Leisach: Bürgerbeteiligung und neuer Dorfkern
Die Ergebnisse des Bürgerbeteiligungs-Prozesses „Lokale Agenda 21“ und das Projekt der neuen Dorfkerngestaltung wurden Donnerstagabend der Bevölkerung vorgestellt.
Von einem „steinigen und schweren Weg“ sprach der Leisacher Vize-Bgm. Ing. Bernhard Zanon am Donnerstag, 18. Juni 2015, im Saal der Volksschule. Bgm. Dietmar Zant hatte sich für die Präsentation der Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsprozesses „Lokale Agenda 21″ und des Projektes „Dorfkerngestaltung“ entschuldigt, weil er sich derzeit auf einem Segeltörn befindet. Mit viel Augenmaß sei laut Zanon der Prozess entwickelt, 2012 sogar ein Mediator in Anspruch genommen worden. „Das Projekt Hanserhof mit der neuen Dorfkerngestaltung ist aus der Agenda heraus entstanden. Am Ende standen alle Beteiligten und Gemeinderäte hinter dem Weg, und man kann sicherlich von einem Meilenstein sprechen“, so der Vizebürgermeister.
Das Modell des neuen Dorfzentrums mit der Kirche als dominierendem Gebäude im Hintergrund wurde der Leisacher Bevölkerung erstmals präsentiert.
Vor rund vier Jahren wurde mit dem Agenda-Prozess begonnen, im heurigen März nahm LR Mag. Johannes Tratter die Auszeichnung durch das Land Tirol vor, nun erfolgte die vorgeschriebene öffentliche Präsentation. „Die LeisacherInnen wurden eingeladen, ihre Gedanken und Ideen öffentlich zu machen. Das ist eher untypisch für eine Gemeinde. Man hat sich mit dem Dorfkern, aber auch mit vielen anderen Themen beschäftigt. An der Befragung am Beginn haben sich rund 30% aller Haushalte beteiligt“, berichtete Prozessbegleiterin Mag. Marion Amort. In Bürgerdialogen sei dann in großen Runden über Grundsätze diskutiert worden. „Leisach soll eine Großfamilie bleiben, die Dorfkerngestaltung, ein Zurück zum Ursprung, ein Bauernladen oder Gesundheitsthemen waren die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Prozess“, so Amort.
Mag. Marion Amort: „In Sachen Themenweg gab es noch keine zündende Idee für ein durchgehendes Thema. Ein Gedanke ist, große Bilderrahmen aufzustellen, durch die man auf markante und schöne Plätze im Dorf blicken kann.“
In der Zeit von Juni 2013 bis Juni 2014 folgte die intensive Arbeitsphase. Rund 30 LeisacherInnen arbeiteten Vorschläge und Projekte aus. Ein Infofenster im Gemeindeamt ist schon umgesetzt, in so genannten „Gucklöchern“ werden in der Gemeindezeitung durch das Zufallsprinzip ausgewählte BewohnerInnen vorgestellt. Die Überarbeitung der Homepage inklusive Folder, ein Themenweg, ein Spontanchor, die Gemeindechronik, regionale Lebensmittel, die Verkehrssituation im Dorf, die Hausnummerierung, Wohnungen, Breitbandinternet sowie Gemeinschaftsgärten waren weitere Themenbereiche. „Der Bürgerbeteiligungsprozess hat erst angefangen. Nun gilt es, konkrete Projekte umzusetzen. Ich hoffe, dass wir durch die Agenda aufzeigen konnten, dass es sich lohnt, Themen gemeinsam anzuschauen und darüber zu diskutieren“, meinte Marion Amort.
Vize-Bgm. Bernhard Zanon: „Im neuen Dorfzentrum soll nicht nur verwaltet werden, es soll mit den Räumlichkeiten für Musikkapelle und Chor sowie mit dem Veranstaltungssaal vor allem auch ein Treffpunkt werden.“
Das Thema Dorfkerngestaltung unter Einbeziehung des Hanserhofes wurde separat durch einen so genannten Bürgerrat behandelt. „Die Entscheidung muss aber letztendlich der Gemeinderat treffen. Zwei Architekturbüros wurden eingeladen, ein Konzept zu erarbeiten. Entschieden haben wir uns für das Büro Schneider & Lengauer. Mit dem Denkmalamt wurde abgeklärt, in welcher Weise der Hanserhof ganz oder teilweise erhalten werden kann. Schlussendlich kam es aber zur Entscheidung, den Hanserhof abzutragen“, berichtete Zanon. Dass das Widum sehr sanierungsbedürftig ist, wurde ebenfalls berücksichtigt, und so beteiligt sich jetzt auch die Pfarre an dem neuen Projekt. „Im neuen Dorfzentrum wird die Gemeindeverwaltung und die Pfarre untergebracht, es gibt Proberäume für die Musikkapelle und den Chor sowie einen Veranstaltungssaal. Wir überlegen, im Bereich des derzeitigen Widums Wohnungen zu schaffen“, erklärte der Vizebürgermeister.
Architekt Mag. Peter Schneider: „Pfarrkirche, Friedhof und der große Platz sind zentrale Elemente des Leisacher Dorfkerns.“
Architekt Mag. Peter Schneider – ein gebürtiger Deferegger – hat die Aufgabe, das Projekt bis zur Einreichplanung vorzubereiten. „Wir haben einen einfachen, kompakten Ziegelbau mit einem Satteldach vorgesehen. Es gibt ein Erdgeschoß mit Eingang vom Dorfplatz und zwei Untergeschoße. Den nordseitigen und südseitigen Bauteil verbindet eine gläserne – zentral gelegene – Halle“, erklärte Schneider. Vize-Bgm. Bernhard Zanon berichtete über die weitere Vorgangsweise in drei Schritten: „In der ersten Stufe wird das neue Projekt umgesetzt, dann ist geplant, den Bereich des jetzigen Widums zu bebauen, und in einem dritten Schritt werden wir versuchen, das bestehende Gemeindeamt – es steht unter Denkmalschutz – zu veräußern.“
Zu Diskussionen kam es im Anschluss an die Präsentation zur gänzlichen Abtragung des Hanserhofes, zur Integration der Pfarre in das neue Dorfzentrum und zum Fehlen einer Ausschankmöglichkeit in den derzeitigen Planungen. „Wir sehen es als Zeichen der Gemeinschaft, dass wir in Zukunft zusammen mit der Gemeinde in einem Haus untergebracht sind. Und dass im Bereich des bestehenden Widums Wohnmöglichkeiten geschaffen werden, sehe ich als gute Gelegenheit, den Dorfkern zusätzlich mit Leben zu erfüllen“, meinte Dekan Mag. Bernhard Kranebitter. Auch die Frage der Kosten und der Finanzierung interessierte einen Gemeindebürger. „Wir sind in Leisach in der glücklichen Lage, einen gewissen finanziellen Spielraum zu haben. Ein erstes Finanzierungsgespräch findet am 7. Juli statt. Dann soll noch im Juli die Bauverhandlung erfolgen, und wir wollen anschließend den Bau zügig umsetzen“, berichtete Vize-Bgm. Bernhard Zanon über den weiteren Fahrplan.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images
