Forum Alpbach: Land Tirol und Bund rücken Katastrophenschutz in den Fokus
Die Brisanz des Themas zeigen auch jene Unwetter, die Mitte August in Osttirol und in St. Anton am Arlberg enorme Schäden verursacht haben. Bei einer Fachwanderung in Alpbach wurden die Problemstellungen praxisnah erklärt.
Beim European Forum Alpbach, heuer unter dem Motto „Moment of Truth“, lenkte Bundesminister Norbert Totschnig gemeinsam mit LH-Stv. Josef Geisler und Landesrätin Astrid Mair den Fokus auf Katastrophenschutz und Risikomanagement. Bei einer Fachwanderung und anschließender simulierten Einsatzlagebesprechung wurden die Problemstellungen praxisnah erklärt, um Naturgefahren und deren Auswirkungen besser zu verstehen.
Die Brisanz der Themen zeigen auch die jüngsten Unwetter Mitte August im Alpenraum, welche enorme Schäden verursacht und lokale Katastrophen wie Murenabgänge und Überschwemmungen, insbesondere in St. Anton am Arlberg und Osttirol, ausgelöst haben.
Bundesminister Norbert Totschnig: „Eines muss uns klar sein: Schutzmaßnahmen so wie wir sie kennen, sind keine Selbstverständlichkeit. Österreich ist hier international Vorreiter, und wir können zu Recht stolz darauf sein. Im vergangenen Jahr wurden über 192 Mio. Euro in die Wildbach- und Lawinenverbauung investiert, davon wurden über 105 Mio. Euro vom Bund bereitgestellt. Heuer werden wir sogar erstmals die 200 Mio. Euro Grenze überschreiten.“
„Der Klimawandel zählt zu den größten Herausforderungen der Gegenwart. Die Zunahme extremer Wetterereignisse und deren Folgen wie Hochwasser, Muren oder Felsstürze gelten als erwiesen. Daher müssen wir auch weiterhin in den Schutz vor Naturgefahren investieren, denn der Klimawandel bringt stets neue Herausforderungen mit sich. Die Wildbach- und Lawinenverbauung setzt genau hier an und schützt vorsorglich Siedlungen und Betriebe, aber auch Straßen und Bahnstrecken vor Naturkatastrophen“, betonte der Bundesminister.
„Wir haben in Tirol ein sehr hohes Sicherheitsniveau. Allein im Bereich der Wildbach- und Lawinenverbauung verzeichnen wir 43.000 Schutzbauwerke. Auf den Landesstraßen sorgen rund 100 Galerien und Tunnels für den Schutz vor Naturgefahren. Unser Ass in der Katastrophenvorsorge ist aber der Wald. Er schützt unseren Lebens- und Wirtschaftsraum. Auf den Wald müssen wir deshalb gerade angesichts der Klimaveränderung ein besonderes Augenmerk legen“, erklärte LH-Stv. Josef Geisler.

„Der Schutz von Siedlungsräumen, Infrastruktur und Menschenleben hat in Tirol stets oberste Priorität, da wir als Gebirgsland immer wieder von Naturereignissen betroffen sind. Um dies zu gewährleisten, verfügt das Land über zahlreiche Schutzbauten und Monitoring-Systeme, wie den Lawinenwarndienst, der weltweit führend ist. Trotzdem gibt es nie eine hundertprozentige Sicherheit – ein umfassendes Katastrophenmanagement auf allen Ebenen, von Landes- bis Gemeindeebene, ist daher unerlässlich. Eine enge Zusammenarbeit und regelmäßige Schulungen für Gemeinden und Einsatzkräfte sind entscheidend, um im Ernstfall schnell und effektiv handeln zu können“, so Landesrätin Astrid Mair.
Unwetterbilanz Tirol
• Anlässlich der Ereignisdokumentation 2024 durch den Wasserbau Tirol wurden bisher 17 schadensrelevante Hochwasserereignisse für 10 Tiroler Schwerpunktgemeinden dokumentiert.
• Für das heurige Jahr wurde in Tirol bisher rund 1 Mio. Euro an Gesamtmittelbedarf (davon ein Drittel Bundesmittel) für Sofortmaßnahmen zur Sanierung der unmittelbar aufgetretenen Schäden im Bereich des Bundeswasserbaus veranschlagt.
• Im Verlauf der Hochwasserereignisse 2024 konnte für Tirol bestätigt werden, dass die intensiven Instandhaltungsmaßnahmen der vergangenen Jahre deutlich höhere Schäden entlang der betroffenen Flüsse verhindern konnten.
Text: Redaktion, Fotos: BML/Hemerka