Information dominiert das Virgental vor der Befragung
Am Sonntag, 17. Juni, können die Bürger von Prägraten und Virgen von 7.00 bis 17.00 Uhr abstimmen, ob an einem Kraftwerk an der Isel weiter geplant werden soll oder nicht.
Die Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental lud am Samstag, 9. Juni 2012, zu einem Diskussionsabend in den Dorfsaal von Prägraten. Reinhold Bacher von der BI sprach eingangs über die Vorkommen von Tieren und Pflanzen am Gletscherfluss, wie sie nur mehr an wenigen Flüssen zu finden sind, und trat daher vehement für den Erhalt einer frei fließenden Isel als Referenzfluss ein. „Wasser ist ein kostbares Gut, das sich auch touristisch vermarkten lässt – beispielsweise für stressgeplagte Städter, für Atemwegspatienten oder für Wassersportler“, betonte Luis Töchterle, der als gutes Beispiel für diese touristische Nutzung des Wassers den WildeWasserWeg im Stubaital vorstellte. „Wichtig ist, die Verhältnismäßigkeit – was nehme ich aus der Natur, was belasse ich ihr – nicht aus den Augen zu verlieren“, so Töchterle. Regina Köll vertrat die Ansicht, dass die Osttiroler Naturschätze, wie die stürzenden Wasser, die Besonderheiten des Nationalparks und die saubere Luft bei richtiger Werbung und Vermarktung mehr Nächtigungen, Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Einnahmen für die Gemeindekassen bringen als ein überdimensioniertes Kraftwerk. Der Limnologe Univ.-Prof. Dr. Roland Pechlaner ging sehr ausführlich auf die Gewässergüte der Isel und die Möglichkeiten der Erhaltung des natürlichen Fischbestandes ein. An der anschließenden Diskussion beteiligten sich auch die beiden Bürgermeister, Anton Steiner (Prägraten) und Ing. Dietmar Ruggenthaler (Virgen).
Die Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental ging bei ihren Informationsveranstaltungen vor allem auf die Ökologie des Gletscherflusses und auf Möglichkeiten der touristischen Nutzung ein.
Die beiden Gemeinden sind gemeinsam mit der Firma INFRA federführend am Projekt Wasserkraft Obere Isel beteiligt. Vor kurzem wurden die Eckpunkte des Vertrages für die neu zu gründende Projektgesellschaft „Wasserkraft Obere Isel GmbH“ ausverhandelt. Die beiden Gemeinden des Virgentales werden jeweils 25% und der Projektentwickler INFRA 50% an dieser Gesellschaft halten. Die Gemeinden halten in Grundsatzfragen unabhängig von den Gesellschaftsanteilen eine Sperrminorität, und es wurde vereinbart, dass es für Virgen und Prägraten keine Nachschusspflicht gibt. Das Stammkapital beträgt 200.000 Euro. Sollten sich die Bürgerinnen und Bürger am kommenden Sonntag bei der Befragung für das Projekt aussprechen, werden sich die Gemeinderäte der beiden Kommunen mit diesem Entwurf eines Gesellschaftsvertrages befassen.
Die Bürgerinitiative Pro Wasserkraft Obere Isel ist davon überzeugt, dass naturschonende Energieerzeugung an der Isel möglich ist, und dass die Vorteile für das Virgental überwiegen.
Die Bürgerinitiative Pro Wasserraftwerk Obere Isel ist vom Nutzen eines Wasserkraftwerkes an der Isel für das Virgental überzeugt und hat bei zehn Informationsveranstaltungen versucht, die Bevölkerung für ein „Ja“ bei der Bürgerbefragung zu gewinnen. „Die sparsame und schonende Nutzung unserer Landschaft und der Ressource Wasser ist ein Hauptanliegen der Projektbetreiber. Die Beteiligung der Gemeinden und die Mitarbeit der Virgentaler Bevölkerung ist ein Garant für das behutsame Miteinander zwischen Natur und Energieerzeugung“, so BI-Sprecher Fritz Joast. Nur finanziell stabile Gemeinden könnten die zukünftigen Aufgaben erfüllen und das gewohnte Umfeld im Virgental erhalten und ausbauen. „Die Volksbefragung am 17. Juni ist richtungsweisend für die Entwicklung unseres Tales, jeder soll sich ein eigenes Bild machen und seine Meinung deponieren“, so Joast abschließend.
Text: Redaktion, Fotos: W.C. Retter, Bacher, Privat