Erneut Debatte um Hochstein im Lienzer Gemeinderat

Bgm. Elisabeth Blanik berichtete über ein Gespräch mit dem Tourismusverband, Wirtschafts- und Standortausschuss brachte Antrag zum Bürgerbeteiligungsprozess ein.

„Zukunft der Lienzer Bergbahnen AG – Bericht über das Gespräch zwischen den Vertretern der Stadtgemeinde Lienz und den Organen des Tourismusverbandes Osttirol“ stand als Punkt 1 auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung vom Dienstag, 21. Februar 2017. Bgm. LA DI Elisabeth Blanik berichtete über die wichtigsten Ergebnisse dieses Gespräches mit den TVBO-Vorständen Franz Theurl und Bgm. BR Dr. Andreas Köll sowie AR-Vorsitzendem Werner Frömel.

„Der Tourismusverband steht in dieser Sache unter Zeitdruck, weil bis März die Bilanz stehen muss und die Funktionäre die drohende außerordentliche Abschreibung des Osttirodlers abwenden möchten. Die in Auftrag gegebene Studie werde ergeben, dass die Teilung in zwei Gesellschaften vernünftig wäre, sagen sie. Die wissen anscheinend schon, was bei der Studie herauskommt“, wunderte sich Blanik. Ein Ausbau des Hochsteins stehe nicht zur Diskussion, da sei man sich einig. Das wäre ohne Investoren auch schwer möglich. Dafür wolle der Tourismusverband den Hochstein als „Veranstaltungsberg“ attraktivieren – etwa mit einem Bike-Park. „Der TVB erwartet sich dadurch Mehreinnahmen in größerem Ausmaß. Auch ein Zuschuss des Verbandes in Höhe von 150.000 bis 180.000 Euro jährlich – wie ihn auch alle anderen Osttiroler Skigebiete erhalten – sei vorstellbar“, berichtete die Bürgermeisterin. Nach diesem Bericht kam es zu mehreren Wortmeldungen von Mandataren.

Vize-Bgm. Kurt Steiner (ÖVP): „Ich bin froh, dass der TVB bereit ist, mitzuarbeiten und mit der Stadt zusammenzuarbeiten. Wir sind voll gefordert, das Minus bei den Bergbahnen abzubauen.“

DI Alexander Kröll (ÖVP): „Wir haben uns – was den Hochstein betrifft – noch in keiner Weise festgelegt. Es ist noch jede Variante möglich. Wir wollen aber alles tun, um den Betrieb am Hochstein zu erhalten.“

Josef Blasisker (FPÖ): „Dieses Gespräch war einmal ein erstes Abtasten. Es ist alles im Fluss. Wichtig ist, dass wir von der Stadt uns nicht die ganze Verantwortung für die Lienzer Bergbahnen zuschieben lassen.“

Uwe Ladstätter (LSL): „Jeder ist dafür, und keiner hat eine Lösung. So kommt mir das vor. Es braucht konkrete Vorschläge, wie das in Zukunft alles finanziert werden soll. Derzeit gibt es nur vage Zusagen – etwa von der Osttirol Invest.“

Vize-Bgm. Siegfried Schatz (SPÖ): „Es bringt nichts zu sagen, probieren wir es halt mit einem Investor. Wir suchen schon jahrelang nach einem Investor, und ich glaube, dass wir keinen finden. Ich bitte die Mandatare, keine falschen Hoffnungen zu wecken. Der Tourismusverband sagt ja auch, dass ein Ausbau des Hochsteins ohne Investor undenkbar ist.“

Dr. Christian Steininger (ÖVP): „Ich glaube, dass mit einem guten Bürgerbeteiligungsprozess eine passende Lösung herauskommt. Die weitere Entwicklung des Hochsteins lässt kaum jemanden in der Stadt kalt. Wir sollten dem kollektiven Herzblut der Lienzerinnen und Lienzer vertrauen.“

SR Wilhelm Lackner (SPÖ): „Ich glaube, dass aufgrund des Klimawandels eine Beschneiung am Hochstein in Zukunft nicht mehr leistbar ist. Wir sollten uns am Hochstein auf den Sommerbetrieb konzentrieren.“

Im Anschluss an die anderen Tagesordnungspunkte trug Dr. Christian Steininger als Obmann des Ausschusses für Wirtschaft und Standortentwicklung den Antrag betreffend Bürgerbeteiligungsprozess vor. „Wir schlagen ein zweistufiges Verfahren vor. Im ersten Teil sollen die beteiligten Wirtschaftstreibenden und Gastronomiebetriebe ihre Vorstellungen, Ideen und Investitionsvorhaben vorlegen. Einen Zwischenbericht soll es bis Juli 2017 geben. Der zweite Teil des Verfahrens soll ein offener Bürgerbeteiligungsprozess mit einer Auftaktveranstaltung sein. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus 15 bis 20 Personen sollte den Prozess operativ durchführen. Die Steuerung erfolgt über die Abteilung Standortentwicklung, Wirtschaft und Marketing. Ein Rahmenbetrag von 25.000 Euro soll für den Prozess im Haushalt 2017 vorgesehen werden“, erläuterte Steininger die wichtigsten Details. Die Firma Revital Naturraumplanung soll in den Prozess eingebunden werden.

„Die Abteilung mit Oskar Januschke, Iris Rampitsch und Maria Rojko hat mit Breitbandausbau, Hauptplatzentwicklung usw. sehr viel zu tun. Deswegen brauchen wir für die Abwicklung des Bürgerbeteiligungsprozesses personelle Ressourcen von außen“, gab Bgm. Elisabeth Blanik zu bedenken.

Der Antrag und damit die vorgeschlagene Vorgangsweise zum Bürgerbeteiligungsprozess wurde schließlich einstimmig angenommen.

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Lienzer Bergbahnen