Natura 2000: Scharfe Kritik aus St. Jakob i.Def.
Der Gemeinderat von St. Jakob mit Bgm. NR Mag. Gerald Hauser wehrt sich einmal mehr gegen die Ausweisung zusätzlicher Flächen als Natura 2000-Gebiet in der Gemeinde.
66,1% der Gemeindefläche von St. Jakob i.Def. sind durch den Nationalpark als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen, laut Verordnungsentwurf des Landes vom 12. März diesen Jahres sollen weitere 8% der Gemeindefläche nominiert werden. Die Begutachtungsfrist läuft noch bis 7. Mai 2015 – in dieser Zeit können Stellungnahmen abgegeben werden. „In drei Beschlüssen spricht sich unser Gemeinderat gegen weitere Gebietsausweisungen in St. Jakob aus. Ich finde es geradezu dilettantisch von der Landesregierung, dass im Patschertal beispielsweise Teile der Straße und in Mariahilf die Loipe im Verordnungsentwurf als Natura 2000-Gebiet vorgeschlagen werden“, so der St. Jakober Bürgermeister Gerald Hauser.
Er und der Gemeinderat der Defregger Talschlussgemeinde würden die Vorgehensweise aufs Schärfste kritisieren und die Verordnung auch juristisch beeinspruchen. „Es hat keine Gespräche gegeben, es wird über die Bevölkerung drübergefahren, und der Ausweisungsvorschlag ist wissenschaftlich nicht fundiert. Am Kalserbach werden beispielsweise große Flächen ausgespart, obwohl sich dort rund 45% aller Osttiroler Tamariskenbestände befinden“, erklärt dazu der freiheitliche Nationalratsabgeordnete. Die Landesregierung hätte es auch verabsäumt, beim biographischen Bewertungsseminar in Wien am 17. und 18. März 2015 die Nachnominierungsvorschläge für Natura 2000-Gebiete in Tirol von einer Expertenrunde rechtzeitig prüfen zu lassen.
„Den gesamten Ausweisungsprozess bezeichne ich als politisch höchst unprofessionell. Es wurden Gespräche versprochen. Diese haben aber nie stattgefunden. Sogar ÖVP-Mandatare im St. Jakober Gemeinderat haben sich über diese Vorgehensweise erbost gezeigt“, so Hauser. Über den FPÖ-Landtagsclub hätte er sowohl Landes- als auch Bundespolitiker mit Fragen eingedeckt. „Passiert ist aber nichts. Am 2. Oktober 2014 hat der Tiroler Landtag mittels Entschließung beschlossen, eine Arbeitsgruppe zur Erarbeitung eines nachhaltigen Regionalentwicklungsprogramms einzurichten. Dass es die Landesregierung nicht geschafft hat, in sieben Monaten eine Arbeitsgruppe einzurichten, sagt eigentlich viel darüber aus, wie mit Osttirol und seiner Bevölkerung umgegangen wird“, so Gerald Hauser abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Foto: Osttirol heute/Mühlburger
