Lienzer Gemeinderat stimmt gegen Nightliner im Talboden

Bei der Sitzung des Lienzer Gemeinderates am Dienstag, 23. Oktober 2012, stimmten ÖVP und FPÖ gegen den Antrag der SPÖ zur Einführung eines Nachtbusses im Talboden.

Die Idee für ein Nachtbussystem im Lienzer Talboden stammt von der SPÖ-Gemeinderätin Christina Gruber. Bürgermeisterin DI Elisabeth Blanik (SPÖ) hatte mit allen BürgermeisterInnen des Lienzer Talbodens Kontakt aufgenommen und über eine mögliche Beteiligung an einem Nightliner mit ihnen gesprochen. „Das war äußerst mühsam. Einige Gemeinden haben zwar Interesse bekundet und können sich auch eine Kostenbeteiligung vorstellen, außer von den Bürgermeistern der Gemeinden Nußdorf-Debant und Dölsach konnte ich jedoch keine definitive Zustimmung erhalten“, berichtete die Bürgermeisterin. Sie legte eine Kostenvoranschlag für einen Nachtbus vor, der an 52 Wochen im Jahr in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Stundentakt auf der Strecke Lienz – Nußdorf-Debant – Dölsach und umgekehrt unterwegs ist. Pro Einsatztag würde ein derartiges System 295 Euro kosten, für 52 Wochen also 15.340 Euro.

„Ich bin einigermaßen verwundert, dass das Interesse der anderen Gemeinden nicht größer ist. Es ist zu befürchten, dass – ähnlich wie beim Schwimmbad – der Löwenanteil der Kosten bei der Stadt Lienz hängen bleibt“, führte GR ÖR Josef Blasisker (FPÖ) ins Treffen. Auch Vize-Bgm. Meinhard Pargger (ÖVP) schlug in die gleiche Kerbe. „Der Antrag der SPÖ ist unausgegoren, deswegen hält sich wahrscheinlich auch das Interesse der Umlandgemeinden in Grenzen. Wir sollten die individuelle Lösung mit einem Nachttaxi – ähnlich wie in Tristach – andenken“, so Pargger. „Ich bin auch der Meinung, dass wir letztendlich mit Taxigutscheinen unter Kostenbeteiligung der Stadt besser fahren“, schlug Blasisker vor. „Mir ist die Sicherheit der Jugendlichen ein großes Anliegen. Unter Alkoholeinfluss und bei Müdigkeit passieren Unfälle. Ich bin für den Nightliner und gebe zu bedenken, dass Taxis zu später Stunde Mangelware sind“, so GR Christina Gruber in ihrer Wortmeldung. „Ich glaube, dass sich die Taxiunternehmen wie alle Firmen auf mehr Geschäft einstellen, wenn es Interesse von Kunden gibt“, meinte GR Blasisker.

GR Mag. (FH) Susanna Tasch (ÖVP) plädierte für mehr Erziehung Richtung eigenverantwortliches Handeln der Jugendlichen: „Diese Versorgungspolitik unter anderem mit einem Nachtbus führt dazu, dass den jungen Leuten alle Entscheidungen abgenommen werden.“ SPÖ-GR Andreas Hofer betonte, dass es sich nicht um einen Discobus, sondern um einen Nachtbus handelt. „Die Jugendlichen sollen mit dem Bus in die Stadt und weiter in die Umlandgemeinden fahren, wenn dort Veranstaltungen geboten werden, und anschließend wieder sicher nach Hause kommen. Geld darf dabei keine Rolle spielen, und Sicherheit muss auch der ÖVP etwas wert sein. Christina Gruber hat sich ein Jahr lang eingehend mit einem Nachtbussystem beschäftigt, wir sollten endlich eine Entscheidung treffen“, so Hofer. Schließlich präzisierte GR Gruber noch einmal den SPÖ-Antrag: „Einführung eines Nightliners an 52 Wochen im Jahr jeweils in der Nacht von Samstag auf Sonntag, der von 22.00 bis 3.45 Uhr im Stundentakt zwischen Lienz, Nußdorf-Debant und Dölsach in beiden Richtungen verkehrt. Kostenübernahme durch die Stadt Lienz maximal 15.000 Euro.“ Die 7 SPÖ-Gemeinderäte stimmten für den Antrag, die 11 ÖVP-Mandatare und Josef Blasisker von der FPÖ dagegen, Uwe Ladstädter und Mag. Johannes Schwarzer von der LSL enthielten sich der Stimme. Somit wurde der Antrag abgelehnt und es wird im Lienzer Talboden kein Nachtbussystem eingeführt.

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Clipart

24. Oktober 2012 um