Natura 2000: Bürgermeister fordern endlich Unterlagen

Von einem Informationsdefizit seitens des Landes sprechen die Bürgermeister der Iseltaler Gemeinden in Sachen Natura 2000 – man fordert endlich Pläne und Unterlagen.

Zu einer Pressekonferenz lud das Proponentenkomitee des Vereins „Naturpark Isel“ am Mittwoch, 14. August 2014, in das Sitzungszimmer des Planungsverbandes 34 im Matreier Ortsteil Kienburg. Das Proponentenkomitee besteht aus den Bürgermeistern von Matrei i.O., Ainet, St. Jakob i.D., Virgen, Prägraten a.Gr., Schlaiten und St. Johann im Walde. Bei der Pressekonferenz anwesend war auch der Oberlienzer Bürgermeister Martin Huber. Von einem „indiskutablen Qualitätsstandard“, was die bisherige Diskussion um die Ausweisung von Natura 2000-Gebieten in Osttirol betrifft, sprach Matreis Bgm. BR Dr. Andreas Köll. „Bis heute hat das Land Tirol uns Bürgermeistern und dem Planungsverband nicht einmal eine Flächenkarte zur Verfügung gestellt, die geeignet ist, um über die Ausweisung von Natura 2000-Gebieten zu diskutieren. Beim Runden Tisch in Kals wurde eine Karte an die Wand geworfen, die keineswegs den Qualitätsstandards entspricht. Eine genaue Karte und klare Unterlagen, die Aufschluss darüber geben, was das Land ausweisen will, liegen uns bis heute nicht vor“, bemängelte Köll.

Matreis Bgm. BR Dr. Andreas Köll: „Als Obmann des Planungsverbandes 34 lehne ich Gespräche des Landes mit einzelnen Bürgermeistern ab. Wir lassen uns hier in der Region sicher nicht auseinanderdividieren."

v.l.n.r.: Bgm. Ludwig Pedarnig (Schlaiten), Bgm. Franz Gollner (St. Johann im Walde),  Bgm. BR Dr. Andreas Köll (Matrei in Osttirol)

Seit über 20 Jahren würden sich die Gemeinden mit Natura 2000 beschäftigen, weil das gesamte Nationalparkgebiet in Osttirol als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen sei. Auch ein wissenschaftliches Gutachten über das Vorkommen der Deutschen Tamariske (FFH-Lebensraumtyp 3230) habe der Planungsverband erstellen lassen. „Unser Ausweisungsvorschlag sieht vor, dass jene Gebiete an die EU gemeldet werden, die erforderlich sind. Wenn laut unserem Vorschlag gemeldet wird, ist das mehr als ausreichend, dass die Meldepflicht, was den FFH-Lebensraumtyp 3230 betrifft, österreichweit erfüllt ist“, erklärte der Matreier Bürgermeister.

Gleichzeitig fordere der Planungsverband und die Bürgermeister eine ähnliche Vorgangsweise wie im Tiroler Lechtal – mit der schonenden Umsetzung über einen Naturpark unter Einbeziehung touristischer Kriterien, einem Entwicklungsprogramm und einem Modell für die Tourismusregion. Der St. Jakober Bürgermeister NR Mag. Gerald Hauser ortet ein „Koordinationsdefizit in der Landesregierung“. „Parteipolitik spielt in dieser Diskussion keine Rolle. Wir Bürgermeister vertreten die Interessen der Bevölkerung. Wir haben die Gründung eines Naturparks nach dem Vorbild des Tiroler Lechtales im Gemeinderat einstimmig beschlossen“, so Hauser.

Die Anzeige über die Errichtung des Vereins „Naturparks Isel" wurden am 8. August 2014 bei der BH Lienz eingebracht. Die Bürgermeister erwarten sich eine Nichtuntersagung durch die Vereinsbehörde.

Die Anzeige über die Errichtung des Vereins „Naturpark Isel“ wurden am 8. August 2014 bei der BH Lienz eingebracht. Die Bürgermeister erwarten sich eine Nichtuntersagung durch die Vereinsbehörde. Im Bild: Die Umballfälle

Von „Informationsdefiziten“ sprach auch der Aineter Bürgermeister Mag. Karl Poppeller. „Die NGOs werden umfassend unterrichtet, uns Bürgermeistern werden Informationen aber nur gefiltert weiter gegeben“, so Poppeller. Harte Verbauungen an der Isel und an den Seitenbächen in den Tälern müssten weiterhin möglich sein. „Wie der Felssturz am Felbertauern gezeigt hat, müssen wir auf mögliche Katastrophenereignisse – zum Beispiel Hochwasser – rasch reagieren. Es kann nicht sein, dass wir bei derartigen Ereignissen wochen-, womöglich monatelange Verfahren am Hals haben“, so Poppeller. Der Aineter Bürgermeister forderte wie sein Matreier Amtskollege ein Entwicklungsprogramm: „Wenn wir schon Einschränkungen und Hindernisse in Kauf nehmen müssen, sollten diese auch abgegolten werden. Die Wirtschaft und der Tourismus müssen sich weiter entwickeln können, damit wir die Abwanderung stoppen.“

Der so genannte „Umgebungsschutz“ bereitet dem St. Johanner Bürgermeister Franz Gollner Sorgen. „Wir haben sowohl von der Fläche als auch von den Einnahmen her in unserer Gemeinde nur sehr wenig Möglichkeiten, uns zu entwickeln. Weitere Einschränkungen wären fatal für St. Johann. Wenn Natura 2000 in unserer Gemeinde kommt, sollten wenigstens Förderungsmittel – ähnlich wie im Lechtal – fließen“, so Gollner. Ing. Dietmar Ruggenthaler, Bürgermeister der Gemeinde Virgen, betonte, dass der Planungsverband 34 das Thema Natura 2000 sehr ernst nehme. „Wir haben mit unseren Gutachten Wissen für die weitere Diskussion geschaffen. Wenn unser Ausweisungsvorschlag umgesetzt wird, ist die Deutsche Tamariske in Österreich weit über die Forderung der EU-Kommission hinaus geschützt“, so der Virger Bürgermeister.

Der Planungsverband 34 hat uns folgende Unterlagen zur Verfügung gestellt:

Plan Tamariskenvorkommen Umweltbüro Klagenfurt

Gutachten der Tiroler Landesregierung zum Bedarf der Ausweisung der Isel als Natura 2000-Gebiet aus 2006

Schreiben an die koalitionäre Arbeitsgruppe Natura 2000

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

 

14. August 2014 um