KW Villgraten: „Alle Bescheide rechtskräftig!“
Im Gemeindeamt von Innervillgraten stellten Bgm. Josef Lusser und DI Gottfried Steinbacher Details der Kraftwerks-Anlage vor und gingen auf gegnerische Stimmen ein.
Die Gemeinde Innervillgraten hat am 24. August 2015 mit dem Bau einer Wasserkraftwerks-Anlage am Stallerbach und Kalksteinbach im Talschluss des Villgratentales begonnen. Bei einem Pressegespräch am Freitag, 25. September 2015, stellten Bgm. Josef Lusser und Projektbegleiter DI Gottfried Steinbacher das Projekt vor und gingen auch auf die in den letzten Jahren sehr hart geführte Diskussion um das Projekt ein. „Es handelt sich um eine Ökostrom-Kleinwasserkraftanlage, die jährlich ca. 8,6 Mio. kWh Strom liefern wird. Damit könnte man die Haushalte Innervillgratens sechs Mal mit Strom versorgen“, so der Planer einleitend. Der gesamte Abschnitt betreffe Siedlungsgebiet, also durch den Menschen geprägte und veränderte Landschaft. „Alpines Hochland wird von den Baumaßnahmen nicht berührt. Alle betroffenen Flächen befinden sich innerhalb eines landwirtschaftlich genutzten Bereiches der Kulturlandschaft. Einzig das Krafthaus wird sichtbar sein. Es hat in etwa die Größe eines kleinen oder mittleren landwirtschaftlichen Betriebes“, erklärte Gottfried Steinbacher.
DI Gottfried Steinbacher: „Die Triebwasserwerke verlaufen unterirdisch, und die Wasserfassung wird mit einem Tiroler Wehr umgesetzt. Es wird also keinen Rückstau geben.“
Bgm. Josef Lusser erläuterte kurz das Werden des Projektes. „Anstoß gab die Lokale Agenda in den Jahren 2004/05 in unserem Dorf. Es gab zunächst auch Einstimmigkeit im Gemeinderat. Im Zuge des Bewilligungsverfahrens kam es zu Beeinspruchungen durch zwei Gemeindebürger bzw. Gemeinderäte“, so Lusser. Dadurch sei es zu einer Verzögerung des Baubeginns um mehrere Jahre gekommen, und dadurch wären Kosten von mehreren Hunderttausend Euro entstanden. Nun würden alle für den Bau erforderlichen Bescheide rechtskräftig vorliegen. Eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung ergäbe eine Amortisationszeit von 17 Jahren bei einer Nutzungsdauer von 50 Jahren. „Da wir aufgrund der Angebotsergebnisse sehr viel günstiger bauen können, wird sich die Wasserkraft-Anlage aber schon in rund 13 Jahren amortisieren. Für die Gemeinde ergibt sich kein Risiko. Die jährlichen Erträge schätzen wir derzeit auf ca. 300.000 Euro“, so Steinbacher.
Bgm. Josef Lusser: „Alle für den Bau der Wasserkraft-Anlage erforderlichen Bescheide liegen rechtskräftig vor. Durch die Erträge hat die Gemeinde einen wesentlich höheren Budgetspielraum. Der Ertrag kommt den Gemeindebürgern zugute und stellt eine Zukunftsabsicherung dar.“
Das Kraftwerk wird alleine durch die Gemeinde Innervillgraten errichtet, die Baukosten wurden mit 6,8 Mio. Euro eingereicht. Bürgermeister und Planer gingen auch auf die Argumente der Kraftwerksgegner ein. „Die Studie der e3 consult aus 2014 weist die Unwirtschaftlichkeit des Projektes nicht nach, wie durch die Gegner immer wieder behauptet wird. Man hat sich beispielsweise in dieser Studie durch einen simplen Additionsfehler um 1 Mio. Kilowattstunden verrechnet“, so Steinbacher.
Er und Bgm. Josef Lusser verwehrten sich gegen die Einmischung des Alpenvereins und des Umweltdachverbandes. „Der Alpenverein ist laut Statuten ein Bergsportverein und schützt daher auch aus Eigeninteresse die alpinen Räume. Ich bin selbst Alpenvereins-Mitglied. Die Einmischung in das Kraftwerksprojekt Innervillgraten, von dem alpine Räume nicht berührt sind, sehe ich als statutenwidrig“, so Gottfried Steinbacher. Der Umweltdachverband würde die Interessen der Projektgegner im Tal vertreten. „Die Angriffe auf Behördenvertreter und Regierungsmitglieder sind für Menschen mit Demokratiebewusstsein nicht zu tolerieren“, sagte Steinbacher.
Wir baten den Vorsitzenden der Alpenvereins-Sektion Sillian, Ing. Anton Sint, um einen Kommentar zum Kraftwerksprojekt. „Die Alpenvereins-Sektion Sillian sieht das Kraftwerk an diesem Standort in Innervillgraten sehr kritisch und hätte sich für ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Talgemeinden mit Kraftwerks-Standort in Außervillgraten eingesetzt, damit nicht alle Hauptbäche im Villgratental für Kraftwerks-Zwecke verbaut werden“, sagte Sint.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger