Kritik an Tarifen des Abfallwirtschaftsverbandes
Der Tarif für die Müllentsorgung in Osttirol liege 24% über dem Tiroler Durchschnitt, kritisiert LA Josef Schett. AWVO-GF Bgm. Oswald Kuenz verteidigt die Tarifgestaltung.
Den am Donnerstag, 2. Oktober 2014, im Tiroler Landtag diskutierten Bericht des Bundesrechnungshofes zum Thema Restmüllentsorgung nimmt der Osttiroler Landtagsabgeordnete Josef Schett (Vorwärts Tirol) zum Anlass, um Kritik an den Osttiroler Mülltarifen und am Abfallwirtschaftsverband Osttirol (AWVO) zu üben. „Die mechanisch-biologische Anlage (MBA) in Lavant ist eine teure Lösung. Aus dem Rechnungshofbericht geht hervor, dass der Tarif für die Müllentsorgung in Osttirol um rund 24% über dem Tiroler Durchschnitt liegt“, so Schett in einer Presseaussendung.
LA Josef Schett: „Gerade in Osttirol mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen aller Tiroler Bezirke haben wir die mit Abstand höchsten Mülltarife. Da muss man eine vertiefende Prüfung machen und schauen, wie man kostensparendere Lösungen findet.“
Der wirtschaftliche Betrieb einer derartigen Anlage setze eine Mindestmenge von 80.000 Jahrestonnen voraus, in Osttirol fielen aber lediglich 14.800 Tonnen an. „Unter anderem führt das dazu, dass die Osttiroler Bevölkerung für eine Tonne Müll 225 Euro bezahlen muss“, betonte der Abgeordnete in der Landtags-Diskussion. Der Geschäftsführer des AWVO und Lavanter Bürgermeister Oswald Kuenz verteidigt die Tarifgestaltung und vergleicht die Osttiroler Tarife mit jenen für die Müllverbrennung in Kärnten. 19 Oberkärntner Gemeinden liefern ihren Müll nach Lavant, die restlichen Kärntner Gemeinden in die Müllverbrennungsanlage. „Für die Oberkärntner ist es günstiger, ihren Müll in Osttirol zu entsorgen, sonst würden sie ja auch an die eigene Müllverbrennungsanlage liefern“, so Kuenz.
Der Tarif von 225 Euro setzt sich aus 158 Euro für die Vorbehandlungsanlage und 67 Euro für die Deponie zusammen. „Ab dem nächsten Jahr können wir den Tarif auf 213 Euro senken. Wir hatten bei der Vorbehandlungsanlage weniger Störfälle und Reparaturen. Außerdem sind wir nicht auf Gewinn ausgerichtet, sondern arbeiten kostendeckend. Die Tarife sind vom Land genehmigt“, erklärt der AWVO-Geschäftsführer. Würden die Osttiroler Gemeinden den Müll nach Nordtirol liefern, käme das um einiges teurer. „Der Transport über zwei Pässe wäre viel zu aufwendig, und von Nordtirol muss der Müll erst weiter in die Müllverbrennungsanlagen zum Beispiel nach Deutschland geliefert werden“, so Kuenz.
AWVO-GF Bgm. Oswald Kuenz: „Unsere Tarife sind auch für die Oberkärntner Gemeinden günstig. Sonst hätte das Land Kärnten die Entsorgung in Osttirol für die 19 Gemeinden sicher nicht genehmigt.“
Rund 10.000 Tonnen Müll liefern die Osttiroler Gemeinden jährlich nach Lavant, ca. 4.800 Tonnen kommen von den Oberkärntner Gemeinden (Gailtal bis Hermagor, Mölltal bis Obervellach und Drautal bis Steinfeld). Josef Schett vergleicht die Osttiroler Tarife mit jenen von Kitzbühel: „Im Bezirk Kitzbühel fallen für die gleiche Menge Abfall gerade einmal 130 Euro an.“ Das könne man so nicht vergleichen, meint Oswald Kuenz. „Der Tarif für die Vorbehandlungsanlage sinkt ab 2015 auf 148 Euro. Die Deponiekosten – die sowieso auch anfallen – betragen ab dem nächsten Jahr nur mehr 65 Euro, sodass wir auf den Gesamttarif von 213 Euro kommen, der dann vier Jahre gilt“, rechnet der Geschäftsführer abschließend vor.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: AWVO/Passer, Vorwärts Tirol, Osttirol heute/Mühlburger
