RMO-Geschäftsführer DI Michael Hohenwarter berichteten bei einem Pressegespräch am Mittwoch, 19. März 2014, über die auslaufende und über Schwerpunkte in der nächsten Förderperiode. „Eine wesentliche Rolle kommt den Gemeinden zu. Sie schaffen die Infrastruktur und setzen die Projekte um“, erklärte RMO-Obmann Erwin Schiffmann. Die Planungsverbände würden die Projekte und Schwerpunkte bündeln und gemeinsam mit dem RMO die LEADER-Bewerbung, die im heurigen Jahr ansteht, einreichen. Auch Themen des Leitbildprozesses „Vordenken für Osttirol“ sollten laut Schiffmann eingearbeitet werden, so sie für die Region von Bedeutung seien.
RMO-Obmann Erwin Schiffmann: „Neben dem öffentlichen Bereich begleitet das RMO auch Firmen bei der Umsetzung von Projekten und hilft bei der Einreichung von Förderanträgen.“
Über den Schwerpunkt „Vernetzung mit Breitband“ berichtete der Dölsacher Bürgermeister Josef Mair, der Obmann des Planungsverbandes Lienzer Talboden ist. „Der Ausbau des Breitband-Netzes muss vorangetrieben werden. Nicht nur der Nutzen für Betriebe und private Haushalte ist zu berücksichtigen, sondern auch jener für die Gemeinden – etwa für Wasserversorgungseinrichtungen“, so Mair. Im Lienzer Talboden würde derzeit erhoben werden, welche Leitungen schon vorhanden sind. „Wir können über weite Strecken das vorhandene TIWAG-Netz mitverwenden“, so Mair. In einem ersten Schritt würde diese großräumige Erschließung realisiert, die das Land finanziert, die Erschließung innerhalb der Gemeinden sei der zweite Schritt. „Ziel muss es sein, dass irgendwann jedes Haus mit Fasernetz angeschlossen ist. Ich glaube, dass wir in rund zehn Jahren ein vernünftiges Breitband-Netz in Osttirol aufbauen können“, schätzt der Dölsacher Bürgermeister.
Bgm. Josef Mair: „Wichtig ist die Breitbandversorgung vor allem auch im Hinblick auf Osttirol als Wirtschaftsstandort. Durch die Möglichkeit der Mitnutzung der TIWAG-Leitungen sparen sich die Gemeinden Kosten.“
Der Ressourcenreichtum Osttirols – was erneuerbare Energie betrifft – müsse laut Bgm. BR Dr. Andreas Köll auf Basis der österreichischen Energiestrategie und im Hinblick auf den in Tirol gelebten sparsamen Umgang mit Energie genutzt werden. Der Ausbau der Wasserkraft sei zwar mit Konfliktpotenzial behaftet, das geplante Ausleitungskraftwerk am Tauernbach und die Installation einer zweiten Turbine an der Schwarzach gingen aber mit dem Kriterienkatalog konform.
In Bezug auf Natura 2000 nehme der Planungsverband seine gesetzliche Verantwortung in der Raumplanung wahr und hätte eine Studie beim Umweltbüro Klagenfurt in Auftrag gegeben. Über diese Studie wolle man Aufschluss über die Vorkommen der Deutschen Tamariske erhalten sowie einen parzellenscharfen Zonierungsvorschlag für Natura 2000 und ein Gewerbegebietsscreening ausarbeiten. „Eventuelle negative Auswirkungen von Natura 2000 könnten nicht nur das Gewerbe, sondern auch die Landwirtschaft betreffen, weil neben dem öffentlichen Wassergut Isel und Tauernbach auch private Grundstücke berührt werden“, so der Matreier Bürgermeister. Er halte es durchaus für möglich, dass selbst bei Nominierung der Isel bzw. des Tauernbaches als Natura 2000-Gebiete Wasserkraftwerke mit unterirdischen Anlagen errichtet werden könnten. Mit Bürgermeistern aus Oberkärnten würde man sich über deren Erfahrungen mit der Oberen Drau als Natura 2000-Gebiet austauschen. Die Studie sollte laut Köll im kommenden Mai oder Juni fertig sein und dann präsentiert werden.
Als eine der größten Herausforderungen im ländlichen Raum bezeichnete Bgm. Erwin Schiffmann die Mobilität. Der Planungsverband 35 hätte mit dem Mobilitätsprojekt grenzüberschreitend mit Südtirol eine Bestandsaufnahme aller Fahrpläne und Linien gemacht. „Neben dem Direktbus zwischen Lienz und Innsbruck wird es ab heurigem Dezember sieben tägliche Bahnverbindungen zwischen Lienz und Franzensfeste geben, der dortige Bahnhof wird ab August 2015 barrierefrei sein, und die Bahnverbindung zwischen Lienz und Spittal bleibt unverändert“, so Schiffmann. Eine Herausforderung sei, wie man die Fahrgäste mit geeigneten Verbindungen von den Bahnhöfen in die Talorte bringe. „Die Anbindungen können sicher noch verbessert werden, und es gibt sicher auch noch Doppelgleisigkeiten. Bei der Planung von kommunalen Mobilitätsprojekten – es gibt etwa im Defereggental und in Virgen schon gute Lösungen – können wir vom Planungsverband 35 mit unseren Erkenntnissen aus dem Projekt gerne behilflich sein“, so der Sillianer Bürgermeister abschließend.
Text und Fotos: Raimund Mühlburger