Die Grünen: „Nein zu neuen Transitstrecken durch das Drautal und Osttirol!“

Barbara Neßler und Hermann Weratschnig, Tiroler Nationalräte der Grünen, nahmen anlässlich ihres Osttirol-Besuches in Lienz zu Tourismus- und Mobilitätsthemen Stellung.

Seit gut vier Monaten sitzen Barbara Neßler und Hermann Weratschnig als Tiroler Abgeordnete der Grünen im Nationalrat. Neßler ist u.a. Kinder-, Jugend- und Tourismussprecherin, Weratschnig hat die Funktion des Verkehrssprechers der Grünen im österreichischen Parlament inne. Am Donnerstag, 5. März, besuchten sie Osttirol, um sich mit ihren Parteikolleginnen und -kollegen sowie der Ortsgruppe Lienz auszutauschen – über Zielsetzungen, Herausforderungen und Chancen für den Bezirk sowie über ihre Erwartungshaltung, mit denen sie in die erste Regierungsbeteiligung auf Bundesebene gestartete sind. In diesem Zuge luden die beiden Nationalräte auch zu einem Medientermin.

 

NR Barbara Neßler: „Um dem Arbeitskräftemangel in der Gastronomie und im Tourismus entgegenzuwirken, fordern wir eine Attraktivierung der Arbeitsplätze, z.B. mit einer Arbeitszeitverkürzung oder Betriebskindergärten. Das muss in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft erarbeitet werden. Dazu organisieren wir Ende April eine Tourismusenquete gemeinsam mit den Sozialpartnern.“

 

„Den Wachstumswahn im Tiroler Tourismus wollen viele nicht mehr mittragen. So sprachen sich in einer Umfrage mehr als 90% gegen weitere Erschließungen aus. In Osttirol kann man noch Erholung und Ruhe abseits von Massentourismus finden. Das Verhältnis zwischen Sommertourismus (57% der Nächtigungen) und Wintertourismus (43%) ist in diesem Bezirk noch ausgeglichen. Osttirol ist somit nicht – wie zahlreiche andere Regionen in Tirol – allein vom Wintertourismus abhängig“, betonte Barbara Neßler.

Sie nahm auch zum Fachkräftemangel in der Gastronomie und im Tourismus Stellung. „In Osttirol sind mit aktuell 48 Stellen verhältnismäßig wenig Stellen offen, im gesamten Bundesland sehen wir uns aber mit einem eklatanten Arbeitskräftemangel konfrontiert. Aus volkswirtschaftlicher und sozialer Sicht sprechen wir uns klar gegen eine überregionale Vermittlung und einen Import – z.B. aus Ostösterreich – von Arbeitskräften aus. Wir müssen an einer Attraktivierung der Arbeitsplätze in der Gastronomie arbeiten“, so Neßler.

 

NR Hermann Weratschnig: „Wir sprechen uns klar gegen eine Alemagna-Autobahn aus. Ein solches Projekt ist auch in keinem ASFINAG-Ausbauplan enthalten. Durch eine Autobahn durch das Drautal würden neue Transitrouten durch Tirol entstehen. Wenn wir z.B. am Brenner Maßnahmen gegen den Transit durch Tirol setzen, müssen wir immer auch die Felbertauern- und Tauern-Route mitdenken. Und vor allem ist jedes neue Straßenbauprojekt immer auch in Zusammenhang mit den Klimazielen zu denken.“

 

Hermann Weratschnig ging vor allem auf Verkehrsthemen ein. „Das Thema kann nicht sein, transeuropäische Verkehrsnetze zu schaffen. Vorletzte Woche hat in Venetien ein Treffen stattgefunden, wo auch die Chancen einer Dolomitenautobahn – sprich Alemagna – für den Raum Kärnten/Tirol/Bayern erörtert wurde. Mit einer Alemagna-Autobahn würden wir neue Transitrouten durch Tirol aufmachen. Wir sprechen uns klar dagegen aus“, so Weratschnig.

In Sachen Verkehr gehe es in Tirol nicht nur um das Thema Transit. „Es geht darum, dass wir die Klimaziele 2030 einhalten. Wir müssen die Mobilitätswende schaffen. Wenn ich mir die Entwicklung des Motorisierungsgrades anschaue, steigt die Anzahl der Autos in Tirol noch immer“, berichtete der Nationalrat. So zeige die Statistik, dass es 2013 in Tirol 517 Autos pro tausend Einwohner gab, fünf Jahre später waren es 540. In Osttirol stieg die Zahl von 528 Autos im Jahr 2013 auf 572 im Jahr 2018.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

05. März 2020 um