Gemeinderatswahl: Sieben Fragen an die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik

Wir unterhielten uns mit Elisabeth Blanik über Erfolge ihrer bisherigen Amtszeit, Projekte für die Zukunft und die Ziele der SP-Fraktion bei den Wahlen am 27. Februar.

Elisabeth Blanik wurde am 30. Jänner 1966 in Lienz geboren. Nach der Matura an der Bundeshandelsakademie Lienz studierte sie Architektur an der Technischen Universität Wien. Seit 2003 ist die SPÖ-Politikerin Abgeordnete zum Tiroler Landtag. Im Jahr 2011 wurde sie zur Bürgermeisterin der Stadt Lienz gewählt. Bei den Gemeinderatswahlen am 28. Februar 2016 erreichte die SP-Fraktion 42,80 Prozent der Stimmen und hält seitdem 10 der 21 Mandate im Lienzer Gemeinderat. Bei der Bürgermeisterwahl wurde Elisabeth Blanik mit 62,34 Prozent im Amt bestätigt.

Frau Bürgermeisterin, wie beurteilen Sie die ablaufende Funktionsperiode atmosphärisch und in Bezug auf die Ergebnisse?

Ich habe die Zusammenarbeit im Gemeinderat auch in den letzten sechs Jahren als sehr konstruktiv wahrgenommen – das betrifft alle Fraktionen. Diskussionen und unterschiedliche Meinungen gab und gibt es natürlich, aber der Umgang untereinander war durchaus immer wertschätzend. Schade ist, dass dieses konstruktive Miteinander vor Wahlen manchmal etwas verloren geht.

Von den Ergebnissen her kann ich sagen, dass wir in den letzten sechs Jahren viel weitergebracht haben. Das neue Mobilitätszentrum haben wir vor Kurzem seiner Bestimmung übergeben, einige Restarbeiten sind noch durchzuführen. Die Innenstadt wurde attraktiviert, ich erinnere nur an die Zwergergasse und die Andrä-Kranz-Gasse. Ein wichtiges Projekt ist die Sanierung der Volksschule Nord mit Baubeginn im Sommer 2022. In Sachen Neugestaltung des Hauptplatzes sind wir in den Arbeitsgruppen intensiv am Planen. Zentral waren auch das Streetworker-Projekt und die Schulsozialarbeit, die inzwischen in allen Mittelschulen zur Verfügung steht. Und ein wichtiges Projekt in der Innenstadt ist auch das Klosterplatzl, also die Neugestaltung des Bereiches beim Franziskanerkloster.

Was waren die größten Erfolge ihrer bislang über 10-jährigen Amtszeit als Bürgermeisterin der Stadt Lienz?

Neben den Großprojekten Dolomitenbad und Mobilitätszentrum möchte ich hier vor allem den Breitbandausbau im Zuge von „Regionet“, das Wohnbau-Projekt Minekugel und die Schrebergärtensiedlung sowie die Stadtbücherei erwähnen. An den neuen Heimen für die Bergrettung, die Wasserrettung und den Tierschutzverein hat sich die Stadt maßgeblich unterstützend beteiligt.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen? Wie geht es der Stadt Lienz finanziell?

Die größte Herausforderung ist derzeit – wie überall – der Umgang mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen. Mir geht es vor allem darum, wieder zu einem wertschätzenden Miteinander zurückzufinden.

Natürlich sind die Finanzen laufend eine Herausforderung. Immer mehr Aufgaben werden auf die Gemeinden abgewälzt. Die Stadt Lienz steht trotzdem auf einem soliden finanziellen Fundament. Unsere Devise ist, im Kleinen zu sparen, um die großen Aufgaben bewältigen zu können.

Für das Dolomitenbad ist das Darlehen zurückzuzahlen, an den Investitionen für das Mobilitätszentrum ist die Stadt Lienz mit 16,7 Prozent beteiligt. Die Sanierung der VS Nord, die Schaffung eines neuen Eislaufplatzes und damit zusammenhängend die Sanierung der Dolomitenhalle wird in der nächsten Periode sicher auch zur Herausforderung, und beim Hochwasserschutz für die Isel handelt es sich um ein Millionen-Projekt.

Apropos Corona: Wie hat die Corona-Pandemie die Arbeit in der Stadtgemeinde verändert?

Persönlich für mich als Bürgermeisterin hat sich sehr viel verändert. Der direkte Kontakt zu den BürgerInnen ist mir sehr wichtig. Ich möchte das Ohr bei den Leuten haben. Dabei kann ich Energie tanken. Und diese direkten Kontakte wurden mit dem 1. Lockdown vor knapp zwei Jahren auf einmal abrupt beendet. Das war für mich ein sehr harter Einschnitt. Inzwischen sind persönliche Kontakte unter Einhaltung der Maßnahmen und Einschränkungen Gott sei Dank wieder eher möglich.

Natürlich waren und sind wir durch die Pandemie auch personell extrem gefordert. Durch die Teststrategie und die Impfstraßen waren und sind vor allem die MitarbeiterInnen der Stadt extrem belastet. Man kann sich bei ihnen nicht oft genug für dieses zusätzliche Engagement bedanken. Die Kindergärten waren immer offen, wodurch wir den Eltern durchgehend Betreuung anbieten konnten.

Natürlich stand am Beginn auch die Frage, wie sich die Pandemie auf die Einnahmen der Stadt auswirkt. Die Wirtschaftsbetriebe waren allerdings sehr stabil, und da wir nicht so extrem tourismuslastig sind wie z.B. Gemeinden in Nordtirol, sind die Einnahmen aus der Kommunalsteuer kaum eingebrochen. Wir sind also finanziell mit einem blauen Auge davongekommen.

Was planen Sie für die nächste Funktionsperiode?

Wie schon erwähnt, wird uns neben der Hauptplatz-Neugestaltung vor allem die Sanierung der VS Nord, der Hochwasserschutz, der Eislaufplatz und die Sanierung der Dolomitenhalle beschäftigen. Außerdem soll gemeinsam mit der Pfarre Heilige Familie der dortige Kindergarten in einem Gesamtprojekt erneuert werden.

Was sind die Ziele der SPÖ-Fraktion bei der Gemeinderatswahl?

Ziel ist, dass wir die bisherigen 10 Mandate halten können, was aber bei der großen Anzahl an Mitbewerber-Listen schwierig sein wird. Und natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn ich auch in den nächsten sechs Jahren Bürgermeisterin der Stadt Lienz sein könnte.

Was schätzen Sie an Ihrer Funktion als Bürgermeisterin am meisten?

Auch nach 10 Jahren als Bürgermeisterin ist die Freude an dieser Arbeit und die Energie ungebrochen. Am meisten gefällt mir dabei der direkte Kontakt mit den Menschen. Wenn sie mit ihren Anliegen und Problemen zu mir in die Liebburg kommen, freue ich mich immer. Man kann oft nicht unmittelbar und rasch helfen, aber die Situation wenigstens etwas erleichtern, kann man meist sofort. Ich habe immer versucht, mir auch für jedes noch so kleine Anliegen Zeit zu nehmen und zuzuhören. Für mich sind alle, die in dieser Stadt leben, gleich wichtig.

Danke für das Gespräch!

 

Interview: Raimund Mühlburger, Foto: Osttirol heute

29. Januar 2022 um