Frauenpolitik ist „IN”: Frauenzentrum Osttirol lud zu Vortrag und Diskussion

Gemeinsam mit „Frauen im Brennpunkt” und dem AMS Lienz lud das Frauenzentrum Osttirol vor Kurzem zu einem Abend mit Politikwissenschaftlerin Dr. Alexandra Weiss.

Vor 40 Jahren wurde Johanna Dohnal als Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen angelobt und ebnete den Weg für institutionalisierte Frauenpolitik in Österreich. Welche Frauenpolitik ist 2019, dem Jahr, in dem Dohnal ihren 80. Geburtstag gefeiert hätte, noch relevant? Um diese Frage kreisten die Themen, die Politikwissenschaftlerin Alexandra Weiss in ihrem Vortrag behandelte. Sie stellte die Verbindung zwischen der Frauenpolitik Dohnals und aktuellen Lebensrealitäten von Frauen in Österreich her.

„Die Forderung ,Ganze Männer machen halbe halbe‘ sorgte einst für maximales öffentliches Aufsehen. Heute noch ist es die Teilzeit, die Frauen langfristig Einkommens- und Pensionseinbußen bringt. Frauen sind und bleiben so abhängig von Männern”, erläuterte Weiss. „Junge Frauen kommen in unsere Beratungsstellen – unter 30, kleine Kinder, ein Haufen Schulden, und der Mann hat sie verlassen”, schilderte Brigitte Schieder vom Frauenzentrum Osttirol Fälle aus der Praxis. Und Doris Batkowski, Leiterin des AMS Lienz, ergänzte: „Junge Mädchen kommen auch zu uns, um sich beraten zu lassen – ohne Ausbildung und ohne Perspektiven.”

Auf die Frage, was 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Österreich zu tun ist, ging die Politikwissenschaftlerin zum Schluss ihres Vortrages ein: „Dem Rechtspopulismus entgegentreten und soziale Gerechtigkeit stärken. Frauenpolitik ist in, solange eine Kluft zwischen der Behandlung von Männern und Frauen klafft. Für die Anliegen der jungen Frauen in Osttirol bedeutet dies Aufklärungsarbeit, was die Beratungsstellen täglich leisten.”

 

Text: Redaktion, Foto: Frauenzentrum Osttirol

26. Juni 2019 um