Auch bei uns historisch niedrige Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung von nur 59,91% im Bezirk Lienz markiert den tiefsten Stand seit Bestehen der II. Republik, ein Trend, der sich in ganz Österreich abzeichnet.

Viele Wählerinnen und Wähler wollten mit ihrem Stimmenthalt bei der diesjährigen Nationalratswahl ihren stillen Protest gegen die herrschende Politik oder auch ihren Frust über dieselben ausdrücken oder wussten schlichtweg nicht, wen sie wählen sollten. Aber die Nichtwähler machen mittlerweile mit 41,09% im Bezirk Lienz die zweitgrößte Gruppe der Wahlberechtigten aus.

In der folgenden Grafik wird die Wahlbeteiligung der 33 Osttiroler Gemeinden erklärt – von der beteiligungsschwächsten Gemeinde Untertilliach (47,74%) bis hin zu Außervillgraten (69,30%):

Die im Nationalrat zu vergebenden Mandate bleiben jedoch von dieser Entwicklung unangetastet. Die Nichtwähler werden praktisch ignoriert. Die geringste Wahlbeteiligung bei einer Bundeswahl in Österreich war die EU-Wahl 2009 mit nur 46% Wahlbeteiligung. Somit hatten die Nichtwähler hier bereits die absolute Mehrheit. Die Nationalratswahl bleibt nach österreichischem Wahlrecht auch dann gültig, wenn weniger als 50% der Wahlberechtigten wählen gehen. Die folgende Verteilungsgrafik verdeutlicht den Anteil der Nichtwähler als Teil der wahlberechtigten Bevölkerung, der in den üblichen Grafiken über die Verteilung der Stimmen auf die einzelnen Parteien nicht sichtbar ist (siehe Verteilungsgrafik ganz oben).

Welcher Beweggrund auch immer die Wähler von der Wahlurne fernhält – von Wahl zu Wahl sinkt die Wahlbeteiligung um einige Prozentpunkte. Das mag auch daran liegen, dass in Österreich keine Wahlpflicht mehr besteht. Die Nationalratswahl von 1994 etwa war der erste Urnengang, an dem die Staatsbürger nicht mehr verpflichtend teilnehmen mussten:

Text: J. Goritschnig, Grafiken: Journal

30. September 2013 um