Hochwasser: Land erarbeitet eigenes Modell für Osttirol

Bisher wurde die Gefahr in Osttirol mithilfe der Hochwasserwarnung des Landes Kärnten eingeschätzt, bis Ende 2017 soll ein eigenes Modell im Bezirk zur Verfügung stehen.

Wenn ein außergewöhnliches Hochwasserereignis eintritt und bestehende Schutzverbauungen die Wassermassen nicht mehr aufhalten können, wird ein Warnsystem benötigt, mit dem die Bevölkerung frühzeitig auf die herannahende Gefahr vorbereitet wird. Um die Qualität der Hochwasserprognose weiter zu verbessern, erarbeitet das Land nun ein eigenes Modell zur Einschätzung der Hochwassergefahr an Drau und Isel in Osttirol. Bislang wurde die Hochwassergefahr im Bezirk Lienz mithilfe der Warnung des Landes Kärnten eingeschätzt. Bis Ende 2017 soll ein eigenes Prognosemodell zur Verfügung stehen, das noch exaktere Vorhersagen möglich macht.

„Hochwasser-Prognosemodelle sind komplexe Simulationen der Abflussbildung. Sie stützen sich auf Geländemodelle und berücksichtigen die hydrologischen Gebietseigenschaften. Die Datengrundlage bilden Pegelmessdaten, meteorologische Daten und Wettervorhersagen“, erklärt dazu Mag. Klaus Niedertscheider, Leiter des hydrologischen Dienstes des Landes Tirol. Ein speziell für Drau und Isel samt Einzugsgebieten entwickeltes Prognosemodell ermögliche eine noch genauere und frühere Hochwasserwarnung für den Bezirk Lienz.

25 Pegelbeobachtungsstellen gibt es an der Isel, der Drau und den Zubringerbächen in Osttirol. Dazu kommen 37 Wetterstationen im Einzugsgebiet. Die Messungen erfolgen vollautomatisch, die Daten werden viertelstündlich über elektronische Übertragungswege an die Server des Landes Tirol übermittelt und in Prognosemodelle eingespeist. Während an großen Flüssen – wie der Donau – die Vorwarnzeit bei einer Hochwasserwelle mehrere Tage beträgt, sind es an den Tiroler Flüssen bei Extremereignissen oft nur wenige Stunden. Mit der Hochwasserprognose kann die Abflussentwicklung bei entsprechenden Wettervorhersagen aber bereits für zwei bis fünf Tage im Voraus eingeschätzt werden.

Aktuelle Abflusssituation und Niederschlagsgeschehen können auf der Internetseite des Landes unter www.tirol.gv.at/hydro-online mitverfolgt werden.

 

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Land Tirol/Brunner

20. April 2016 um