KalserInnen zogen Bilanz über Agenda 21
Rund 80 Kalserinnen und Kalser beschäftigten sich in zehn Gruppen mit Zukunftsfragen ihres Glocknerdorfes. Das Ergebnis wurde im neu gestalteten Musikpavillon präsentiert.
Erklärtes Ziel der Agenda 21 ist es, das 21. Jahrhundert in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Sicht nachhaltig zu gestalten und die Lebensgrundlagen für künftige Generationen zu sichern. Die Initiative gründet sich auf die im Jahre 1992 in Rio de Janeiro von Mitgliedern der United Nations verabschiedeten Agenda 21. Daraus wurde die Lokale Agenda 21, die in Gemeinden und Regionen finanziell unterstützte Entwicklungsprozesse begleitet. Das Glocknerdorf Kals hat sich vor zwei Jahren dafür entschieden, bei diesem Projekt mitzumachen, um auf der Grundlage der vorhandenen Potenziale eine Vision für die Osttiroler Gemeinde und eine Leitlinie für die künftige Entwicklung zu erarbeiten. Bürgermeister Klaus Unterweger bedankte sich bei der Präsentation der Ergebnisse und der Broschüre am Freitag, 15. Juni 2012, im neu gestalteten Musikpavillon bei den 80 Kalserinnen und Kalsern, die sich in zehn selbstständigen Arbeitsgruppen unter Einbindung von Fachleuten und mit permanenter Vernetzung mit der Tiroler Agenda-Leitstelle engagierten.
„Kals hat alle Merkmale einer attraktiven alpinen Region und das Zeug dazu, eines der profiliertesten Bergsteigerdörfer in den Alpen zu sein“, erklärte Projektleiter Dr. Peter Haimayer das Zukunftsbild für das Glocknerdorf.
Ein ausgewogenes Zusammenspiel von Natur und Technik im Dreiklang von Großglockner, Nationalpark und Bergbahnen sei in Kals verwirklichbar. Kals verpflichte sich den Prinzipien der Nachhaltigkeit, was beispielsweise in intelligenten Verkehrslösungen, in den eng geflochtenen sozialen Netzen und im schonenden Umgang mit der Umwelt Niederschlag findet. „Die Erfolgsfaktoren dieses Dorfes sind Authentizität und Kompetenz, und den Bürgerinnen und Bürgern gelingt es, in idealer Weise Tradition und Moderne zu verbinden“, betonte Haimayer.
Zu den bereits umgesetzten Projekten zählen etwa der Jugendgemeinderat, das Weihnachtsmusical der Volksschule, die Modernisierung des Musikpavillons, das Projekt www.kalskommunikation.at – eine neue Online-Plattform, der Verein Kalser Handwerksladen und Köstlichkeiten, das Konzept zur Erhaltung wertvoller Elemente der Kulturlandschaft, die Rahmenbedingungen für die Sicherung der historischen Bausubstanz oder die Gestaltung des Ortsbildes. „Die Erhaltung der Kirchenruine St. Peter ist ein wichtiges Projekt für die Zukunft“, so Vize-Bgm. Martin Gratz, der die Gruppe Kulturlandschaft leitete. Weitere teilweise schon weit fortgeschrittene Projekte sind die Schaffung von baulichen Vorrichtungen für die Tagesbetreuung älterer Menschen und das Verkehrskonzept mit neuer Ortsbeschilderung von der Felbertauernstraße bis zu den hintersten Ortsteilen. „Unsere Zukunftsvision ist ein energieautarkes und CO²-neutrales Kals“, so Robert Trenkwalder von den „Glocknerperspektiven“. Erreichen will man dies durch den weiteren Ausbau der solaren Energie und durch die geschickte Nutzung von Holz und Wasserkraft.
„Europa ist dort, wo es gelebt wird“, leitete Kapellmeister Martin Gratz den musikalischen Schlussteil der Veranstaltung ein. Kabarettist Markus Linder sorgte mit seinem Kalser Hausnamen-Rap für viele Lacher und konnte sich auch einen Seitenhieb auf die Bergführer und Skilehrer des Glocknerdorfes nicht verkneifen: „I wanna be teached and geführt by you“, sang er zum Abschluss.
Text und Fotos: Raimund Mühlburger