Lienz setzte wichtigen Schritt beim Breitband-Ausbau

Beschlüsse betreffend die Schaffung des Gemeindenetzwerkes, Finanzierung und Nutzung von Leerverrohrungen wurden bei der GR-Sitzung am 8. September gefasst.

Zunächst stellte Stadtmarketing-Leiter Mag. (FH) Oskar Januschke das Gesamtkonzept des Breitband-Ausbaus in Lienz und weiteren 14 Gemeinden im Planungsverband 36 vor und betonte die große Bedeutung des Glasfasernetzes für den Standort Lienz. „Laut Statistik Austria sind in Lienz rund 72% der Beschäftigten im tertiären Sektor – also Dienstleistungen, Handel, internetaffine Berufe – tätig. Der Breitband-Ausbau ist also für die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen sowie für Betriebsansiedlungen extrem wichtig“, so Januschke.

Jedes Grundstück in Lienz soll mit einem Glasfaser-Anschluss versehen werden, rund 2.500 Objekte müssen angedockt, ca. 130 Verteilerkästen installiert und 42 Kilometer Hauptversorgungskabel verlegt werden. „31 Kilometer Kabel können wir davon in die bestehenden Leerverrohrungen von z.B. Tiwag oder Stadtwärme einblasen“, so Januschke. Um eine Anschlussrate von 95% in der Bezirkshauptstadt zu erreichen, sind Gesamtkosten von 3.264.000  Euro veranschlagt. Diese Rate soll in zwei Ausbaustufen in ungefähr sieben Jahren erreicht werden. Bundes- und Landesbreitbandförderungen von 1.775.000 Euro sind beantragt. „Wir kommen also auf einen sehr guten Förderungsanteil von 54,4%“, erklärte der Stadtmarketing-Leiter.

Bgm. LA DI Elisabeth Blanik unterstrich auch demokratiepolitische Aspekte. „Dass die Glasfaser-Infrastruktur in öffentlicher Hand und damit im Eigentum der Bevölkerung bleibt, sehe ich neben den arbeitsmarkt- und standortpolitischen Aspekten als sehr wichtig an“, so Blanik. Vize-Bgm. Meinhard Pargger führte ins Treffen, dass die Lienzer Schulen dringenden technischen Nachholbedarf haben. „Auch deswegen müssen wir den Breitband-Ausbau vorantreiben. So können langfristig Arbeitsplätze gesichert und vielleicht kann auch die Abwanderung eingedämmt werden“, so Pargger.

Als besonders hilfreich wurde angesehen, dass die Leerverrohrungen der Tiwag und der Stadtwärme mitgenutzt werden dürfen, dazu waren Beschlüsse über Vereinbarungen zwischen der Stadt einerseits und dem Land Tirol, der Tiwag und der Stadtwärme andererseits notwendig. „Warum müssen wir jetzt fragen, ob wir diese Infrastruktur nutzen dürfen? Außerdem sehe ich die Vertraulichkeit im Vorfeld sehr kritisch“, so GR Uwe Ladstätter (LSL) in seiner Wortmeldung. „Die Vertraulichkeit betrifft nur die Öffentlichkeit und nicht die Mandatare des Gemeinderates. Das geht bei Vereinbarungen zwischen Unternehmen – auch Landesgesellschaften wie der Tiwag – aus rechtlichen Gründen nicht anders. Die Gemeinderäte als Entscheidungsträger haben die Gelegenheit gehabt, alle Details – unter anderem auch bei unseren Juristen – zu erfahren“, entgegnete die Bürgermeisterin.

Bei den Beschlüssen über die Vereinbarungen mit Land Tirol, Tiwag und Stadtwärme stimmten die beiden LSL-Mandatare dagegen, die übrigen 17 anwesenden Gemeinderäte dafür. Die Beschlüsse über  die Priorisierung und den stufenweisen Ausbau, Finanzierung und Förderung sowie die Finanzierung des Backbone-Leitungssystems über den Planungsverband 36 erfolgten hingegen einstimmig. Die Breitband-Verlegung in Lienz setzt das Städt. Wasserwerk um. Derzeit werden zum Beispiel in der Beda-Weber-Gasse Kabel verlegt.

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Journal

09. September 2015 um